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Glauben

"Glaube an Christus ist nicht bloss eine Sache des Denkens oder der Vernunft, nicht eine lebensleere Zustimmung, nicht eine Kette von Vorstellungen im Kopf – er ist auch eine Einstellung des Herzens."

John Wesley (1703 - 1791)

Dienstag 03. Oktober 2017 11:01Alter: 74 days
/ Kategorie: Weltweit

Ein Kamel durchs Nadelöhr schicken

Die Kommission „Ein Weg in die Zukunft“ der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) hat in Berlin damit begonnen, Modelle für die Wahrung der Einheit der EMK zu diskutieren.

Kommissionsmitglieder fotografieren auf einem Ausflug während ihres Treffens in Berlin die Wittenberger Stadtkirche (Foto: Klaus Ulrich Ruof).

Die Kommission „Ein Weg in die Zukunft“ tagte vom 18. bis 20. September 2017 in Berlin. Der Ort war ausgewählt worden, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die EMK eine weltweite Kirche ist. So konnten sich die aus Afrika, Asien, Europa und den USA anreisenden Mitglieder der Kommission bei dieser einzigen ausserhalb der USA stattfindenden Sitzung quasi „auf halber Strecke“ treffen.

 

Ausstieg aus dem „Wer-wird-gewinnen-Modus“

 

„Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Aufgabe mit der Hoffnung, die wir haben, gemeinsam bewältigen können“, erklärte das Kommissionsmitglied Hortense Aka zu Beginn des Berliner Treffens in einer Andacht. Die Laienführerin und Psychologieprofessorin aus der westafrikanischen Elfenbeinküste betonte, dass es möglich sei, „im Glauben zu hören und zu sehen, was Gott uns lehren will zu tun“. Sie habe die Hoffnung, dass es Einheit in Vielfalt gebe. Von solcher Hoffnung und gleichzeitig grosser Anspannung war dieses fünfte Treffen durchzogen. Es bildete die Mitte der bis in den Herbst 2018 geplanten Sitzungsfolge. Gleichzeitig war es das erste Treffen, in dem Modelle diskutiert wurden, „wie wir die Einheit in unserer Kirche erhalten und den Unterschieden unter uns dennoch Raum geben können“, erklärte die deutsche Ruhestandsbischöfin Rosemarie Wenner, die vom weltweiten EMK-Bischofsrat in diese Kommission entsandt ist. Kenneth Carter, Bischof der US-amerikanischen Florida-Konferenz und einer der drei Moderatoren der Kommission, beschrieb sehr bildhaft, dass in dieser Phase der Kommissionsarbeit viele Vorschläge aufgegriffen, bearbeitet, geändert und auch wieder verworfen werden: „Wir skizzieren Modelle für einen Weg in die Zukunft, indem wir in der einen Hand einen Stift halten und in der anderen einen Radiergummi.“ Es gehe darum, so Rosemarie Wenner, einen Prozess anzuleiten und zu begleiten, „der die Menschen in der Kirche für Veränderungen öffnet“. Die Delegierten der im Frühjahr 2019 tagenden ausserordentlichen Generalkonferenz der EMK müssten durch die Vorarbeit der Kommission in die Lage versetzt werden, „aus dem ‚Wer-wird-gewinnen-Modus‘ auszusteigen und nach einem Weg zu suchen, der möglichst viele Menschen beieinander hält“. Nur so könne „das Potential unserer weltweiten Kirche für den missionarischen Dienst in der Welt fruchtbar gemacht werden“.

 

Die Arbeit kostet viel Kraft

 

Die Kommissionsmitglieder bilden ein breites Spektrum hinsichtlich geografischer Herkunft, theologischer Überzeugung und persönlicher Lebenswirklichkeit ab. Unter ihnen sind sowohl homosexuelle Menschen als auch Vertreter des „evangelikalen Flügels“ der EMK. Trotz dieses breiten Spektrums herrsche laut Rosemarie Wenner eine gute Arbeitsatmosphäre und eine tiefe geistliche und menschliche Verbundenheit. „Ich freue mich jedes Mal, alle Geschwister wiederzusehen, wiewohl ich mit manchen inhaltlich übereinstimme und mit der Meinung anderer starke Mühe habe.“ Die Arbeit koste dennoch viel Kraft, und die Gräben, speziell in der EMK in den USA, seien sehr tief. Die Spannung entzünde sich daran, dass „für viele Menschen in der Kirche“ die Fragen nach der Segnung schwuler oder lesbischer Partnerschaften oder die Ordination Homosexueller für den kirchlichen Dienst nicht im Zentrum der kirchlichen Lehre stünden. Deshalb könnten diese mit unterschiedlichen Meinungen und Praktiken leben. Demgegenüber könnten andere Menschen in der Kirche das biblische Zeugnis nur so bewerten, dass die Ordination Homosexueller oder die Segnungen ihrer Partnerschaften abzulehnen sei.

 

„Kirche wird anders aussehen als heute“

 

Auf die Frage, wo die Kommission sich im Prozess gerade befinde, erklärt Rosemarie Wenner: „Noch haben wir kein Ergebnis, über das wir berichten könnten.“ Allerdings zeichne sich eines schon ab: „Unsere Kirche wird in einigen Jahren anders aussehen als heute.“ Für die europäischen EMK-Zentralkonferenzen ausserhalb Deutschlands seien die Herausforderungen gross, weil sie aufgrund ihrer geografischen Ausdehnung und Ländervielfalt viel weniger homogen seien. „Deshalb“, so Wenner, „gleicht die Aufgabe unserer Kommission manchmal dem Versuch, ein Kamel durchs Nadelöhr zu schicken.“ Für die Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa, der unter anderem die EMK Schweiz angehört, ist David Field aus der EMK Kleinbasel, Mitglied der Kommission.

 

Die Kommission „Ein Weg in die Zukunft“ wurde bei der EMK-Generalkonferenz im Mai 2016 beschlossen. Grund dafür waren unlösbare Auseinandersetzungen über Fragen zur menschlichen Sexualität, insbesondere die Ordination Homosexueller oder die Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften betreffend. Im November 2016 wurde die aus 32 Personen bestehende Kommission vom Bischofsrat eingesetzt und hat im Januar 2017 die Arbeit aufgenommen.

 

Autor: Klaus Ulrich Ruof, Pressesprecher der EMK in Deutschland 


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