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Mann eines Buches

"Gib mir dieses Buch (die Bibel)! Um jeden Preis gib mir Gottes Buch! – Ich habe es. Hier ist genug Wissen für mich. Ich will der Mann eines Buches sein – homo unius libri."

John Wesley (1703 - 1791)

Mittwoch 06. Juni 2012 14:51Alter: 1 year
/ Kategorie: Europa

Veränderungen und Herausforderungen in der EMK Polen

In Klarysew bei Warschau, in den Räumen des ehemaligen Theologischen Seminars, fand vom 31. Mai bis 3. Juni die Tagung der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Polen statt. Rund 50 Delegierte besprachen die Arbeit der EMK im vergangenen Jahr und planten Schritte für ein weiteres Jahr. Leitend war das Konferenzthema: «Eingeladen! Verändert… Verändernd?»

Ordination zweier Diakone an der diesjährigen Jährlichen Konferenz

Ein besonderer Schwerpunkt war die Diskussion zur Überarbeitung des Internal Law. Diese massgebliche Kirchenordnung von Polen unterscheidet sich, besonders im Verständnis des Bischofsamts, markant von der weltweit gültigen Kirchenordnung der EMK. Die Bemühungen um eine Angleichung des Internal Law an die Kirchenordnung der EMK durch ein Team des Exekutivkomitees der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa waren im März 2012 sistiert worden, weil sie zu keiner hilfreichen Lösung geführt hatten. Bischof Patrick Streiff erklärte denn auch anhand der Unterlagen des Exekutivkomitees der Zentralkonferenz diesen Entscheid und verteilte die entsprechenden Beschlüsse. Nun soll ein Ausschuss der Zentralkonferenz den Weg und die Konsequenzen zur Bildung einer autonomen oder affiliierten autonomen methodistischen Kirche aufzeigen. Der als Gast anwesende skandinavische Bischof Christian Alsted hatte tags zuvor in einem Referat über die Bildung einer autonomen vereinigten Kirche in Schweden referiert und gezeigt, wie kompliziert ein Prozess zur Loslösung aus der weltweit organisierten EMK sein kann. Die emotional geführte Diskussion der Mitglieder der Konferenz war vor allem auf den Gebrauch des Bischofstitels fokussiert. Aber auch Stimmen für und gegen eine Annäherung an die EMK-Kirchenordnung waren zu hören. Allen war klar, dass es noch mehr Informationen für eine gute Entscheidung braucht. Unterstützung erhielt denn auch der Antrag zur Bildung einer Arbeitsgruppe in Polen, welche dieses Thema nun intensiv weiterbearbeitet, um an der Tagung der Jährlichen Konferenz 2013 die Basis zu legen für einen Entscheid in Richtung Autonomie oder Anpassung des Internal Law an die EMK-Kirchenordnung. Bis dahin werden auch die Zentralkonferenz-Ergebnisse in dieser Frage der Jährlichen Konferenz Polen vorliegen.

 

In finanzieller Hinsicht lebt die EMK in Polen zurzeit zu einem beachtlichen Teil von ihren Reserven, die aus früheren Gewinnen der EMK-eigenen Englischschulen gebildet worden waren. Rund 42,5% des Gesamtaufwands wurden im vergangenen Jahr von diesen Rückstellungen gedeckt. Ein Viertel der Einnahmen stammte von Connexio, dem Netzwerk für Mission und Diakonie der EMK Schweiz-Frankreich. Bei dieser Finanzlage hatte der Antrag zur Anstellung eines Jugendarbeiters keine Chancen. Durchgekommen ist aber ein anderer Vorschlag: In Zukunft sollen die Kollekten, welche jeweils am letzten Sonntag der Monate mit fünf Sonntagen zusammengetragen werden, für diakonische und missionarische Arbeit ausserhalb Polens eingesetzt werden. Die EMK in Polen will damit etwas von dem, was sie an Unterstützung von der weltweiten Connexio erhält, dieser wieder zurückgeben.

 

Schliesslich erwähnt sei die Ankündigung von Generalsuperintendent Edward Puślecki, im kommenden Jahr nicht noch einmal für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Nach beinahe 25 Jahren in diesem Amt sei die Zeit für einen Wechsel gekommen.

 

Der Ordinationsgottesdienst fand am Sonntag im Hauptquartier der EMK in Polen in Warschau statt. An diesem besonderen Morgen wurden Krzysztof Kłusek sowie Ryszard Zimoń zu Diakonen und Sebastian Niedźwiedziński sowie Dariusz Zuber zu Ältesten ordiniert. Die Personalsituation in Polen bleibt trotz dieser vier Ordinationen angespannt, liessen sich doch zwei Pfarrer beurlauben, während ein Pfarrer, Adam Kleszczyński, nach drei Jahren Dienst über das Ruhestandsalter hinaus die wohlverdiente Pensionierung antrat. Beinahe wäre es – nach vielen Jahrzehnten – bereits in diesem Jahr wieder einmal zur Ordination einer Frau in der EMK in Polen gekommen. Nun wird dieses besondere Ereignis – es wird noch nach der zweistufigen Ordinationspraxis eine Ordination zum Diakon sein – an der nächsten Tagung der Jährlichen Konferenz vom 13. bis 16. Juni 2013 erwartet.

 

Quelle: Distriktsvorsteher Jörg Niederer, Frauenfeld


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