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"Ohne Nahrung kann kein Kind, ohne persönliches Gebet keine Seele wachsen."

John Wesley (1703 - 1791)

Mittwoch 30. Mai 2012 15:54Alter: 359 days
/ Rubrik: Aus den Gemeinden

Willkommen in der Wohnstube

 

Sie treffen sich an der Postgasse 35 in Bern. Hier erhalten Randständige und Obdachlose Suppe und Kaffee und hier sind sie willkommen. Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Region Bern (AKiB) ist Trägerin dieses altbewährten Werks und die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) in Bern unterstützt es als AKiB-Mitglied indirekt.

Eingang zur öffentlichen Wohnstube in der Berner Altstadt.

Die Postgasse 35 liegt in der Berner Altstadt mit einem durch die Lauben fast verdeckten Eingang. Eine unauffällige Türe, im Sommer ein paar Gartenstühle davor, drinnen eine einfach eingerichtete Wohnstube. Es duftet nach Kaffee, zwei ältere Frauen heissen die Gäste willkommen: ein Treffpunkt für Menschen am Rande der Gesellschaft.

Seit 35 Jahren besteht dieses Lokal. An den Wochentagen ist es von Montag bis Freitag geöffnet, im Winterhalbjahr zusätzlich auch an Samstagen. Täglich machen zwischen 50 und 70 Personen von diesem Angebot Gebrauch. Sie trinken Kaffee, zusätzlich wird morgens ein „Zmorge” und am Nachmittag ein „Zvieri” offeriert. Dank Lebensmittelgaben, Spenden und dank dem freiwilligen Einsatz des Teams kann alles kostenlos serviert werden. Und man kann im warmen Raum sitzen bleiben, je nach Bedürfnis mit jemandem das Gespräch suchen – oder auch einfach in Ruhe gelassen werden.


Familienersatz

 

Die Geschichte begann in den Siebzigerjahren: Durch die Initiative der Berner Kirchen kam die Idee eines „Aufenthaltsraumes für Arbeitslose” zustande. Es fanden sich etliche Frauen im Pensionsalter, die bereit waren, es den Gästen wohnlich zu machen. Heute sind es fünfzehn Frauen und ein Mann, die sich regelmässig zum Einsatz in der Postgasse melden. Ihre Hauptaufgabe ist es, präsent zu sein. Sich nach dem Ergehen der Gäste zu erkundigen, sich mitzufreuen, wenn einer etwas Ermutigendes erlebt hat, hin und wieder auch auf mütterliche Weise für Ordnung zu sorgen. Eine Art „Familienersatz” wird in der Postgasse geboten. Und die Gäste (fast ausschliesslich Männer) schätzen die Atmosphäre und den gemütlichen Raum, leben doch viele von ihnen in einfachsten Unterkünften. Andere schätzen es, in Gesellschaft sein zu können.


50 000 Franken Preisgeld

 

Diesen Frühling erhielt die „Postgasse” den 1. Sozialpreis der Berner Burgergemeinde. Sie ist die Hausbesitzerin und kennt deshalb das Angebot seit seinen Anfängen. Dass die Postgasse aus 10 Bewerbern ausgewählt wurde, ist dem langjährigen Engagement der Freiwilligen zu verdanken. Mit dem Preisgeld von 50 000 Franken soll die Küche renoviert werden.

 

Quelle: Heilsarmee, Hedy Brenner


United Methodist Church