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Reden, Schweigen

"Ich habe kaum je bereut, zu wenig gesagt zu haben, aber häufig, zu viel."

John Wesley (1703 - 1791)

Mittwoch 05. Juli 2017 11:34Alter: 1 year
/ Kategorie: Schweiz, JK CH-F

„Pfarrberuf hat sich grundlegend verändert“

Walter Wilhelm hat nach sechs Jahren den Vorsitz der Kommission für ordinierte Dienste (KoDi) an seine Nachfolgerin Brigitte Moser weitergegeben. Nach 25 Jahren wird er auch sein Amt als Gemeindepfarrer niederlegen. Gegenüber den EMK-News blickt er zurück und zeigt auf, wie sich die EMK und das Pfarramt in den letzten Jahrzehnten verändert haben.

Walter Wilhelm (links) wird als Vorsitzender der Kommission für ordinierte Dienste vom Bischof verabschiedet.

Walter Wilhelm, bisher Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in Birsfelden bei Basel, schlägt in diesem Sommer ein neues Kapitel in seinem Leben auf. Auf den Zeitpunkt der Pensionierung seiner Frau Hanna hat er ein einjähriges Sabbatical zugesprochen erhalten. Danach wird der 51-Jährige nicht wieder als Gemeindepfarrer nach Birsfelden zurückkehren. „Meine Berufung hat sich verschoben“, begründet er seinen Entscheid. In der Vergangenheit sei die Verkündigung im Vordergrund gestanden, nun habe sich sein Schwerpunkt in Richtung Diakonie verlagert.

 

„Ständig in Veränderungsprozessen“

 

Anfangs der 90er-Jahre, als Walter Wilhelm sein Studium abschloss, sei das Arbeitsfeld der Pfarrerinnen und Pfarrer in den EMK-Gemeinden noch „homogen“ gewesen, erzählt er. „Es gab noch verschiedentlich einmal jährlich eine Evangelisationswoche, einen Chor, Bibelstunden, Gottesdienste und Unterricht.“ Unterdessen hätten sich die Anforderungen an die Pfarrpersonen massiv vervielfältigt. Individualismus und andere Merkmale der Postmoderne hätten auch vor den Kirchen nicht Halt gemacht. Jede EMK-Gemeinde habe heute ein individuelles Profil, befände sich ständig in irgendwelchen Veränderungsprozessen. Die Kirchenglieder wollten vermehrt mitentscheiden „und das soll auch so sein“, sagt Walter Wilhelm. Diese unterschiedlichen Arbeitsfelder böten zwar die Chance, dass Pfarrpersonen ihre spezifischen Gaben einbringen und leben könnten, auf der andern Seite müssten sie heute nebst Theologie beispielsweise auch ausgeprägte Leitungskompetenzen, Konfliktfähigkeit und Kommunikationskompetenzen mitbringen.

 

Zeitgerecht statt zeitgemäss

 

Die EMK stehe in Zukunft vor der Herausforderung, „ausreichend gut ausgebildete und geeignete Pfarrpersonen“ rekrutieren zu können. Fähigkeiten im Predigen und in der Seelsorge reichten nicht mehr. Dem KoDi-Vorsitzenden und früheren Distriktsvorsteher Walter Wilhelm ging es stets darum, die „Prozesse zeitgerecht und nicht zeitgemäss, zu gestalten“. Er habe den Kirchengliedern gerecht werden wollen, ohne sich vom Zeitgeist vereinnahmen zu lassen. In diesem Sinne habe die KoDi die dreijährige Begleitzeit für Berufseinsteiger individualisiert und modulartig gestaltet. Weiter hat die Kommission, die für die Aus- und Weiterbildung der Pfarrpersonen in der EMK Schweiz zuständig ist, in den letzten Jahren auf die „Stärkung des ordinierten Amtes“ hingearbeitet. So könnten sich Pfarrer und Pfarrerinnen neu auf vakante Stellen aktiv bewerben, bislang hätten sie lediglich darauf warten können, vom Kabinett einer neuen EMK-Gemeinde zugewiesen zu werden. Bei der Ausbildung sei die Theologische Hochschule in Reutlingen daran zu evaluieren, wie ein berufsbegleitender Masterstudiengang eingeführt werden könnte, da der Pfarrberuf heute oft nicht mehr die Erstausbildung sei.

 

In Regionen denken

 

In Bezug auf die Kirchgemeinden gehe es darum, vom Bild „eine Gemeinde = ein Pfarrer“ wegzukommen. „Wir müssen vermehrt in Regionen denken“, sagt Walter Wilhelm und blickt dabei auf seinen Wirkungsort Basel: „Wir bieten immer noch dreimal das gleiche Programm am Sonntagmorgen.“ Stattdessen sollte aus seiner Sicht ein Pfarrteam einer Region sich in seinen Fähigkeiten ergänzen und sich dementsprechend in das breite Tätigkeitsfeld teilen. So brauche es zwar in einer Region eine „ausgeprägte Leitungsperson“, auf der anderen Seite aber auch einen kompetenten einfühlsamen Seelsorger.

 

„Bleibe auch in Zukunft Methodist“

 

Walter Wilhelm ist in einer Birsfelder Methodistenfamilie aufgewachsen. Zuerst interessierte er sich für Naturwissenschaften, musste aber feststellen, dass ihm in diesem Gebiet das Zwischenmenschliche fehlte. Deshalb studierte er in Reutlingen Theologie, wo die EMK-Pfarrerinnen und –Pfarrer aus dem deutschen Sprachraum ausgebildet werden. „Ich bin als ganzer Mensch Methodist“, betont er. Dies bleibe auch in Zukunft so. Kern darin sei, das persönliche Vertrauen auf Gott und gleichzeitig ein weites Herz zu haben. Nicht die Richtigkeit des Glaubens stehe im Vordergrund, sondern die Liebe. Es gehe nicht in erster Linie darum sich abzugrenzen, sondern den Nächsten zu lieben wie sich selbst.

 

Autorin: Barbara Streit-Stettler


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