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"Ohne Radikalität ist kein Turnaround möglich"
Marc Nussbaumer vertrat an der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Münsingen als Vorsitzender den Bericht der Arbeitsgruppe Gemeindegründungen.
Die Gemeindegründungsarbeit in Bern unter der Leitung von Matthias Fankhauser ist in Form eines Netzwerks in verschiedenen gesellschaftlichen Milieus am Wirken. Im Vordergrund stehen drei Projekte: eine Quartiergruppe, Spielfalt und ein Kindersingen. Dafür werden keine kirchliche Räumlichkeiten benötigt.
Die Arbeit orientiert sich an den Grundprinzipien von „Fresh Expressions of Church“ (frische Ausdrucksformen von Kirche). Fresh Expressions sind Gemeindegründungen durch Laien in frischer ungewohnter Form, die zum Ziel haben, entkirchlichte Menschen zu erreichen. Dafür werden häufig auch überkirchliche Projekte gestartet. Ein erster Fresh-Expressions-Tag findet in Zusammenarbeit mit der Reformierten Landeskirche Zürich, dem Institut Gemeindebau und Weltmission (IGW) und der EMK am 3. November 2012 in Zürich statt.
Nebst Bern sind weitere Gemeindegründungsprojekte in der Startphase. Diese werden übers Jahr verteilt in der Zeitschrift „Kirche und Welt“ vorgestellt.
Trainingskurs für Gemeindegründer
Marc Nussbaumer verwies auf den Prospekt „Startklar“, der den neu konzipierten Trainingskurs für Gemeindegründer und -leiter vorstellt und bewirbt. Der Kurs richtet sich an Pfarrpersonen und neu auch an Laien. Der Bericht der AG Gemeindegründungen zeigt auf, dass es unter den bereits angestellten Personen nur wenige gibt, die sich für die Gemeindegründungsarbeit eignen. Daher wird die Arbeitsgruppe auch ausserhalb dieses Personenkreises nach Gemeindegründerpersönlichkeiten suchen und nimmt diesbezüglich auch gerne „sachdienliche Hinweise“ entgegen.
Lebenszyklen auch für Kirchgemeinden
Im Arbeitsbereich „Gemeinde neu gründen“ geht es darum, bestehende Gemeinden neu auf Kurs zu bringen. Dazu gehört, dass die Gemeinden zunächst wahrnehmen, dass eine Kirchgemeinde - wie jeder Organismus - verschiedene Lebenszyklen durchlebt. In bestimmten Phasen sind radikale Veränderungen nötig, um wieder entkirchtlichte Menschen erreichen zu können. Diese radikale Neuausrichtung einer Gemeinde stelle immer auch ein Risiko dar, so Marc Nussbaumer vor der Konferenz. Ohne dieses einzugehen, sei aber kein Turnaround möglich. Im vergangenen Berichtsjahr nahm eine handvoll Bezirke die Turnaround-Beratung der Arbeitsgruppe in Anspruch.
Der erste Turnaround-Kurs wird im September abgeschlossen. Der zweite, überarbeitete Kurs, startet im Oktober 2012. Er arbeitet mit den drei Grundprinzipien von spiritual-leadership: Geistlich reife Leitungsteams bilden; Raum und Kultur schaffen, in der Verwandlung durch Gott begünstigt wird; fruchtbringende Prozesse einleiten und fördern.
Die Arbeitsgruppe Gemeindegründungen hält in ihrem Bericht ausdrücklich fest: „Turnaround-Prozesse sind nicht nur in kleinen Gemeinden nötig. Wo immer Gemeinden merken, dass sie einen schwindenden Einfluss auf ihr gesellschaftliches Umfeld haben, stehen Turnaround-Aufgaben an.“
Autor: André Ottersberg


