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Bibel und Glauben

"Ich kann nur immer wieder die Beobachtung wiederholen, in der mich meine Erfahrung mehr und mehr bestärkt, dass die, die der Bibel nicht glauben, allem möglichen Glauben schenken."

John Wesley (1703 - 1791)

Newsdetail

Sonntag 11. Juni 2017 12:51Alter: 1 year
/ Kategorie: Schweiz, Frankreich, JK CH-F

Fragen eröffneten neue Horizonte

Inhaltlicher Höhepunkt der Jährlichen Konferenz 2017 der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Zuchwil war ohne Zweifel der Bildungs- und Begegnungstag am Samstag unter der Überschrift „Gefragt“. Eindrücklich wurde dabei deutlich, dass es weniger die Antworten als die Fragen sind, die Grenzen überschreiten, neue Horizonte eröffnen und über festgefahrene Verhältnisse hinausführen.

Interessiertes Publikum am Bildungs- und Begegnungstag.

Thesen des Zukunftsforschers Andreas Walker.

Dinah Hess aus der EMK-Gemeinde Burgdorf führte die rund 270 Anwesenden als Moderatorin souverän durch das abwechslungsreiche Programm. Am Beginn stand eine Filmdokumentation über eine Strassenumfrage. Unterschiedlichste Personen reagierten spontan auf Fragen zum Thema Kirche – bei den einen ist sie nach wie vor gefragt, bei anderen völlig bedeutungslos für ihr Leben. Der Zukunftsforscher Dr. Andreas Walker führte anschliessend in einige der grossen Fragen ein, mit denen sich unsere Gesellschaft und natürlich auch die Kirchen beschäftigen müssen.

 

Es ist zuerst die Frage nach der Hoffnung. Walker machte klar, dass Hoffnung mehr ist als Optimismus. Es geht um die Suche nach dem Nachhaltigen und Zukunftsfähigen, das Menschen nicht nur gut finden und erwarten, sondern wofür sie sich auch gern engagieren. Diese Frage ist besonders in der deutschsprachigen Kultur Mitteleuropas wichtig, weil hierzulande der Skeptische gemeinhin als klüger angesehen wird als die Hoffnungsvolle. Entsprechend werden Sorgenbarometer finanziell gefördert, nicht aber Hoffnungsbarometer.

Eine zweite grosse Frage ist die nach der Lebenserwartung. In den letzten 150 Jahren hat diese sich in Mitteleuropa von über 40 Jahren auf über 80 Jahre mehr als verdoppelt. Im Vergleich zu unseren Urgrosseltern ist uns faktisch ein zweites Leben geschenkt – aber was machen wir damit, was erwarten wir davon?

Die dritte Frage beschäftigt sich mit der digitalen Transformation der Gesellschaft. Eine der vielen aktuellen Veränderungen besteht darin, dass etwa die Hälfte aller traditionellen Berufsbilder durch Technologien ersetzt wird. Dies sind vor allem Berufe, die praktische und handwerkliche Kompetenzen erfordern, also typische Männerberufe. Was bedeutet eine „weibliche Zukunft“?

 

Schliesslich besteht eine der grossen Herausforderungen der Zukunft in der immer umfassenderen Speicherung und Verwendung von personenbezogenen Daten. Eine zugespitzte Frage für die kirchliche Arbeit könnte lauten: „Wozu soll ich noch Gott im Gebet um Rat fragen, wenn die künstliche Intelligenz, Big Data und Google alles über mich wissen?“

Inmitten dieser Fragen stellte Distriktsvorsteher Stefan Zürcher die Frage nach der biblischen Botschaft, die uns in der Geschichte von der Heilung des blinden Bartimäus (Markus 10, 46 – 52) entgegenkommt. Auch Jesus eröffnet Heilung und Nachfolge mit einer Frage: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“

 

Nach der Mittagspause lud Reto Nägelin, Projektbeauftragter der EMK, ins „World-Café“ ein. Bei dieser Methode für Grossgruppen sitzen alle Anwesenden an Bistrotischen und kommen dort in Gruppen von fünf bis sechs Personen ins Gespräch. Sie begeben sich aber für die jeweils nächste Frage an einen beliebigen anderen Tisch, sodass immer neue Kombinationen von Gesprächspartnerschaften entstehen: Welche Fragen beschäftigen dich und die meisten Menschen persönlich und brennend? Worauf legen die Menschen unter der Oberfläche wert? Was wird anders, wenn wir die Fragen stellen, die (in der Kirche) niemand stellt? Was stellen wir den evangeliumsoffenen Menschen in den Weg? Es wurde äusserst angeregt und engagiert diskutiert.

Die Rückmeldungen von den Tischen des World-Cafés erfolgten über die Internetseite slido.com/#gefragt und konnten anschliessend „geliked“ werden. Noch während des Nachmittags waren dies die gefragtesten Einsichten:

 

  • Fragen öffnen Horizonte – Antworten setzen Grenzen.
  • Wir wollen echt und authentisch sein.
  • Es braucht Risikobereitschaft, den Mitmenschen Teil meines Lebens werden und sein zu lassen.

 

Nach einem auswertenden Cafè-Gespräch mit Personen aus der Jährlichen Konferenz wurden alle mit einem „gefragt“-Magneten als Erinnerung an diesen spannenden Tag entlassen: Lasst uns fragend bleiben!

 

Autor: Stefan Weller


United Methodist Church