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Wurde die «Spurweite» der Bibel vermindert?

März 17, 2019

Zur Sonderberichterstattung von der Generalkonferenz (KuW 3/2019)

Vor 77 Jahren bin ich in die EMK hinein geboren worden. Vor 60 Jahren wurde ich als Mitglied aufgenommen. Vor bald 50 Jahren begann ich ein Praktikum als angehender Jugendsekretär auf dem Bezirk Schaffhausen. Dort lernte ich durch Pfarrer Ernst Gisler den «EMK-Zug» kennen: «John Wesley stellte an alle Lehraussagen und persönlichen Glaubenserfahrungen die Forderung, dass sie in der Bibel verwurzelt, durch die Tradition erleuchtet, im Schmelztiegel der Erfahrung erprobt und durch die Vernunft bestätigt sein müssen.» Seither bin ich zu verschiedenen Zeiten und unterschiedlich lange in einem der vier angehängten Wagen mitgefahren – das heisst, meine «Glaubens-Schwerpunkte» haben sich öfters einmal verändert. Aber es blieb und war der «EMK-Zug». Hauptsache, die vier Wagen haben je die gleiche Spurweite wie die Lokomotive. Nur so fährt der Zug…! Aber jetzt scheint mir, dass der Zug stehen zu bleiben droht. Die Generalkonferenz hat dem Wagen «Tradition» eine neue, viel breitere Spurweite verpasst. Hätte die Mehrheit der Delegierten auf die Leute aus dem Wagen «Bibel» gehört, wäre das nicht passiert: Es gibt in den Evangelien keinen Hinweis, der Homosexualität als Sünde bezeichnet. Aber es gibt Dutzende klare Aussagen von Christus Jesus zum Thema Reichtum – und diese machen uns alle zu Sündern! Es ist von daher fast zu vermuten, dass nicht nur die Spurweite der «Tradition» verbreitert, sondern dass die Spurweite der «Bibel» vermindert worden ist. Das heisst dann: Der «EMK-Zug» (im Sinne von John Wesley) ist entgleist. Zusammen mit Christine Schneider frage ich mich: «Ist das noch meine Kirche?»

(Bild: Urs Bangerter)

Urs Bangerter, Horgen