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Glaube und Liebe

"Selbst ein Mensch mit geringen Begabungen – was kann er nicht alles tun, wenn er von Glaube und Liebe erfüllt ist."

John Wesley (1703 - 1791)

Ich müsste es trotzdem tun!

Zur Sonderberichterstattung von der Generalkonferenz (KuW 3/2019)

Die Digitalisierung machte es möglich, man befand sich mitten drin. Mitten in der Generalkonferenz in Amerika. Es wurde viel gebetet. Dieses Vorgehen erfüllte mich mit Zuversicht.  «Es gibt für jedes Problem eine schnelle Lösung und die ist meistens falsch.» Nachdem das komplexe Thema über Jahre von verschiedenen Expertenteams diskutiert wurde, glaubte ich, wie viele andere Frauen und Männer unserer Kirche an eine menschenwürdige Lösung. Um 15.26 Uhr Ortszeit kam der Tiefschlag. Die Abstimmung brachte mich brutal auf den Boden der Realität zurück. Zuerst war ich über alle Massen enttäuscht. Doch irgendwo lebte noch ein Funke Hoffnung in mir. Vielleicht wird der Entscheid doch noch zum Guten relativiert. Leider hoffte ich vergebens. Es würde zu weit führen, hier alle Bestimmungen aufzuzählen, welche mich mit Sorge erfüllen. Zwei Anordnungen bereiten mir ganz spezielle Probleme. Zitat: «Die Ordination von Menschen, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben, bleibt weiterhin verboten.» Ja, und wenn sie es schon praktizieren? Wenn sie es verheimlichen? Ich kenne als Aerztecoach solche Fälle. Und weiter: «Die Segnung solcher Paare bleibt weiterhin verboten.» Es gibt bekanntlich Pfarrer, die segnen Motorräder. Wenn es aber darum geht, für homosexuelle Paare um den Segen Gottes zu bitten, hört der Spass auf.
Als Laienprediger werde ich oft von Gemeinden zum Predigtdienst eingeladen. Ich lerne dabei immer wieder wunderbare Menschen kennen und freue mich an jedem Kontakt. Nehmen wir einmal an - und nach diesem Artikel könnte es auch sehr schnell geschehen - ich würde in einer EMK Gemeinde von einem homosexuellen Paar mit der Bitte angesprochen, ihre Gemeinschaft nach dem Gottesdienst zu segnen. Ich muss mich nun entscheiden. Da stehen zwei Menschen vor mir, welche ehrlich nach Gott fragen. Sie sehen sich mit Vorurteilen, Diskriminierungen und falschen Anschuldigungen konfrontiert welche ich nur erahnen kann. Es braucht einen enormen Willen und einen tiefen Glauben sich trotzdem oder gerade deshalb zum Christentum zu bekennen. Zwei Glaubensbrüder oder Glaubensschwestern suchen hoffnungsvoll nach Gott und möchten gemeinsam den Weg zu ihm finden. Wo nehme ich mir das Recht her über sie zu urteilen? Wenn sich der Glaube auf die Sexualität reduziert, ist die Gnade gestorben. Ich könnte nicht anders und würde den beiden die Hände auflegen und für ihre Gemeinschaft und den weiteren Lebensweg, Gott um seinen reichen Segen bitten. Das müsste ich tun. Gegen allen Widerstand und gegen jede von Menschen gemachte Vorschrift.


Hansruedi Stahel, Turbenthal

Jesuanisch leben

Zur Sonderberichterstattung von der Generalkonferenz (KuW 3/2019)

 
Ich bedanke mich sehr für den Link zum Beitrag von Prof. Dr. Jörg Barthel vom Theologischen Seminar in Reutlingen. Ich habe seine Ausführungen mit grossem Interesse gelesen. Schon länger hatte ich mir eine differenzierte Betrachtung des Themas unter Einbezug des methodistischen Quadrilaterals gewünscht. Nun hoffe ich einfach, dass dieser Beitrag in geeigneter Form auch in den Gemeinden Verwendung finden kann und so zu einer sorgfältigen, differenzierten und erweiterten Betrachtung des Themas beiträgt und vor allem zur grossen Herausforderung wird: Wie leben wir als Gemeinde und als Einzelne eine «jesuanische Nachfolge»? Sollte uns nicht diese Frage und Praxis in erster Linie beschäftigen?
 
