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Schrift und Verstand

"Ich gründe alle meine Grundsätze auf die Heilige Schrift und auf den gesunden Menschenverstand."

John Wesley (1703 - 1791)

Newsdetail

Dienstag 12. Juli 2016 11:36Alter: 2 yrs
/ Kategorie: Schweiz, Frankreich, JK CH-F

Welche Thesen würde Luther heute anschlagen?

1517 heftete der Reformator Martin Luther an seinem Wirkungsort Wittenberg die berühmten Thesen an die Kirchentür und läutete damit die Reformation ein. Zum 500-jährigen Jubiläum lädt der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) seine Mitgliedkirchen dazu ein, neue Thesen zu verfassen. Die Evangelisch-methodistische Kirche als Mitglied des SEK und Enkelin der Reformation reichte ebenfalls vier Thesen ein.

Die Delegierten der Jährlichen Konferenz wählten Thesen für das Reformationsjubiläum aus.

Die Mitglieder der Jährlichen Konferenz der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika haben im Juni 2016 in Münsingen bestimmt, welche Thesen die EMK beim SEK einreicht. Sie konnten aus 19 Thesen, die zuvor von der EMK in Zürich-Ost und in Gelterkinden erarbeitet worden waren, drei auswählen.

 

Insgesamt wurden 120 deutsch- und französischsprachige Stimmzettel abgegeben. 69 und damit am meisten Stimmen erhielt die These, die festhält, dass „Jesus Christus im Mittelpunkt der Erneuerung der Kirche“ steht. 40 Konferenzmitglieder brachten die These, wonach in der Kirche Menschen verschiedener Generationen, Meinungen und Prägungen Platz finden, auf Platz zwei. Den dritten Rang mit 32 Stimmen erreichte die These, die der Kirche keine „Nischenexistenz“, sondern nach Bonhoeffer einen Platz mitten im Leben zuweist. Schliesslich wurde von der Arbeitsgruppe „Soteriologie“, die das Abstimmungsergebnis auswertete, noch eine vierte These hinzugefügt, die vor allem bei den französischsprachigen Delegierten gut angekommen war und die Kirche in Politik und Diakonie dazu verpflichtet, sich für eine menschlichere Gesellschaft einzusetzen.

 

Unter der Federführung von Stephan Johanus hatte die EMK Zürich-Ost einen Teil der 19 Thesen eingebracht. Die Kirchgemeinde, die sich an verschiedenen Projekten zum Reformationsjubiläum beteiligt, hat diese Thesen in verschiedenen „Tischgesprächen“ erarbeitet. Zu diesen „Tischgesprächen“, die eine Tradition Martin Luthers aufnimmt, hatte die EMK Zürich-Ost zusätzlich benachbarte Kirchen, Vereine aus dem Quartier und „ferne Freunde“ eingeladen. „Gerade Kirchenferne und Gäste gaben dabei wichtige Anstösse, was es heute heisst, Kirche zu sein“, sagt Stephan Johanus, Mitglied der Arbeitsgruppe „Soteriologie“, dazu.

 

Ebenfalls mitgewirkt hat die EMK-Pfarrerin Marietjie Odendaal zusammen mit einer Gruppe aus Gelterkinden, die sich schwerpunktmässig mit dem Themenkreis „Evangelium und Schöpfung bzw. Umwelt“ auseinandersetzte.

 

Der SEK wird alle Thesen, die von kirchlichen Gruppen, Einzelpersonen, Kirchgemeinden und ganzen Mitgliedkirchen bis Ende Juni 2016 eingereicht wurden, weiterverarbeiten. Ziel ist es, sie zu diskutieren, auf eine übersichtliche Anzahl zu reduzieren und sie rechtzeitig zum Jubiläum im nächsten Jahr zu veröffentlichen. Sie sollen – ganz nach Martin Luther – der Erneuerung der heutigen Kirchen dienen.

Die vier EMK-Thesen im Wortlaut, wie sie beim SEK eingereicht wurden

1. These: Jesus Christus steht im Mittelpunkt der Erneuerung der Kirche. Er ist ihr Haupt. Sie ist angewiesen auf das Wirken seines Geistes zu ihrer Existenz, ihrem Fortbestehen und ihrer Erneuerung. Verantwortliche Entscheidungen, sowie auch Kritik, stehen unter dem Kriterium der Leitung durch den Geist Jesu Christi.

 

2. These: Die Kirche besitzt keine „Nischenexistenz“, sondern befindet sich an ihrem Ort „mitten im Leben“ (Bonhoeffer). Dort wird sie wahrgenommen und will sie wirken. Christus ist das Licht der Welt.

 

3. These: Die Kirche ist ein Ort, an dem alle Generationen zusammenkommen und sich von Gottes Wort und seinem Geist leiten lassen. Den verschiedenen Meinungen aufgrund unterschiedlicher Prägungen ihrer Mitglieder kann sie mit Gelassenheit begegnen.

 

4. These: Die Kirche nimmt aktiv Teil an der Humanisierung der Gesellschaft (soziale und politische Diakonie). Sie stellt eine Gegenkultur zur existierenden Gesellschaft dar. Sie lebt  partiell ihre Vision von einer humanisierten, gerechten Gesellschaft und nimmt durch diese gelebte Vision Einfluss auf die Zivilgesellschaft.

 

Quelle: Claudia Haslebacher / Stephan Johanus / Barbara Streit-Stettler


United Methodist Church