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Singen

"Wenn Methodisten singen, dann räkeln sie sich nicht oder sitzen dabei in ungehöriger Haltung. Sie singen nicht schleppend und sich mühsam die einzelnen Worte abringend. Sie stehen vielmehr vor Gott und preisen ihn fröhlich und guten Mutes."

John Wesley (1703 - 1791)

Freitag 11. Mai 2018 08:40Alter: 15 days
/ Kategorie: Europa

Schlaglichter der Vielfalt

Die Vielfalt des Lebens bildet sich im Programm des Europäischen Methodistischen Festivals in Cuxhaven ab.

Jeden Morgen wird zu «Staunen!»-Gruppen eingeladen, um über Gedanken der Bibelarbeiten austauschen zu können. Dabei ist es wichtig, dass alle dieselbe Sprache sprechen und verstehen.

Aus methodistischen Gemeinden in ganz Europa sind Menschen zum Europäischen Methodistischen Festival in Cuxhaven zusammengekommen. Sie erleben ein buntes Programm, das in einem gut 70-seitigen Heft für alle Interessen und Altersgruppen etwas bereithält. Umschlossen ist das Tagesprogramm von den morgendlichen Bibelarbeiten und einem abendlichen Programmangebot für alle Generationen. Dazwischen gibt es Kleingruppenbegegnungen, Workshops, Vorträge, Ausflüge und Zeit für Begegnungen. Eine kleine Auswahl des Donnerstags bietet einen Einblick.

 

Vom Investmentbanker zum Kämpfer

Marc Nussbaumer hielt eine der zwölf Bibelarbeiten an diesem Morgen über den Kampf Jakobs am Jabbok, von dem die Bibel im 1. Buch Mose berichtet (Kapitel 32,23-32). Der Schweizer EMK-Pfarrer forderte die Zuhörer am Beispiel dieser Geschichte auf, sich ihrem Lebensthema zu stellen. Jakob als Zweitgeborener, noch dazu als Zwillingsbruder, habe den Segen des Vaters haben wollen, der eigentlich seinem erstgeborenen Bruder zugestanden hatte. Nussbaumer sprach die Zuhörenden direkt auf ihre eigenen Erfahrungen an: «Wenn unter Euch Zweitgeborene sind, dann wisst ihr wie das ist.» Da sei immer ein anderer, der schneller ist, der alles besser kann, «und du bist immer etwas hinterher». Jakob aber gelingt es, seinen Bruder um dessen Position als Erstgeborener zu betrügen. Zwanzig Jahre später holt Jakob dieses Thema wieder ein. Die anstehende Begegnung mit seinem Bruder bereitet er wieder schlau vor. Sein inzwischen beträchtliches Vermögen teilt er auf «wie ein Investmentbanker, der sein Risiko streut», beschrieb Nussbaumer die Situation, in der Jakob ausserdem auch noch Geschenke vorausschickt. Trotzdem bleibe Jakob in Angst. Jahrelang hatte er das vor sich hergeschoben. Jetzt musste er sich der Begegnung stellen. Der auch als Coach arbeitende Pastor münzte das Geschehen in eine direkte Frage um: «Was schiebst du vor dir hier, wenn du Angst hast? Was schickst du vor, bevor du dich selber wagst?» Die innere Auseinandersetzung Jakobs mündet im Dunkel der Nacht in einen Kampf mit einem Gegner, der ihn mit einem schmerzhaften Schlag auf die Hüfte stoppt. In diesem Kampf mit Gott sei, so legte Nussbaumer dar, Jakob ein anderer geworden. Er schickt nicht mehr Anderes und andere in seiner Angst vor und ist nicht mehr auf seinen Vorteil bedacht. Jetzt stellt er sich und wird zum «Kämpfer», was seine Namensänderung zu «Israel» bedeutet. Nussbaumer lud anhand dieser Geschichte dazu ein, das eigene Lebensthema zu betrachten: «Was wir mitbekommen haben, kann in der Auseinandersetzung mit Gott verwandelt werden.» Diesem Kampf solle nicht ausgewichen werden. «Stell dich ihm!», forderte Nussbaumer seine Zuhörer direkt auf.

 

Staunen über die Schöpfung

Ein Ingenieur des in Bremerhaven ansässigen Alfred-Wegener-Instituts berichtete in einer Fotopräsentation über Expeditionen in die Nähe von Nord- und Südpol. Martin Schiller gehört der Bremerhavener EmK-Gemeinde an und vermittelte aus seiner Arbeit das Staunen an der Schöpfung. In seiner Aufgabe, Geräte für die Vermessung von Meerwassereis zu entwickeln und zu testen, fährt er zeitweise mit dem deutschen Forschungsschiff «Polarstern» mit. Im Gegensatz zu Touristen, die bei Ausflügen und geführten Reisen in die sensiblen Polregionen oft viel Müll hinterliessen, nähmen sie auf ihren Forschungsreisen allen Abfall und Müll wieder mit zurück. Mit eindrücklichen Bildern berichtete Schiller über Begegnungen mit Eisbären und Pinguinen. «Eisbären sind viel weniger niedlich als im Zoo», schilderte der Ingenieur seine Begegnung mit diesen mächtigen Tieren. Zu Notfall-Situationen sei es aber noch nie gekommen. Mit Pinguinen in der Südpolarregion sei er einmal auf einer Eisscholle gewesen  Bevor seine Forschungskollegen zu ihm abgesetzt werden konnten, sei das Schiff im Sturm abgetrieben worden. Deshalb sei er für eine Zeit allein mit diesen neugierigen Tieren gewesen und habe deren Neugier und «Interesse an Kontaktaufnahme» selbst erlebt. 

