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Scheidung tut weh …

19. Juni 2019

Ein neues Kursangebot, bei dem Barbara Morf Meneghin vom Bereich GemeindeEntwicklung der Methodisten in der Schweiz mitarbeitet, hilft Personen, die eine Trennung oder Scheidung erlebt haben. Sie ist der Überzeugung, dass ein solches Angebot Kirchen unterstützt, ihren Auftrag zu erfüllen.

Unter dem Titel «lieben – scheitern – leben» wirst du im September einen Kurs mitleiten. Worum geht es dabei?

Das Angebot kommt von Campus für Christus aus dem Bereich Familylife. Es will bei der Aufarbeitung von Scheidung und Trennung helfen.

Wie läuft ein solcher Kurs ab?

An sechs Abenden werden unterschiedliche Themen angesprochen, die im Zusammenhang mit Trennung oder Scheidung in den Vordergrund treten. Dazu gibt es jeweils einen kurzen Input. Danach tauschen die Teilnehmer/innen an den Tischen darüber aus, wie es ihnen ergangen ist und sie das bei sich erlebt haben. An einem Abend kommt ausserdem ein Anwalt, der in rechtliche Aspekte einführt und Fragen beantwortet.

Was sind das für Themen?

Die Themen sind zum Beispiel: «Den Folgen von Trennung und Scheidung ins Auge blicken», «Kommunikation, Konfliktlösung und Vergebung», «Beziehung pflegen zu Kindern und anderen Personen»: Freunde wissen häufig nicht, ob sie sich jetzt auch «aufteilen» und für den einen oder die andere entscheiden müssen. – Weiter geht es darum, wie sich die Betroffenen ein neues Leben aufbauen. Am Ende gibt es einen Abschlussabend, an dem die Teilnehmer/innen feiern, dass sie miteinander durch den Kurs gegangen sind.

Ein Schwerpunkt des Kurses ist also, dass die Teilnehmer/innen über ihre eigenen Erfahrungen miteinander ins Gespräch kommen?

Genau. Auch für diejenigen, die den Kurs mitleiten oder mitorganisieren, gilt darum, dass sie selbst die Erfahrung einer Trennung oder Scheidung gemacht haben müssen.
Viele erleben in Gemeinden immer noch, dass sie ausgestossen werden oder man nicht mehr mit ihnen redet. Der Kurs bietet genau das: Mit anderen darüber reden können, wie sie das erlebt haben, welche Erfahrungen sie gemacht haben, dass es normal ist, dass man so sehr trauert. Einfach die ganze Auseinandersetzung mit dieser Erfahrung. – Aber auch zu hören, wie andere das geschafft haben, wie sie Versöhnung erlebt haben. Wenn du hörst, dass zum Teil aus schwierigen Geschichten wieder Versöhnung entstanden ist, dass Familien wieder miteinander unterwegs sind, das kann auch ermutigen.

Du hast selbst so einen Kurs besucht. Was war für dich die berührendste Erfahrung?

Sehr bewegt hat mich das, was bei einer Frau geschehen ist, die mit uns am Tisch sass. Sie ist seit 19 Jahren geschieden. Seit damals hatte sie nie mehr mit ihrem Ex-Mann gesprochen. Sie hatte auch eine sehr abweisende Haltung gegenüber Männern. Mit dem Mann zum Beispiel, der bei uns am Tisch sass, konnte sie kaum sprechen. An den Kurs kam sie, weil eine Kollegin sie mitgenommen hatte. Sie fand: «Ich höre einfach einmal zu. Aber mir bringt das nichts.» Am zweitletzten Abend sagte sie dann, dass sie mit ihrem Ex-Mann Kontakt aufgenommen habe, dass sie sich treffen und miteinander reden werden. Das hat mich wirklich sehr beeindruckt.

Weshalb sollen die Methodist/innen bei diesem Angebot mitarbeiten?

Wo haben wir als Kirche Relevanz für die Menschen? – Nicht nur für die Gottesdienstbesucher/innen jeden Sonntag, sondern auch für Menschen, die der Kirche ferner stehen? – Kirche hat etwas bei Lebensübergängen zu sagen und anzubieten: Taufe und Kindersegnung, Abschluss des kirchlichen Unterrichts als Übergang ins Erwachsenenleben, Hochzeit, Beerdigung –, immer sind wir bei solchen Übergängen als Kirche da und begleiten die Menschen. Scheidung oder Trennung ist ebenfalls ein solcher Übergang. Als Kirche müssen wir auch dann bei den Menschen sein. Hier haben wir einen Auftrag.

Wie könnte die Mitarbeit konkret aussehen?

Ich habe einen Kurs besucht, im Herbst leite ich einen Kurs mit. Den nächsten müsste ich dann als Teamleitung machen. Bislang gibt es noch keine Kurse im Raum Winterthur. Mein Wunsch wäre, dass ich im Raum Winterthur Partner finde, mit denen und bei denen ich diesen Kurs durchführen kann.

Warum sollte jemand mit einer solchen Erfahrung im Lebensrucksack diesen Kurs unbedingt besuchen?

Ich glaube, es ist wichtig, sich mit seiner Geschichte zu versöhnen. Das ist wichtig für einen selbst. Wenn man in eine neue Partnerschaft will, glaube ich, dass es wichtig ist, diese zurückliegende Erfahrung zu verarbeiten, weil man sie sonst auch in die neue Beziehung hinein mitnimmt.

S.F.
Beitragsbild: Armando Orozcom, Pixabay.com

«lieben – scheitern – leben»

Der Kurs, den Barbara Morf Meneghin mitleitet, beginnt am 21. Oktober in der EMK Winterthur.
Ein unverbindlicher Informationsabend wird am 16. September um 19.00 Uhr stattfinden.
Mehr Informationen und den Flyer zum Download finden Sie hier.

Sollten Sie Interesse am oder Fragen zum Kursangebot haben, nehmen Sie direkt mit Barbara Morf Meneghin Kontakt auf: E-Mail, 044 299 30 87

 

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