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Reden, Schweigen

"Ich habe kaum je bereut, zu wenig gesagt zu haben, aber häufig, zu viel."

John Wesley (1703 - 1791)

Samstag 16. Juli 2016 09:47Alter: 2 yrs
/ Kategorie: Europa

Bischof Dr. Franz W. Schäfer (1921-2016) - ein Brückenbauer zwischen Welten

Am Donnerstag, 14. Juli 2016, starb Bischof Dr. Franz W. Schäfer im 96. Altersjahr. Er war als Bischof der EMK von 1966-1989 zuständig für das Gebiet von Mittel- und Südeuropa und Nordafrika. Er war ein Brückenbauer in einer Welt, die durch den West-Ost Konflikt tief gespalten war.

Bischof Dr. Franz W. Schäfer (1921-2016)

In seiner Kindheit hat niemand geahnt, was aus dem am 10. März 1921 in der Nähe von Basel geborenen Franz Werner Schäfer einmal werden würde. In einfachen Arbeiterverhältnissen aufgewachsen, engagierten sich die Eltern für Menschen in Not und für eine gerechtere Welt. Doch väterlicherseits lebte die Familie in Distanz zur Kirche. Erst als Zwölfjähriger folgte Franz Schäfer zögernd der Einladung, die methodistische Sonntagschule in Birsfelden zu besuchen, wo seine Familie damals wohnte.

 

Franz Schäfer hätte gerne das Gymnasium besucht, begann aber als Vierzehnjähriger der wirtschaftlichen Not gehorchend eine Lehre als Kürschner. Während seiner Lehrjahre ermutigten ihn Menschen aus der methodistischen Gemeinde, Lehrer oder Pfarrer zu werden. So begann Franz Schäfer 1939 ein Praktikumsjahr in der methodistischen Gemeinde in Bülach. Als Folge des Zweiten Weltkriegs konnte er nicht am Theologischen Seminar für den deutschsprachigen Methodismus in Deutschland studieren. So absolvierte er von 1940 bis 1945 sein Theologiestudium am Seminar der Basler Mission. Es folgten kurze Dienstzeiten in Bern, Signau-Grosshöchstetten und Baden, sowie die Ordination zum Diakon (1947) und zum Ältesten (1949) durch Bischof Garber. In Baden heiratete er seine erste Frau, Lydia, die aber schon im folgenden Jahr verstarb. 1951 wurde ihm der deutschsprachige Gemeindebezirk von Lausanne zugewiesen, der während seiner Dienstzeit wieder zu neuem Leben erblühte. Er heiratete seine zweite Frau Heidi, und dem Paar wurden in den folgenden intensiven, aber glücklichen Jahren fünf Kinder geschenkt. Heidi Schäfer verstarb 1987.

 

1959 wurde Franz Schäfer vom damaligen Bischof Ferdinand Sigg zum Distriktsvorsteher in der Methodistenkirche in der Schweiz berufen. Als nach dessen überraschendem Tod im Jahr 1965 ein neuer Bischof gewählt werden musste, fiel die Wahl am 2. September 1966 in Lausanne (Schweiz) auf Franz Schäfer, zunächst für eine Amtszeit von sechs Jahren. Gleichsam in der Luft lag damals bereits die weltweite Vereinigung der Methodistenkirche mit der Evangelischen Gemeinschaft zur United Methodist Church. Die Vereinigung hatte im Bischofsgebiet starke Auswirkungen für die Schweiz und Frankreich. Franz Schäfer sah sich zunächst als «Übergangsbischof» für die Kirchenvereinigung. Doch es gelang ihm, gegenüber den Vertretern der kleineren Evangelischen Gemeinschaft Vertrauen für einen gemeinsamen Weg als Evangelisch-methodistische Kirche aufzubauen. 1973 wurde er wiedergewählt auf Lebenszeit.

