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Freude

"Glaube ist Liebe, Frieden und Freude im Heiligen Geist. Er ist die fröhlichste und heiterste Sache der Welt. Er ist völlig unvereinbar mit Griesgrämigkeit, Missmut, Hartherzigkeit und allem, was nicht der Sanftmut, Güte und Freundlichkeit Jesu entspricht."

John Wesley (1703 - 1791)

Newsdetail

Sonntag 19. Juni 2016 17:33Alter: 2 yrs
/ Kategorie: Schweiz, Frankreich, JK CH-F

Gesang und Kampfsport als Symbole der Erlösung

„Erlösung zur Sprache bringen.“ Mit diesem Thema befasste sich der Schulungstag vom Samstag an der Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK). Nebst den rund 270 Konferenzmitgliedern nahmen rund 50 weitere Personen aus den EMK-Gemeinden daran teil.

Michael Nausner, Professor für Systematische Theologie in Reutlingen

Pfarrer Stefan Pfister zeigt an Distriktsvorsteher Jörg Niederer eine Taekwondo-Übung.

Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie

Auch am Konferenzsamstag tauchten die drei Illustrationen wieder auf, mit denen die Arbeitsgruppe „Soteriologie“ (griechisch „Lehre von der Erlösung“) im Vorfeld der Konferenz gearbeitet hatte: Schalom als Tischgemeinschaft, Versöhnung als Ausstieg aus dem Muster der Gewalt, Heiligung als Wachstumsprozess, dessen Symbol der Baum ist.

Pfarrer Urs Rickenbacher und Maria Schwaller aus Solothurn nahmen die Schulungsteilnehmer vorerst in ein erlöstes Singen mit und brachten sie sogar dazu, einige Tanzschritte zu wagen.

Michael Nausner, Professor für Systematische Theologie an der methodistischen Ausbildungsstätte in Reutlingen, nahm den Faden des gemeinsamen Singens in seinem Referat „Erlösung als Einstimmung in den vielfältigen Klang der Gnade“ auf. Das Singen sei für ihn eine Metapher, ein Sinnbild, „für christliches Leben in der Nachfolge“. In Anlehnung an das Lied „Amazing Grace“ sagte der Professor, dass erlöstes Leben nicht damit beginne, dass jemand von einer neuen Lehre überzeugt, sondern damit, dass jemand von „einem neuen Klang berührt“ werde. Rationale Theologie und sinnliche bzw. emotionale Musik gehörten zusammen. In einem weiteren Bild zitierte er Geigenbauer Martin Schleske: „Was dem Klang meiner Geigen das Holz, das ist meinem Leben der suchende und der hörende Glaube.“ Glaube sei nicht etwas, das man besitze. Vielmehr sei es eher umgekehrt, dass der Glaube von aussen in Schwingung gebracht werde und „wir von ihm getragen werden“.

Die Musik sei für ihn, so Michael Nausner, auch ein Bild für die mutige Hoffnung des christlichen Glaubens in einer Welt voll Krieg und Not: „So wenig wie die Musik lässt sich der Glaube von fliegenden Steinen vernichten.“

 

„Versöhnung braucht Kampf“

 

Stefan Pfister, EMK-Pfarrer in Davos, berichtete über sein Hobby Taekwondo, einem Kampfsport, den er von einem südkoreanischen Mitstudenten erlernt hat. Seit er 2011 seine Stelle in Davos angetreten hat, engagiert er sich im örtlichen Taekwondo-Verein. Seit zwei Jahren trainiert er die Kinder. Mit den Taekwondo-Übungen – die Tagungsteilnehmenden konnten einige von ihnen vor Ort ausprobieren – soll nicht nur der Körper trainiert, sondern auch Tugenden wie Bescheidenheit, Durchhaltevermögen, Selbstdisziplin und Unbezwingbarkeit eingeübt werden.

Stefan Pfister betonte den engen Zusammenhang zwischen Gefühlsleben und körperlichem Wohlbefinden. In der kirchlichen Tradition gälten Ärger, Hass, Zorn, Neid als Sünde, gar als Todsünde, sagte er. Als Ideal christlichen Lebens würden hingegen Liebe, Sanftmut, Freundlichkeit usw. bewertet. „Dabei ging vergessen, dass Liebe und Freundlichkeit auch vereinnahmend und manipulativ werden können.“ Zu viel Fürsorglichkeit mache beispielsweise unselbstständig. Ärger und Aggression als starke Gefühle würden dagegen abgewertet, abgespalten oder unterdrückt. Konflikte würden verschleiert, beschönigt und harmonisiert. Gott habe immer die Versöhnung im Blick, mit ihm könne aber auch gestritten und gekämpft werden, sagte Stefan Pfister und erinnerte an den Kampf zwischen Gott und Jakob am Jabbok. Gott stelle sich den Menschen in den Weg, um sie schliesslich als Gestärkte, Gesegnete in den nächsten Kampf ziehen zu lassen. Im Taekwondo verbeugten sich die Gegner am Schluss des Kampfes voreinander und bedankten sich damit bei ihrem Kampfpartner. „Was wäre, wenn wir uns einander in den Weg stellten, miteinander kämpften, um einander als Gesegnete, als Versöhnte ziehen zu lassen?“, fragte der Pfarrer zum Abschluss.

 

Wachsen wie ein Baum

 

„Was sind Merkmale einer reifen Spiritualität oder eines reifen Glaubens?“, fragte Heidi Schnegg, EMK-Beauftragte von Leben 55plus, die Anwesenden. Beantworten konnten diese die Frage per SMS. Ihre Antworten wurden laufend an die Leinwand projiziert und reichten von „heitere Gelassenheit“ über „Sicher Sein in dem, was ich glaube“ und „Vertrauen“ bis hin zu „Respekt vor der Meinung anderer“ und „Ich kann Gott unbequeme Fragen stellen“.

 

Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie an der Uni Zürich, stellte die Psalmen in den Mittelpunkt seines Referats „Wachsen wie ein Baum – ein Reifeprozess der Lebensspanne“. Radikale Spiritualität sei kein Geheimrezept, keine Antifalten-Crème. Im Psalter sei oft von Ungerechtigkeit die Rede. „Es ist,  als ob die Orientierung durch die Desorientierung gestört werde.“ Die Betenden blieben aber nicht im Chaos, irgendwann komme der Turnaround: „Du hast mein Klagen in ein Tanzen verwandelt.“ Bäume und Berge, alles was Odem hat, stimmten ein in das Halleluja.

 

Nach dem Heidelberger Gerontologen Andreas Kruse müsse zwischen Selbstaktualisierung und Selbstverwirklichung unterschieden werden, betonte Ralph Kunz. Die Aktualisierung baue auf dem auf, was ein anderer realisiert hat. Ein anderer habe das Fundament gelegt. Wer nicht darauf vertraue, habe sein Lebenshaus auf Sand gebaut.

 

Weitere Informationen zum Thema: www.emk-soteriologie.ch

 

Autorin: Barbara Streit-Stettler


United Methodist Church