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Bibel und Glauben

"Ich kann nur immer wieder die Beobachtung wiederholen, in der mich meine Erfahrung mehr und mehr bestärkt, dass die, die der Bibel nicht glauben, allem möglichen Glauben schenken."

John Wesley (1703 - 1791)

Dienstag 27. März 2018 16:30Alter: 207 days
/ Kategorie: JK CH-F, Schweiz

Miteinander über unterschiedliche Meinungen im Gespräch bleiben: Bischof Patrick Streiff über den Umgang mit strittigen Fragen bei den Methodist/innen

Auf der weltweiten Ebene der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) hat die Kommission «Ein Weg in die Zukunft» sich intensiv mit den Fragen menschlicher Sexualität auseinandergesetzt. In der Schweiz werden die Methodist/innen an der Jährlichen Konferenz (Synode) in Bülach im Juni diese Fragen in einem grösseren Kontext ebenfalls bearbeiten. Bischof Patrick Streiff über die besonderen Herausforderungen, das Vorgehen an der Jährlichen Konferenz und das erhoffte Ergebnis des Prozesses.

Bischof Patrick Streiff

Logo der Jährlichen Konferenz 2018

Die Kommission «Ein Weg in die Zukunft» ist mit den Fragen zur Homosexualität stark an der Situation in den USA ausgerichtet. Wo liegen Deiner Meinung nach die besonderen Herausforderungen in der Schweiz?

Zum einen ist die Schweiz für mich noch säkularer und postmoderner als die USA. Das bedeutet, dass diese Fragen in der Gesellschaft insgesamt gar kein Thema mehr sind. Umso mehr stellt man sich in der Gesellschaft die Frage, weshalb das denn in der Kirche noch so ein grosses Thema ist und weshalb in der Kirche noch so viel darüber gesprochen wird. Die Kirchen sind dann zum Beispiel im Fokus der Medien, weil sie in Fragen der Sexualität ein sehr viel konservativeres, traditionelleres Wertebild haben.

Ausserdem ist die Kirche in den USA sehr gross. Zwischen den einzelnen Regionen gibt es sehr grosse Unterschiede. Und weil die Kirche in den USA so gross ist, hat es viele Gebiete, in denen schwule und lesbische Christ/innen bereits zu den EMK-Gemeinden gehören, oft auch solche, die Partnerschaften eingegangen sind oder jetzt, seit das erlaubt ist, auch eine offizielle Ehe. In der Schweiz gibt es dagegen eher wenige Gemeinden, in denen schwule oder lesbische Christ/innen bereits Mitglieder sind und in den Gemeinden ein- und ausgehen. Allerdings gibt es eine grosse Zahl von Methodist/innen, die in ihren Familien Erfahrungen haben mit Kindern oder Verwandten, die ursprünglich auch in der Kirche aufgewachsen sind, dann gemerkt haben, dass sie schwul oder lesbisch sind, und Schwierigkeiten bekommen haben.

 

An der Tagung der Jährlichen Konferenz (Synode) werden diese Fragen schwerpunktmässig auftauchen. Was soll dort geschehen?

Wichtig ist, dass das Thema «Homosexualität» ein Teilthema eines viel grösseren, übergeordneten Themas ist. Dieses übergeordnete Thema heisst: Im wesentlichen Einheit, in den Meinungen Freiheit, über allem die Liebe. Dieses Thema kann man aus der Perspektive von sehr unterschiedlichen Einzelfragen immer in diesem Spannungsfeld von Einheit und Vielfalt in Freiheit behandeln. Es ist also wichtig, sich klar zu machen: Nicht nur bei der Homosexualität stellt sich die Frage, wie wir unterschiedlicher Meinung sein und dennoch eine Einheit als Kirche bilden können. Es gibt im Grunde eine ganze Reihe anderer ethischer Themen, bei denen diese Fragen in der Kirche aktuell waren oder sind: Fragen rund um den Militärdienst von Christ/innen oder Fragen rund um Scheidung und Wiederverheiratung Geschiedener oder Themen von Arm und Reich oder Fragen rund um Flüchtlinge und Ausländer. In all diesen Fragen gibt es ganz unterschiedliche Vorstellungen, die Christ/innen in guter Treue vertreten.