Vreni Wirth, Chur

Wir laden Schuld auf uns, wenn wir homosexuelle Menschen diskriminieren!

Zur Sonderberichterstattung von der Generalkonferenz (KuW 3/2019)

 

Mir geht es wie Christine Schneider: Der Entscheid der Generalkonferenz, praktizierende Homosexualität in der EMK nach wie vor nicht zu tolerieren, macht mich äusserst traurig. Bei mir meldet sich zudem Empörung.
Ich erlebe in meiner Arbeit als Suchtberaterin, dass es absolut schädlich ist für die Seele eines Menschen, wenn er Teile seiner Identität unterdrücken muss und nicht leben darf. Mir begegnen Menschen, die eine psychische Erkrankung oder ein Suchtverhalten entwickelt haben, weil sie ihre sexuelle Orientierung als sündhaft einstufen und zu unterdrücken versuchen. In meinem Umfeld kenne ich zudem Männer, die anderen viel Leid zumuten, weil sie ihre Homosexualität nicht anerkannt und Frauen geheiratet haben. Umgekehrt erlebe ich Menschen, die der Kirche und ihren Moralansprüchen den Rücken zugekehrt haben, zu ihrer Homosexualität zu stehen beginnen und befreit zum Leben sichtlich aufblühen, sich entfalten und ganz werden.
Mir liegt ein Beitrag von Prof. Dr. Jörg Barthel vom Theologischen Seminar in Reutlingen über Homosexualität vor. Darin schaut er die grossen Linien der Bibel und ihre kulturellen Zusammenhänge an und kommt zum Schluss, dass sich keine ethische oder dogmatische Lehre über Homosexualität aus der Bibel ableiten lässt und nicht von einer eindeutigen Verurteilung von Homosexualität durch die Bibel die Rede sein kann. Für die Schweiz hätte ich mir mindestens die Öffnung zum One-Church-Plan gewünscht.
Obwohl ich mich seit längerem am Rand der Kirche befinde, stand ein Austritt aus der EMK für mich bisher nicht zur Debatte. Die aktuelle Diskussion rund um die Einordnung der Homosexualität stellt mich vor die Frage, ob dies noch die Kirche ist, zu der ich gehören möchte. Ich finde, wir laden Schuld auf uns, wenn wir Menschen wegen ihrer sozialen Orientierung diskriminieren. Davon distanziere ich mich vehement. Ich wünschte mir eine Kirche, in der die Sexualität – ob sie sich gleichgeschlechtlich, andersgeschlechtlich oder transgeschlechtlich äussert – als ein Geschenk von Gott angenommen werden kann.

Lisa Schmid, Brittnau

Homosexualität heute?

Zur Sonderberichterstattung von der Generalkonferenz (KuW 3/2019)

 

Viele Jahre habe ich in der grössten Versicherung der Schweiz gearbeitet. Da finden sich auch einige schwule Mitarbeiter. Oft intelligent, zuverlässig und meist hilfsbereit. Also angenehm. Doch für Christen gilt das Wort Gottes. Sola Scriptura. Da ist das AT wie das NT sehr eindeutig. Mann und Frau sind ein plus und ein minus Pol. So darf es auch Nachwuchs geben. Die Sexualität verweist Gott klar in die Ehe. Die Manneskraft des Mannes gehört zweifelsfrei der Frau. Aber immer in der Achtung, Ehre und Rücksichtnahme der Frau gegenüber. Da hat ein «ich will» keinen Platz. - Was machen zwei Schwule miteinander? Ist das im Willen Gottes? Gott achtet sehr auf unseren Leib. Warum? Er ist der Tempel Gottes.

