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Reden, Schweigen

"Ich habe kaum je bereut, zu wenig gesagt zu haben, aber häufig, zu viel."

John Wesley (1703 - 1791)

Montag 16. Juli 2018 13:45Alter: 151 days
/ Kategorie: Europa

Pokal aus methodistischer Kirche gestohlen

Die Fussball-WM 2018 ging auch an den Methodisten nicht spurlos vorüber. Da und dort wurden Public Viewings organisiert, an denen es etwas lauter zu und her ging als in den sonntäglichen Gottesdiensten. Bei einzelnen Spielen befanden sich sogar methodistische Fans in den russischen Stadien. Ob darüber hinaus auch Mitglieder einer methodistischen Kirche in einem der 32 Teams mitspielten, ist nicht bekannt. Es gibt aber eine doch ziemlich spektakuläre Verbindung zwischen einer methodistischen Kirche und der Fussball-WM.

Methodist Central Hall (© commons.wikimedia.org)

Einige Monate vor der im Sommer 1966 in England stattfindenden Fussball-WM verliess der Jules-Rimet-Pokal, ein Vorläufer des heutigen Pokals, seine angestammte Heimat. Als absolutes Highlight einer Briefmarkenausstellung durfte die vergoldete Silbertrophäe in der Methodist Central Hall in London ausgestellt werden – unter der Bedingung, dass sie ständig bewacht würde. Sie war zwar «nur» £3'000.— wert, wurde aber für den zehnfachen Betrag versichert.

 

Die Ausstellung wurde am 19. März 1966 eröffnet, und zwei uniformierte Beamte bewachten die Trophäe rund um die Uhr. Während des Tages wurden diese Beamten von zusätzlichem Sicherheitspersonal unterstützt. An den Sonntagen wurde die Central Hall jedoch weiterhin für methodistische Gottesdienste genutzt. Und es war bezeichnenderweise ein Sonntag – der 20. März 1966 – als eine unbekannte Person nicht mit den erbaulichen Predigtgedanken des Pfarrers und dem Segen Gottes nach Hause ging, sondern mit dem Pokal. Irgendwie hatte es diese Person geschafft, durch einen Hintereingang die Kirche zu betreten, die Vitrine gewaltsam zu öffnen und die Trophäe zu stehlen, ohne dabei gesehen zu werden. Ob der Pfarrer eine derart fesselnde Predigt gehalten hatte, oder ob die Sicherheitsbeamten gerade anderweitig beschäftigt waren, ist nicht bekannt.

 

Wie dem auch sei – während Scotland Yard den Fall übernahm und sich auf die Suche nach dem verschwundenen Pokal machte, meldeten sich verschiedene Personen, die – aus unterschiedlichen Motiven – beim Diebstahl ihre Hand im Spiel gehabt haben wollten. Am konkretesten wurde es, als ein Mann ein Lösegeld von £15'000.— forderte und als Zeichen dafür, dass er nicht einfach ein Trittbrettfahrer war, ein Paket mit einem Teil des Pokals an den damaligen Präsidenten des Englischen Fussball-Verbands sandte. Dieser Mann wurde später ermittelt, es konnte jedoch nie zweifelsfrei festgestellt werden, ob er lediglich ein Mittelsmann war – wie er selber behauptete – oder ob er tatsächlich den Diebstahl ausgeführt hatte.

 

Es war nicht Scotland Yard, sondern ein Mischlingshund mit Namen «Pickles», der den verschollenen Pokal eine Woche nach dem Diebstahl unter einem Lorbeerbusch fand. Dieser kurze Schnüffeleinsatz sollte zum Start einer beispiellosen Karriere werden. «Pickles» war bald das berühmteste Tier in Grossbritannien, durfte beim Festbankett anlässlich der Eröffnungsfeier der Fussball-WM im Sommer 1966 die Teller der Gäste ablecken und wurde sogar zum Kinostar, als er im Film «Der Spion mit der kalten Nase» auftrat – und sich selbst spielte.

 

Für den Diebstahl des Pokals wurde nie jemand verurteilt. Und die Besucherinnen und Besucher der Methodist Central Hall nehmen seither wieder wertvolle Predigtgedanken und den Segen Gottes mit nach Hause. Und höchstens mal noch ein Gesangbuch oder so.

 

Urs Schweizer, Sekretariat des Bischofs, Zürich (Quellen: en.wikipedia.org, londonist.com)


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