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"Beginne den Gottesdienst pünktlich und ziehe ihn nicht unnötig in die Länge. Geh in der Predigt auf die Fragen ein, die die Zuhörer bewegen. Entwickle deine Gedanken in guter, logischer Folge. Vermeide ausgefallene Wörter und Redewendungen, auch wenn sie gerade in Mode sind."

John Wesley (1703 - 1791)

Sonntag 24. Februar 2019 11:00Alter: 23 days
/ Kategorie: Weltweit

Generalkonferenz beginnt mit Gebetszeit

Methodist/innen aus allen Teilen der Welt beteten auf der Generalkonferenz sechs Stunden miteinander für die Kirche, bevor sie heute die intensive Aufgabe in Angriff nehmen, die Kirchenpolitik in Bezug auf den Umgang mit homosexuellen Personen zu revidieren.

Die Delegierten beten miteinander für die Diskussionen an der Tagung und für die Methodist/innen weltweit. (Bild: Kathleen Barry, UMNS)

Sechs Stunden Gebet bildeten den Auftakt am gestrigen ersten Tag der ausserordentlichen Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK). Einige Tische der Delegierten blieben leer, weil sich einzelne der Delegationen erst zum Auftakt der Beratungen im US-amerikanischen St. Louis einfinden werden.


Kulturelle Vielfalt und gegenseitige Achtung
Die Gebetszeiten wurden von Bischöfen der unterschiedlichen Weltregionen der EMK angeleitet. Der von Moskau aus für die Region Eurasien zuständige Bischof Eduard Khegay und der für Deutschland zuständige Bischof Harald Rückert stellten die Arbeit der EMK in den verschiedenen Ländern Europas vor. Rückerts Hinweis auf die sprachliche Situation der EMK in Mittel- und Südeuropa mit zwanzig Sprachen in sechzehn Ländern, versetzte viele, besonders die amerikanischen Delegierten in Staunen. Wenn die Arbeit von 310 Gemeinden der EMK in diesen Ländern mit zwanzig Sprachen konfrontiert ist, mache das deutlich wie herausfordernd das für eine in Mitteleuropa vergleichsweise kleine Kirche ist. Doch betonte Rückert die Dankbarkeit für diese Verschiedenheit und den Reichtum, der in der vielfältigen missionarischen Arbeit, den unterschiedlichen kulturellen Gewohnheiten und der trotzdem erlebten Einheit in Christus erfahrbar wird. «In den Beiträgen aus den verschiedensten Regionen hörten wir bewegende Geschichten von Gemeinden und Projekten aus aller Welt – aus unserem eigenen Land, aber auch Berichte von den Philippinen, aus afrikanischen Ländern und aus den USA», sagte Anne Detjen, methodistische Pfarrerin der Norddeutschen Konferenz. Sie sei dankbar für die Impulse, «mit denen wir zum Gebet füreinander eingeladen wurden».


Spontane Programmänderung
Die durch das Mittagessen unterbrochene Gebetszeit fand am Nachmittag ihre Fortsetzung. Gleich zum Auftakt wurde vom Schema abgewichen, in der Vorstellung verschiedener weiterer Gebetsanliegen aus allen Teilen der EMK-Welt weiterzumachen. Aus der Mitte der Generalkonferenz hatten homosexuelle Delegierte darauf aufmerksam gemacht, dass die Tagung zwar wegen der Fragen rund um Homosexualität einberufen worden sei, «in der ganzen bisherigen Gebetszeit aber noch kein Gebet mit uns und für uns stattgefunden hat». Dieser Einwurf wurde zu einem ersten bewegenden Moment in der nüchternen Atmosphäre der gigantisch grossen Veranstaltungshalle. Die von Dorothee Benz, einer Laiendelegierten der New-York-Konferenz geäusserte Kritik fand Widerhall, indem für Homosexuelle gebetet wurde und sich der betenden Gruppe aus dem Raum der Delegierten eine ganze Anzahl Personen anschloss. «Das war der emotionale Höhepunkt aus meiner Sicht», schreibt Superintendent Markus Jung, pastoraler Delegierter der Süddeutschen Konferenz in einem Resümee zum Tag. Hier habe sich etwas ereignet, was zuvor im geplanten Gebetsgeschehen nicht vorgesehen war «und somit spontan die Stimmung spiegelte: den Wunsch der Öffnung.»


