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Typisch methodistisch

"Einigkeit und Heiligkeit sind die beiden Dinge, die ich bei den Methodisten finden möchte."

John Wesley (1703 - 1791)

Freitag 30. November 2018 06:00Alter: 13 days
/ Kategorie: Aus den Gemeinden

Homosexuell und Christ? - Drei Anlässe bei den Methodisten in Winterthur

Wie Menschen mit verschiedener sexueller Orientierung in der Kirche zusammenleben können – die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) Winterthur stellte sich einem herausfordernden Thema. Das Fazit der Teilnehmenden war erstaunlich deutlich.

(Bild: geralt, pixabay.com)

Im November 2018 hat die EMK Winterthur drei Anlässe durchgeführt, um darüber nachzudenken, wie die Methodist/innen mit Menschen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen umgehen und wie sie in Verschiedenheit miteinander unterwegs sein können.
Im Gottesdienst vom 4. November 18 mit Predigt von Stefan Zolliker und Abendmahl ging es darum, weshalb es biblisch ist, Menschen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen zu bejahen. Oder anders gesagt: Weshalb Hetero- wie Homo-, Bi- wie Transsexuelle Erneuerung ihres Lebens und Liebens nötig haben. Gegen 100 Personen haben am Gottesdienst teilgenommen, darunter etwa 15 Gäste von ausserhalb der Gemeinde.

 

Was hat mich geprägt?

Am Samstag, 17. November wurde der Faden wieder aufgenommen mit einem persönlichen Morgen. Zuerst wurden Teile des Films «Homosexuell und Christ?» von Damaris Kofmehl gezeigt, der die leidvolle Geschichte vieler Schwulen, Lesben und Transsexuellen in den USA aufarbeitet, die von ihren Gemeinden und Elternhäusern heftige Ablehnung erfahren haben. Der Film zeigt dann auf sehr bewegende Weise, wie sie und ihre Angehörigen sich auf einen Weg machten, sich mit ihrer sexuellen Ausrichtung zu versöhnen. Emanuel Liechti aus Uttigen, Aktivierungsfachmann HF i.A. und Teamleiter in einem Fresh-Expressions-of-Church-Projekt der EMK, berichtete anschliessend auf sorgfältige Weise von seinem langen persönlichen Ringen in der Annahme seiner eigenen sexuellen Orientierung. Ca. 40 Gemeindeglieder und 30 Gäste nahmen an dem Anlass teil. Sie diskutierten intensiv darüber, was ihre eigene Haltung zu diesem Thema geprägt hat und was das Gehörte in ihnen ausgelöst hat.

 

Was bleibt von den drei Abenden?
Am Mittwoch, 21. Noember. schloss sich ein Gemeindeabend an, an dem es um die Frage ging: Was ist der methodistische Weg, mit Vielfalt umzugehen? Der methodistische Theologe David Field aus Basel berichtete auf engagierte Weise von seiner Mitarbeit in der Kommission «Ein Weg in die Zukunft» der weltweiten United Methodist Church, die als Vorbereitung auf die ausserordentliche Generalkonferenz vom Februar 2019 Modelle des Zusammenlebens in Verschiedenheit entwickelt hat. 50 Personen nahmen an diesem Gemeindeabend teil. Im zweiten Teil des Abends wurde überlegt, was die Frucht der drei Anlässe für die ganze Gemeinde sei.

 

Persönliche Begegungen

Sehr bewegend war, dass an allen drei Anlässen nicht nur «über» Menschen gesprochen wurde, sondern dass es durch die Anlassreihe gelungen war, mit zahlreichen homosexuellen Christ/innen ins Gespräch zu kommen. Das Netzwerk «Zwischenraum», das homosexuelle Christ/innen zusammenbringt, hatte die Anlässe der Gemeinde beworben und sich vielfältig in die Gespräche eingebracht. So kam es zu zahlreichen persönlichen Begegnungen von Personen mit verschiedener sexueller Orientierung. Ebenso fiel auf, dass sich an den Anlässen deutlich mehr junge Menschen der Gemeinde eingebracht hatten als an anderen thematischen Anlässen der Gemeinde.

 

Stellung beziehen
Am Schluss des dritten Abends forderte Pfarrer Stefan Zolliker die Teilnehmenden heraus und bat sie Stellung zu nehmen zu folgenden Fragen:
    1. Kannst du dir vorstellen, dass Homosexuelle alle Aufgaben in unserer Gemeinde innehaben können: auch im Bezirksvorstand, in der Jugendarbeit etc.?
    2. Kannst du dir vorstellen, wenn es die Kirche zuliesse, dass eine homosexuelle Pfarrperson, die mit ihrem Partner zusammenlebt, in unserer Gemeinde ihren Dienst tut?
    3. Kannst du dir vorstellen, wenn es die Kirche zuliesse, dass der Pfarrer der Gemeinde eine Segnungsfeier eines homosexuellen Paars gestaltet?
Eine überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden des 3. Abends (ca. 90%) hat alle drei Fragen bejaht, ca. 10 % enthielten sich der Stimme; bei der 2. und 3. Frage gab wenige Nein-Stimmen. Natürlich ist solch eine Umfrage punkto Aussagekraft mit Vorsicht zu geniessen, aber sie zeigt eine klare Tendenz auf: Viele Gemeindeglieder der EMK Winterthur begrüssen eine voll inklusive Haltung der gegenseitigen Akzeptanz von Menschen mit verschiedenartiger sexueller Orientierung.

 

Predigt von Stefan Zolliker als PDF, als Podcast.

Facebookpost von Manuel Zolliker zu den Anlässen.


Stefan Zolliker


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