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Donnerstag 29. März 2018 10:18Alter: 204 days
/ Kategorie: Weltweit

Wenn Schulen auch Frieden lehren

Die Evangelisch-methodistische Kirche in Côte d’Ivoire betreibt eines der landesweit grössten Schulsysteme – und trägt dabei zum Frieden bei.

Schülerinnen und Schüler an den methodistischen Schulen in Côte d'Ivoire lernen viel mehr als Lesen, Schreiben und Rechnen

Als der damalige Präsident Laurent Gbagbo, ein Christ, im Jahr 2010 den Wahlsieg seines muslimischen Konkurrenten Alassane Ouattara nicht anerkannte, führte dies zu monatelangen gewaltsamen Auseinandersetzungen – in erster Linie zwischen Anhängern zweier unterschiedlicher Politiker, letztlich aber auch zwischen Angehörigen der beiden grössten Glaubensgemeinschaften des Landes. Heute ist Präsident Ouattara noch immer im Amt, während sich sein Vorgänger Gbagbo wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht verantworten muss. Eine gute Beziehung zwischen der muslimischen (ca. 43%) und der christlichen Bevölkerung (ca. 34%) ist aber bis heute keine Selbstverständlichkeit. Zu sehr sind die Erinnerungen an die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen noch präsent. Doch genau für ein friedliches, zukunftsfähiges Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen setzt sich die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) ein.

 

Ein äusserst wichtiges Instrument in diesem Zusammenhang sind über 80 methodistische Bildungseinrichtungen: acht Sekundarschulen, 50 Primarschulen und 24 Vorschul-Einrichtungen. Rund 19'000 Kinder und Jugendliche nehmen insgesamt am Unterricht teil – und wenn auch die meisten der 900 Lehrpersonen der EMK angehören und die Bildungseinrichtungen klar als methodistische Schulen deklariert sind: Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler haben einen muslimischen Hintergrund, und nur 20% stammen aus EMK-Familien.

 

Lazare Kouassi, Direktor der EMK-Schulen, sagt: «Bildung ist der Schlüssel für unser Land – und Bildung ist dann am besten, wenn sie von Werten getragen wird, die in der Bibel gründen.» Und weil diese Werte nicht nur irgendwo auf einem Papier stehen, sondern im schulischen Alltag erfahrbar werden, haben die Schulen auch ein Potenzial, zu einem friedlichen Zusammenleben beizutragen. Davon jedenfalls ist Bischof Benjamin Boni, der Leiter der methodistischen Arbeit in Côte d’Ivoire, überzeugt: «Wenn Menschen zusammenarbeiten und jeden Tag dieselben Wirklichkeiten erleben und teilen, dann wächst ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir wissen, dass unser Land durch schwierige Zeiten ging. Aber dank unserer Schulen haben wir ein sehr wirksames Instrument, um Menschen in einer friedensstiftenden Umgebung zusammenzubringen.»

 

Die Verantwortlichen sind stolz, dass viele Eltern entscheiden, ihre Kinder in Schulen zu senden, die mit dem Kreuz und der Flamme, dem offiziellen Signet der weltweiten EMK, geschmückt sind – und dass die Eltern sogar noch bereit sind, dafür zu bezahlen. Der Staat trägt nur rund 44% des jährlichen Ausgabenbudgets von rund 7,5 Millionen USD; die restlichen Einnahmen müssen durch Schulgelder erwirtschaftet oder in Form von Spenden der weltweiten methodistischen Familie gesammelt werden.

 

Die Eltern schätzen das disziplinierte Lernumfeld an diesen Schulen, das eine Konzentration auf das Wesentliche ermöglicht. Dieses Lernumfeld trägt auch dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler überdurchschnittlich gute Abschlüsse erzielen und dementsprechend eine gute Grundlage für ihre Zukunft legen. Herausgehoben wird aber auch die liebevolle Art und Weise, wie die Kinder begleitet und gefördert werden. Oder die Tatsache, dass die Schulen Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammenbringt – und dabei doch ein klares Profil behält. Biblische Unterweisung und christliche Lehre gehören zum Pflichtstoff, egal welchen religiösen Hintergrund die Schülerinnen und Schüler haben. Und jede Schulwoche beginnt montags mit einer Besinnung und einem Gebet.

 

Allassane Coulibaly, ein Muslim, ist angesichts der Erfahrungen, die seine Tochter gemacht hat, überzeugt: «Der Reichtum der Schulen liegt in ihrer Vielfalt.» Und er geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er sagt, die Schulen hätten das Potenzial, jene Führungspersönlichkeiten heranzubilden, die später einmal Verantwortung für das ganze Land übernehmen könnten.

 

Pfarrerin Hermance Akpes Epse Aka, die verantwortlich ist für die geistliche Arbeit an den methodistischen Schulen, unterstreicht: «Die Kirche nutzt die Schulen als ein Werkzeug, um das Evangelium zu verbreiten.» Und das hat nicht zuletzt auch etwas mit Frieden zu tun. Mit einem Frieden, der mehr ist als die Abwesenheit von Krieg.

 

Quelle: United Methodist News Service / Urs Schweizer, Assistent des Bischofs, Zürich


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