 

Europa und die Flüchtlinge 

In einem Workshop über Flüchtlingsarbeit berichteten Pastorin Mirella Manocchio, Präsidentin der Methodistischen Kirche von Italien, und die seit seit 35 Jahren in Italien lebende Pastorin Greetje van der Veer über ihre Erfahrungen. In Italien kommen viele Flüchtlinge aus Afrika an, besonders auf der Insel Lampedusa. Dort lindern die italienischen Methodisten zusammen mit anderen Partnern die Not der Flüchtlinge. Die Gemeinden der autonomen methodistischen Kirche stellten Flüchtlingen Häuser zur Verfügung. Die meist kleinen Gemeinden seien bei diesem Einsatz sehr kreativ. Nach Schätzung der Organisation «Fortress Europe Observatory» (Beobachtungszentrum Festung Europa) seien im Mittelmeer seit 1988 etwa 20'000 Menschen auf dem Weg nach Italien umgekommen. Die evangelischen Kirchen Italiens hätten der Regierung «Humanitäre Korridore» abgetrotzt. So hätten tausend besonders beeinträchtigte Menschen aus Afrika oder dem Nahen Osten sicher nach Italien einreisen dürfen. Das sei zwar nur der berühmte Tropfen auf den heissen Stein, aber besser als gar nichts.

 

Ein Thema, das umfassend diskutiert werden will

Zum Thema «Gleichgeschlechtliche Liebe und Bibel» referierte Jörg Barthel. Der als Professor für Altes Testament an der Theologischen Hochschule in Reutlingen wirkende Referent betonte, dass dieses herausfordernde Thema nur über verschiedene Zugänge erfasst werden könne: «Wir müssen hinschauen, was die Bibel sagt und was sie nicht sagt.» Ausserdem, so Barthel weiter, müsse auch genau hingeschaut werden «in welchem Kontext sie das sagt». Dazu helfe die aus dem wesleyanischen Methodismus stammende Auslegungsregel, nach der zusätzlich zu den grundlegenden Aussagen der Heiligen Schrift auch die Tradition, die Vernunft und die Erfahrung hinzuzuziehen sind. Barthel betonte, dass in der Debatte um Homosexualität einander nicht eine biblische und eine unbiblische Sicht gegenüberstünden, sondern verschiedene Interpretationen. Deshalb sei es neben dem Blick in die Bibel auch wichtig, sich die Tradition der Kirche näher anzuschauen. Da gäbe es eine sehr dunkle Seite, weil homosexuell empfindende Menschen jahrhundertelang ausgegrenzt und verfolgt worden seien. Beim Blick in die Geschichte könne auch an einer anderen Debatte einiges gelernt werden. Vor fünfzig Jahren sei um die Frauenordination hart gerungen worden mit ähnlichen Argumenten wie heute in der Homosexualitätsfrage. Obwohl es einige Stellen in der Bibel gibt, die deutlich gegen die Ordination von Frauen sprächen, sei die Ordination für Frauen gekommen. «Weil das Gesamtzeugnis der Bibel in diese Richtung weist», erklärte Barthel diesen Schwenk in der Auslegung. «Wir können aus der Geschichte der Kirche viel lernen», ist der Reutlinger Alt-Testamentler überzeugt. Gleiches gelte auch für die Frage der Homosexualität. Es gebe nur eine Handvoll Stellen in der Bibel zu diesem Thema, was im Vergleich zu anderen Themen sehr wenig sei. Auch hier müsse, so argumentierte Barthel, das Gesamtzeugnis der Bibel zum Verständnis und zur Auslegung herangezogen werden. Neben dem biblischen Text und einem kritischen Blick in die Geschichte müsse auch «die Stimme der Vernunft» gehört werden. «Die Stimme der Wissenschaft muss in dieser Debatte gehört werden», forderte Barthel. Sicher seien wissenschaftliche Erkenntnisse vorläufig. Dennoch müsse anerkannt werden, dass die grosse Mehrheit der Wissenschaft davon ausgehe, dass Menschen nicht bewusst über Homosexualität entscheiden würden. «Es gehört zur Prägung eines Menschen. Niemand kann das wählen und willkürlich ändern», beschrieb Barthel den Stand wissenschaftlicher Erkenntnis. In einem letzten Teil hob der Referent hervor, dass die Kirche homosexuell empfindende Menschen in die Debatte unbedingt mit einbeziehen müsse. «Ihre Geschichten und Erfahrungen müssen wir ernst nehmen», forderte Barthel auf. 

 

Quelle: Reinhold Parrinello, Michael Putzke, Klaus Ulrich Ruof / www.emk.de 


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