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Verstand, Leidenschaft

"Wenn Menschen sich mehr von ihren Leidenschaften als von ihrem Verstand bestimmen lassen, ist wenig Gutes von ihnen zu erwarten."

John Wesley (1703 - 1791)

Montag 22. Januar 2018 14:39Alter: 324 days
/ Kategorie: Aus den Gemeinden

„Schweigen und Beten“ der Davoser Kirchen

Während dem WEF in Davos, das morgen beginnt, „schweigen und beten“ Christen vor Ort und auf der ganzen Welt „für Gerechtigkeit und Frieden“. Mit dabei sind auch Davoser Mitglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) und ihr Pfarrer Stefan Pfister.

"Wirtschaft soll Menschen dienen": Auch an der Kirche der EMK in Davos wird diese Woche zum Gebet eingeladen.

Alljährlich im Januar das gleiche Spiel: Der mondäne Schweizer Kur- und Wintersportort Davos verwandelt sich in eine Art Bergfestung. Schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten ziehen auf, Schützenpanzer sichern Kontrollstellen an den Zufahrtsstrassen. Im Ort wird eine Bannmeile rund um die wichtigsten Hotels und das Kongresszentrum errichtet, Stahlzäune halten ungeladene Gäste fern. Die schweizerische Luftwaffe richtet auf verschneiten Wiesen einen Hubschrauberlandeplatz ein und sichert gemeinsam mit ihren Kameraden in Österreich den Luftraum im weiten Umkreis um das Hochtal.

 

Davos rüstet sich in diesen Tagen für das jährliche Treffen der Reichen und Mächtigen dieser Welt, die vom 23. bis 26. Januar 2018 zum Weltwirtschaftsforum (WEF) anreisen. Und dieses Jahr, so fürchten die Bewohner, wird alles wohl noch einen Zacken schärfer. Immerhin will auch Amerikas neuer Präsident Donald Trump dem Stelldichein der Gobalisierer seine Aufwartung machen.

 

Im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen dann die Wirtschaftsbosse und Politiker, die versuchen, ihre Antworten auf die ökonomischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Und im Blickpunkt stehen die Anti-WEF-Demonstrationen, die in diesem Jahr durch Trumps Ankündigung der Anreise bereits einen ganz neuen Aufschwung bekommen haben.

 

Christen aller Konfessionen beten für Menschen, die unter dem Wirtschaftssystem leiden

 

Doch abseits der Vorträge und Diskussionsrunden, abseits diverser Events oder Störversuche, setzen Davoser Christen aller Konfessionen seit fast 20 Jahren einen Kontrapunkt: „Schweigen und Beten für Gerechtigkeit und Frieden“ heisst ihr Motto. Dahinter verbirgt sich die Einladung, während der WEF-Tage jeweils von 18 bis 21 Uhr in der evangelisch-reformierten Kirche St. Johann besonders der Menschen im Gebet zu gedenken, die unter den aktuellen Wirtschaftsverhältnissen leiden.

 

„Es tut einfach gut, in die Stille zu gehen, zu beten und zu schweigen, um Kraft zu sammeln für das eigenen Handeln in der Welt“, bringt Irma Wehrli, Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirche in Davos, ihre Erfahrungen auf den Punkt. Man verstehe sich auch nicht als Protestbewegung gegen das WEF. Vielmehr sei „Schweigen und Beten“ ein eigenständiger Beitrag von Christen. Und sie verweist auf den Ausspruch von Albert Schweitzer: „Gebete ändern nicht die Welt, aber Gebete ändern Menschen und Menschen ändern die Welt.“

 

Die grossen Massen folgen erfahrungsgemäss nicht der Einladung in die kalte winterliche Kirche. „Manchmal sind wir nur drei, vier Leute, manchmal auch zehn und mehr“, bilanziert Regula Rudolf, die mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Peter 1999 zu den Initiatoren der Aktion zählte.

 

Doch nicht nur in St. Johann wird in diesen Tagen gebetet. Seit Jahren laden die Davoser Christen Gruppen und Kommunitäten auf der ganzen Welt zum Mitbeten während der Tage ein. „Verglichen mit den tausenden WEF-Gästen und ihrer geballten ökonomischen Macht sind wir wenige – aber als Christen haben wir Geschwister in der ganzen Welt“, so Regula Rudolf.

Gruppen, die sich verbindlich melden, sind dann mit Namen und einer symbolischen Kerze in der Davoser Kirche präsent.

 

Betende erhalten Ökumene-Label

 

In diesem Jahr findet das Engagement der Davoser übrigens eine besondere offizielle Anerkennung: Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) zeichnet die Gruppe mit ihrem „Oecumenica-Label“ aus. Dieses „nationale Gütesiegel für beispielhafte ökumenische Arbeit“ wird heute 22. Januar 2018, einen Tag vor der WEF-Eröffnung, in einem kleinen Festakt im Davoser Rathaus überreicht.

 

Weitere Informationen: www.emk-davos.ch

 

Autor: Harald Krille


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