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Zeit und Ewigkeit

"Wenn wir sagen, Gott weiss alles vorher, stimmt das eigentlich nicht, denn für Gott gibt es kein Vorher und kein Nachher. Die ganze Zeit – oder vielmehr die ganze Ewigkeit – ist im selben Augenblick gegenwärtig. Uns Menschen sind nur jeweils sehr kurze Abschnitte der Ewigkeit als Zeit in die Hand gegeben."

John Wesley (1703 - 1791)

Newsdetail

Freitag 17. Juni 2016 15:23Alter: 2 yrs
/ Kategorie: JK CH-F, Schweiz, Frankreich

„Es braucht mehr als neue Programme“

Wie üblich legen die vier Distriktsvorsteher der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz-Frankreich-Nordafrika gegenüber der Jährlichen Konferenz in ihrem Bericht Rechenschaft über ihre Arbeit ab. Sie fordern darin die EMK-Gemeinden dazu auf, sich von Jesus Christus verwandeln zu lassen. Vier Kirchenglieder erzählen vor der Konferenz über Veränderungen, die teils bei ihnen persönlich oder in ihren EMK-Gemeinden geschehen sind.

Distriktsvorsteherin Claudia Haslebacher vertrat den Bericht von sich und ihren drei Kollegen.

Claudia Haslebacher (Berner Distrikt), Jörg Niederer (Nordostschweiz), Etienne Rudolph (District francophone) und Stefan Zürcher (Nordwestschweiz) konstatieren in ihrem Bericht, dass sich die EMK von einer dynamischen, missionarischen Bewegung in eine Organisation verwandelt hat, die sich vor allem um diejenigen bemüht, die dazu gehören. Dies solle keine Abwertung der Arbeit der Gemeinden sein, betonen sie. „Diese Arbeit tun die Gemeinden zumeist wirklich gut.“ An manchen Orten brauche es aber Veränderungen, die tiefer gingen, „als nur neue Programme zu gestalten oder neue Angebote zu machen“.

 

Christlicher Glaube sei kein Hobby sondern „umfasst unsere gesamte Identität“, schreiben die Distriktsvorsteher. „Wir sind von Gott Ergriffene. Somit leben wir in einer gänzlich neuen Dimension, im Horizont des Lebens Gottes.“ Christen seien eine neue Kreatur, eine neue Schöpfung. Sinn dieser neuen Schöpfung sei es nicht, „dass wir uns wohl fühlen und uns zurücklehnen“. Vielmehr seien Christen Verwandelte, die auch einen bestimmten Auftrag hätten: Partner Gottes zur Erneuerung der Welt zu sein.

 

Unterstrichen wurden die Kernaussagen der Distriktsvorsteher mit Berichten aus der Praxis von Gliedern aus vier verschiedenen Kirchgemeinden.

 

Edith Buschenrieder, Mitglied des EMK-Vorstands aus Strasbourg, und ihr Mann haben vor einigen Jahren ein neues Haus gekauft. Wie aber lernt man die neuen Nachbarn kennen? In der Strasse wohnen zehn Familien. Buschenrieders nutzen den „Tag der Nachbarschaft“, der in Frankreich begangen wird, um alljährlich ihre Nachbarn einzuladen. Unterdessen sprechen sie an diesen Festen auch über den Glauben. Daraus entstand die Idee, einmal pro Monat ein christliches Treffen zu organisieren. Beinahe alle Nachbarn nehmen daran teil und sprechen miteinander über das Evangelium. Vorurteile schwinden, Barrieren werden niedergerissen, Herzen geöffnet, erzählt Edith Buschenrieder.

 

Die Distriktslaienführerin Nordwestschweiz, Sonja Bitterli aus Olten, berichtet von einer Quartierzeitung, die die EMK vor Ort herausgibt. Die Kirchgemeinde inserierte darin, dass in der Kapelle, die bald abgebrochen werden soll, Räume zu vermieten seien. Eine Frau meldete sich, um Workshops für Asybewerber anbieten zu können. Geistesgegenwärtig ergriff die EMK-Pfarrerin die Gelegenheit und fragte, ob die Gemeinde dabei mithelfen könne. So entstand ein gemeinsames Projekt, dass von der kleinen Oltner EMK allein nicht hätte durchgeführt werden können.

 

Die EMK Chur gewährt zwei anderen christlichen Gemeinden Gastrecht. Dadurch lernte Vreni Wirth eine tamilische Frau kennen, die auf der Suche nach einer neuen Wohnung war. „Zufälligerweise“ gab es in der EMK eine gerade leerstehende Wohnung. Aber würde die Frau die Miete bezahlen können? Die EMK Chur war nicht bereit, unter dem marktgemässen Preis zu vermieten, da sie auf diese Gelder angewiesen ist. Enttäuschung, Zorn und Unverständnis kamen in den beiden Frauen auf. Vreni Wirth erlebte schliesslich Versöhnung mit ihrer Kirche. Tatsächlich fand sie wie durch ein Wunder doch noch „die ideale Wohnung“ für ihre tamilische Freundin.

 

In der EMK Solothurn wird sechsmal wöchentlich ein Frühstückstisch angeboten, den hauptsächlich Alkohol- und Drogensüchtige besuchen. Hier werde nicht gefragt, wieso jemand komme oder wer jemand sei, erzählt Fritz Stettler. Anfangs habe es Ängste und Unsicherheit gegeben. Doch im Laufe der Zeit habe man gemerkt, dass hier Menschen und kein „Gesindel“ kommen. Der Frühstückstisch diene nicht der Missionierung, aber die Grundhaltung der 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mache den Besuchern deutlich, dass sie angenommen und geliebt seien. Auf dieses kleine, mutige Projekt wurde sogar die Stadt Solothurn aufmerksam und die Migros-Zeitung veröffentlichte einen Artikel. „Plötzlich kam so viel Spendengeld zusammen, dass das Projektteam die Spender bitten musste, in den nächsten zwei Jahr nicht mehr zu spenden“, sagt der Leiter des Projekts.

 

Autor: Christian Hagen


United Methodist Church