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Bibel, Visionen...

"Verlass dich nie auf Visionen oder Träume, auf plötzliche Eingebungen oder auf irgendwelche andere starke Impulse. Denke daran: Nicht durch solche Dinge sollst du den Willen Gottes in einer bestimmten Situation erfahren, sondern indem du schlicht und einfach die Aussagen der Heiligen Schrift auf deine Lage beziehst. Dabei stehen dir Erfahrung und Verstand zur Verfügung, und der Geist Gottes wird dich unterstützen."

John Wesley (1703 - 1791)

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Mittwoch 13. Dezember 2017 06:02Alter: 280 days
/ Kategorie: Weltweit

Samen für eine bessere Zukunft

Der Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen (World Methodist Council) wird im Jahr 2017 an zwei Organisationen verliehen: an die Methodistische Kirche in Italien und an die Nassar-Familie mit ihrer Arbeit mit dem «Zelt der Nationen» südwestlich von Bethlehem.

Pastorin Kristen Brown überbringt Daoud Nassar die Botschaft, dass seine Familie den Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen 2017 erhält.

Der jährlich verliehene Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen geht 2017 sowohl an einen methodistischen als auch einen nicht-methodistischen Empfänger. In einer Zeit, in welcher die Welt «Friedensarbeit in Aktion hören und sehen» müsse, hätten beide Organisationen «mutig für den Frieden in ihren jeweiligen Gebieten der Welt gearbeitet, aber auch dazu beigetragen, andere zu inspirieren, sich weltweit für Frieden einzusetzen».

 

Jahrelange methodistische Flüchtlingshilfe in Italien ausgezeichnet

Die Methodistische Kirche in Italien wurde für ihre fast 30-jährige Arbeit für und mit Migranten und Menschen auf der Flucht ausgewählt. Diese kleine Kirche, die in Italien zusammen mit den Waldensern eine Union bildet, hätte «grossen Mut» gezeigt, als in Europa eine unüberschaubare Zahl an Migranten und Menschen auf der Flucht ankamen. Während andere darin «nicht zu bewältigende Probleme» gesehen hätten, wäre die Haltung der italienischen Methodisten gewesen: «Wir können nicht anders – wir können nicht einfach nur rumsitzen und zuschauen.» In Anbetracht der Situation schufen sie in Scicli, ganz im Süden Siziliens, rund zehn Kilometer im Landesinneren, einen sicheren und einladenden Raum, den sie «Haus der Kultur» nannten. Dort wurden Menschen auf der Flucht und Migranten aus Syrien, dem Irak, dem Nahen Osten sowie Nord-, Zentral- und Westafrika aufgenommen. Seit 1989 wurden dort Menschen mit protestantischem, katholischem und muslimischem Hintergrund willkommen geheissen, auch dann, als in den letzten Jahren immer mehr kamen.

 

Enormer Einfluss auf das Leben der Menschen

«Ich kann es gar nicht glauben», staunt Mirella Manocchio, die Präsidentin der italienischen Methodisten, über die Wahl. Harald Rückert, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, gratulierte Manocchio und betonte, «dass die Methodisten in Italien dieses Preises absolut würdig sind». Obwohl die Methodistische Kirche in Italien zahlenmässig sehr klein sei, hätte ihre Arbeit «enormen Einfluss auf das Leben der Menschen», unterstrich Rückert und bedankte sich für «den Mut und die Energie», die dafür nötig seien. Finanziell wird das Projekt vom gemeinsamen Büro der Union der Waldensischen und Methodistischen Kirchen in Italien unterstützt, das die Zuwendungen aus der Mandatssteuer «Otto per mille»verwaltet. Italienische Bürger können mit dieser Steuer selbst bestimmen, welcher Kirche oder welchem sozialen Projekt der Abzug von acht Promille ihrer Einkommenssteuer zugutekommt. Davon profitieren Methodisten und Waldenser in Italien überproportional, weil ihre sozialen und karitativen Projekte einen guten Ruf haben.

 

Wenn aus einem Bauverbot eine kreative Alternative entsteht

Familie Nassar wurde aufgrund ihrer Arbeit mit dem «Zelt der Nationen» für den Friedenspreis ausgewählt. Seit drei Generationen betreibt die Familie einen grossen Bauernhof südwestlich von Bethlehem in einem von der israelischen Regierung kontrollierten Gebiet innerhalb der Palästinensischen Autonomiezone. Dort teilen sie ihre Geschichte des Friedens mit Gästen aus der ganzen Welt. Ihnen ist nicht gestattet, den landwirtschaftlichen Betrieb zu entwickeln, sie haben keinen Zugang zu Strom, Wasser oder Kanalisation, und sie erhalten keine Genehmigungen zur Errichtung neuer Gebäude. Deshalb entwickelte die Familie kreative und nachhaltige Alternativen, für die das «Zelt der Nationen» steht. Jeden Sommer nehmen dort Kinder aus Dörfern der Umgebung, Christen und Muslime, an Sommercamps teil. Sie erfahren bei diesen Camps Freiheit und Ablenkung von der umliegenden Politik und entwickeln Selbstvertrauen. Damit wollen Nassars einen Beitrag leisten für eine bessere Zukunft der Menschen in dieser Region. Neben den Kindercamps gründete die Familie auch das Bent-Al-Reef-Frauenzentrum, um Frauen Englisch-, Computer- und Kunstunterricht zu vermitteln und sie dadurch zu ermutigen, die Gesellschaft mitzugestalten. Jedes Jahr kommen Hunderte von Besuchern und leben mit Familie Nassar, arbeiten auf dem Bauernhof mit und beteiligen sich an den angebotenen Förderprogrammen.

Als Daoud Nassar, Enkel des Projektgründers, von der Auszeichnung erfuhr, sagte er: «Es war ein besonderer Moment, als wir erfuhren, dass wir den Methodistischen Friedenspreis 2017 erhalten würden. Wir fühlen uns geehrt und werden unseren Kampf für Gerechtigkeit fortsetzen.» Der Preis bestätige ihnen, «dass wir nicht alleine gelassen werden». Sie würden daher weiterhin das Land kultivieren «und mehr Samen für eine bessere und friedliche Zukunft pflanzen».

 

Quelle: World Methodist Council / Pastor Klaus Ulrich Ruof, www.emk.de 

 

Der jährlich verliehene Friedenspreis des Weltrats Methodistischer Kirchen wurde 1977 erstmals verliehen. Neben sehr bekannten Preisträgern wie Nelson Mandela, Erzbischof Desmond Tutu oder US-Präsident Jimmy Carter wurde der Preis auch an drei Personen verliehen, die im Gebiet der Evangelisch-methodistischen Kirche in Mittel- und Südeuropa segensreiche Spuren hinterliessen: Zdravko Bezlov, ehemaliger Superintendent der EMK in Bulgarien; Boris Trajkovski, ehemaliger Präsident von Makedonien; Hugh und Shirliann Johnson, langjährige Mitarbeiter der EMK in Algerien.


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