 

Das Bischofsgebiet von Mittel- und Südeuropa umfasste seit 1954 äusserst unterschiedliche Länder: vier in Westeuropa, zwei in Nordafrika und fünf im kommunistischen östlichen Mitteleuropa. Bischof Franz Schäfer wurde in seinem Dienst zu einem Grenzgänger zwischen völlig verschiedenen gesellschaftlichen und weltanschaulichen Systemen. Die Wahrnehmung der bischöflichen Aufsicht und die damit verbundenen Reisen in die Länder Nordafrikas oder des kommunistischen «Ostblocks» wurden ihm oft erschwert, teilweise auch verwehrt. Doch wo immer er reisen durfte, war es ihm ein Anliegen, nicht Strukturen, Systeme oder Ideologien zu sehen, sondern die Menschen. Und dass er diesen Menschen authentisch, respektvoll und mit Wertschätzung begegnete, machte ihn über viele sprachliche, kulturelle, ideologische und religiöse Grenzen hinweg zu einem glaubwürdigen und verlässlichen Gegenüber. Als integrer Mensch weckte und baute er nachhaltig Vertrauen auf; als ein Mensch, dessen Reden und Handeln in einem stabilen Fundament gründeten, baute er Brücken, die sich als tragfähig erwiesen; als Pfarrer und Bischof, der sich zutiefst Christus und seinem Evangelium verpflichtet wusste, förderte er den Aufbau der Kirche. Dafür wurde er geschätzt und geachtet. Noch vor der Wende wurde er 1985 durch die Comenius-Fakultät der Universität Prag (Tschechien) als Ehrendoktor der Theologie ausgezeichnet.

 

Während der 23-jährigen Zeit im aktiven Dienst engagierte sich Bischof Franz Schäfer auch für die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen methodistischen Kirchen und in der Ökumene. Er förderte die Zusammenarbeit sowohl unter den Missionsbehörden als auch unter den Kirchenleitungen der methodistischen Kirchen in Europa. Auf weltweiter Ebene übernahm er verschiedene Aufgaben im Weltrat Methodistischer Kirchen. Im zwischenkirchlichen Bereich der Schweiz war er aktiv im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund und engagierte sich in der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz. In der Konferenz Europäischer Kirchen stärkte er das Engagement methodistischer Laien. Er stand hinter der Arbeit des Ökumenischen Rats der Kirchen, als dieser wegen des Anti-Rassismus Programms in Kritik kam. Franz Schäfer betrachtete das Engagement über sein arbeitsintensives Bischofsgebiet hinaus als Chance, die eigene Kirche glaubwürdig zu vertreten.

 

Als Bischof Franz Schäfer im Frühjahr 1989, kurz vor der politischen Wende in Europa, in den Ruhestand trat und die Verantwortung für das vielfältige und herausfordernde Gebiet der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa an den neu gewählten Bischof Heinrich Bolleter übergab, blieb die Verbundenheit mit der grenzüberschreitenden, methodistischen «Familie» in Herz und Sinn wach. Auch im hohen Alter, als seine körperliche Bewegungsfreiheit zusehends eingeschränkt wurde, nahm er als inzwischen dienstältester Bischof der weltweiten United Methodist Church mit Interesse und einem wachen Geist an der Entwicklung seiner Kirche Anteil. Er blieb den Menschen in einer von Güte und Freundlichkeit geprägten Art zugewandt. So prägte er unzählige Menschen in völlig unterschiedlichen Lebenssituationen und Ländern, baute Brücken zwischen ihnen und veränderte ein Stück Welt.

 

Am 14. Juli 2016 wurde Bischof Franz Schäfer im 96. Altersjahr friedlich im Kreis seiner Familie in die Ewigkeit gerufen. Ein öffentlicher Dankgottesdienst im Gedenken an Bischof Franz Schäfer wird am 8. August 2016 um 14 Uhr im Fraumünster in Zürich stattfinden.

 

Quelle: Bischof Patrick Streiff, Zürich


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