Progressive wollen mehr
Abseits des Gebetstages mit anschliessendem Abendmahl ist das Konferenzgeschehen stärker umkämpft, als die lange und einträchtig erscheinende Veranstaltung signalisieren will. Das wird deutlich in begleitenden Veranstaltungen, in denen versucht wird, Einfluss auf das Abstimmungsverhalten zu nehmen. So waren am Vorabend des ersten Konferenztages in einem Hotel in St. Louis 160 Personen zu einer Veranstaltung gekommen, die den Titel «Gespräch am Scheideweg» trug. Rund 4.000 Menschen verfolgte die Veranstaltung per Live-Übertragung. Nachdrücklich forderten die Verantwortlichen hier dazu auf, dass die Kirche endlich «mit und nicht über» die Homosexuellen zu sprechen habe. Der den Weg dafür öffnende «Entwurf, die Einheit der Kirche zu bewahren» («One Church Plan») sei zwar ein Anfang, gehe aber nicht weit genug. Weil diese Lösung es ausdrücklich gestatte, dass sich pastorale Führungspersonen und Gemeinden weiterhin gegen eine Integration von Homosexuellen in der Kirche stellen könnten, erlaube diese Lösung sogar die sich fortsetzende Diskriminierung dieser Personengruppe. Die Teilnehmer/innen wünschten sich eine mutigere und weitreichendere Lösung als die jetzt im «Entwurf, die Einheit der Kirche zu bewahren» vorliegende. Nüchtern betrachtet stehe eine weltweite Kirche aber auch vor einer extremen Herausforderung. Über Kulturen und Ländergrenzen hinweg müsse ein Weg gefunden werden, der allen ermögliche, damit leben zu können. Deshalb sei der «Entwurf, die Einheit der Kirche zu bewahren» «besser als der Status Quo und definitiv besser als der Traditionalist Plan», warb der Delegierte der Kalifornien-Nevada-Konferenz, Randall Miller, für diese Lösung.

 

Frühstückseinladung mit Werbeblock
Auch das konservative Meinungsspektrum weiss sich zu organisieren. «Good News», eine stark konservative Gruppierung innerhalb der EMK in den USA, hatte zu einer Frühstücksveranstaltung am gestrigen ersten Konferenztag eingeladen, zu der statt der erwarteten 250 Personen an die 400 gekommen waren. Erstmalig seien bei diesem traditionell abgehaltenen Konferenzfrühstück sehr viele unterschiedliche Personen und aussergewöhnlich viele der Konferenzdelegierten aus Afrika gewesen. «Good News» und weitere ähnlich ausgerichtete Gruppierung unterstützen den ursprünglich als «Entwurf, die bestehende Ordnung zu bewahren» («Traditional Plan») bezeichneten Entwurf, für den es inzwischen verschiedene Abwandlungen gibt, weshalb dieser Entwurf jetzt als «Modifizierter Entwurf, die bestehende Ordnung zu bewahren» («Modified Traditional Plan») bezeichnet wird. Bei der Veranstaltung sprach Jerry Kulah, Pastor und Delegierter für die Generalkonferenz die westafrikanische Liberia-Konferenz. «Trennung in Wahrheit ist besser als Einheit im Irrtum», sagte er und wehrte sich gegen den Verdacht, die afrikanischen Delegierten würden für ihr Abstimmungsverhalten auch die aus den USA kommende finanzielle Unterstützung mit einbeziehen. Tom Lambrecht, US-Pastor der EMK und Vizepräsident von «Good News», klärte die anwesenden Delegierten eingehend über das Abstimmungsverfahren auf. In jedem der verschiedenen Abstimmungsschritte sei unbedingt der «Entwurf, die bestehende Ordnung zu bewahren» oder die modifizierten Varianten dieses Entwurfs und bestimmte Anträge zu Finanzregelungen zu unterstützen. Denn nur über diesen Weg könnten Gemeinden, falls sie sich zum Austritt aus der EMK genötigt sähen, einen gerechten Anteil ihnen zustehender Gelder aus dem Rentenvermögen der Kirche erhalten. Lambrecht, der selbst Mitglied der Kommission «Ein Weg in die Zukunft» war, zeigte sich nach der Veranstaltung zuversichtlich, dass die internationalen Delegierten «sich im Grossen und Ganzen für die Unterstützung des ‹Entwurf, die bestehende Ordnung zu bewahren› einsetzen». Das würde nicht zuletzt auch vielen amerikanischen Delegierten Mut machen, diesen Entwurf zu unterstützen.


Jesusliebe statt Höllenlärm
Schon tagsüber, dann aber vor allem beim Verlassen des Kongresszentrums nach Abschluss des ersten Tages, wurden die Delegierten im wahrsten Sinne des Wortes von einem «Höllenlärm» empfangen. Eine Gruppe von Mitgliedern der Westboro Baptist Church, einer unabhängigen baptistischen Gemeinde aus dem westlich von St. Louis gelegenen US-Bundesstaat Kansas, hielt Sünde- und Umkehr-Schilder hoch und beschallte ununterbrochen mit Megaphon-Ansprachen die Delegierten. Markus Jung, Superintendent im Nürnberger Distrikt der Süddeutschen Konferenz ging auf die Gruppe zu und fragte einen, wo denn die Liebe in seiner Ansprache wäre. «Erst hat er mich als Sünder betitelt», erzählt er hinterher von dieser Begegnung, «und dann hat er mich verdammt». Es ist der Tagung der Generalkonferenz zu wünschen, dass dieses Erleben auf ausserhalb des Tagungszentrums beschränkt bleibt und die Delegierten der Liebe Jesu Raum lassen.

 

Klaus Ulrich Ruof, emk.de / UMNS

 

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