Wir werden «Homosexualität» als eines dieser Unterthemen aufnehmen, weil es im Moment auch in der Kirche sehr aktuell ist. Der Kontext ist der, dass Anfang Mai der Bischofsrat beschliessen wird, welche Vorschläge er der ausserordentlichen Generalkonferenz im Februar 2019 unterbreiten wird. Ab Mai sind diese Vorschläge dann öffentlich und werden diskutiert werden. Im Februar 2019 wird die Generalkonferenz auf der weltweiten Ebene einen Entscheid fällen müssen. Insofern ist es wichtig, dass das Thema vorkommt. Aber für uns in der Leitung der Konferenz war es wichtig, das Thema in diesen viel grösseren Zusammenhang hineinzustellen.

Konkret sieht das so aus: Der Bericht der Distriktvorsteher/in wird sehr prägnant das Thema «Einheit, Freiheit, Liebe» aufnehmen – und dabei auch die Grundlage dafür legen, wie wir biblisch-theologisch mit diesem Thema insgesamt umgehen können. Am Freitagnachmittag und am Samstag wird es dann verschiedene Schwerpunktteile geben. Dabei wird unter anderem auch jemand von ausserhalb der EMK kommen und die entsprechenden Gesprächsteile moderieren und mitgestalten.

 

Wenn der Prozess in der Schweiz einen hilfreichen Verlauf nimmt, was könnte als «ideales» Ergebnis dabei herauskommen?

Wir sind eingebunden in die Jährliche Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika. Das bringt bereits sehr grosse Unterschiede bei den Kontexten mit sich. Nordafrika unterscheidet sich hier stark von Frankreich und beide unterscheiden sich noch einmal von der Schweiz. Das betrifft sowohl das gesellschaftliche Umfeld als auch die Art und Weise, wie die Kirche geprägt ist.

Darum ist meine grosse Hoffnung, dass es uns überhaupt gelingt, miteinander ehrlich ins Gespräch zu kommen, ohne uns gegenseitig den Glauben abzusprechen. Das kann ja auf beiden Seiten geschehen: Sogenannt „Liberalere“, die sogenannt „Konservativeren“ den Glauben absprechen. Hier gibt es manches Mal die Vorurteile eines zu fundamentalistischen Bibelverständnisses. Oder dann umgekehrt der Vorwurf: «Ihr seid viel zu liberal geworden und glaubt gar nicht mehr, was in der Bibel steht.»

Für mich ist es eindrücklich und leider oft auch sehr schmerzhaft zu beobachten, wie es in vielen Jährlichen Konferenzen, die zu meinem Bischofsgebiet gehören, eine Meinung gibt, die in einer Jährlichen Konferenz mühelos geäussert werden kann – und andere Meinungen, deren Vertreter/innen fast so etwas wie Angst haben, diese Meinung zu sagen, weil sie nicht der offiziellen Mehrheitsmeinung entspricht. Was ich mir sehr erhoffe ist, dass wir zu einem offenen, ehrlichen Gespräch finden können – von dem her, was uns in unserem christlichen Glauben wichtig ist, auch wenn wir in dieser Sachfrage unterschiedliche Meinungen haben. Das erhoffe ich mir darüber hinaus auch für die Generalkonferenz später: Dass es besser möglich ist, miteinander als Christ/innen auch über unterschiedliche Meinungen zu reden – und dabei das herauszuhören, was wir gemeinsam haben miteinander, weil wir alle an Christus glauben und weil wir uns alle auf die Bibel berufen, auch wenn wir in der Auslegung in dieser speziellen Frage unterschiedlicher Meinung sind.

 

Die Fragen stellte S.Friedrich.

Einen Überblick über die Arbeit der Kommission «Ein Weg in die Zukunft» finden Sie hier.

Informationen zur Tagung der «Jährlichen Konferenz» finden Sie hier.


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