 

Kurt Meyer, Pfäffikon

 

 

Wann wird über meinen Lebensstil abgestimmt?

Zur Sonderberichterstattung von der Generalkonferenz (KuW 3/2019)

 

Lieber Bischof
Dein Hirtenbrief in «Kirche und Welt 3/2019»  hat in mir einige Fragen aufgeworfen: Stimmen wir jetzt tatsächlich über biblische Wahrheiten ab? Offensichtlich schon. 438 Stimmen entscheiden gegenüber 384, dass praktizierte Homosexualität nicht vereinbar ist mit der christlichen Lehre. Wann wird darüber abgestimmt, ob mein Lebensstil mit der christlichen Lehre übereinstimmt? Hat nicht Jesus Christus schon vor 2000 Jahren darüber abgestimmt? Meine Hoffnung liegt nun beim Gerichtshof der UMC (es fällt mir echt schwer, das zu schreiben), dass diese Abstimmung nicht rechtens war. Warum können wir diese Meinungsverschiedenheit in einer weltweiten Kirche nicht einfach aushalten – wie beispielsweise diejenige, ob Flugreisen oder Geländewagen mit der christlichen Lehre vereinbar sind?

 

Christian Bach, Wangen ZH

 

 

Gesellschaftlicher Wandel wurde oft schon als «unbiblisch» gebrandmarkt

Zu: «Gesellschaftlicher Trend - aber nicht biblisch» (KuW 3/2019)

 

Wie Christine Schneider formuliert hat, unsere Delegierte bei der Generalkonferenz, die Meinung, ob der Geschlechtsverkehr Homosexueller sich mit der christlichen Lehre vereinbar sei oder nicht, sei eine Frage des Bibelverständnisses. Die Frage stellt sich allen: Ist jede in der Bibel festgehaltene Vorschrift wörtlich einzuhalten, ist das weltliche Recht und das gesellschaftliche Leben ohne jede Kritik strikte nach den biblischen Vorschriften auszurichten? Darf nur das Wissen, das in der Bibel enthalten ist, dem Volk zugänglich gemacht und tradiert werden?  Nur wer dies bejaht und danach lebt, was unrealistisch ist, hält sich konsequent an jeden Buchstaben der Bibel. Dann wäre es gottgefällig, nach dem Sieg über den Feind, sein Territorium zu verbrannter Erde zu machen, die Bevölkerung sowie sämtliche Tiere mit Stumpf und Stiel auszurotten (1. Samuel, Kapitel 15 insbesondere Verse 3f., 8f. 23). Die grausame Vollstreckung einer Todesstrafe wäre gestützt auf die Bibel erlaubt, ebenso die Sklaverei, die Paulus als rechtmässig anerkannt hat. Dass die Frau ihrem Ehemann oder einem männlichen Verwandten mit Haut und Haar ausgeliefert ist, wäre ebenfalls biblisch gerechtfertigt. Und, ach ja, die Erde ist eine Scheibe.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich bei einer gesellschaftlich strittigen Frage die Gegner eines gesellschaftlichen Wandels die Bibel berufen, um diesen Wandel zu kritisieren und möglichst zu verhindern. Bereits die Abschaffung der Sklaverei wurde von den Gegnern als unbiblisch gebrandmarkt.  Die Gegner und Gegnerinnen (!) des Frauenstimmrechts auf Bundesebene haben im Abstimmungskampf am Ende von 1970 und anfangs 1971 in Hinblick auf die Abstimmung vom 7. Februar 1971 die politische Gleichstellung der Frauen als unbiblisch bekämpft. Als es in der Abstimmung von 22.9.1985 um die Revision des Eherechts ging, um die Frau in der Ehe dem Mann gegenüber gleich zu stellen, haben sich die Gegner der Revision ebenfalls darauf berufen, die Frau sei laut der Bibel dem Manne untertan, die besagte Revision stehe somit im Widerspruch zur biblischen Lehre.

 

Barbara Weber, Zürich

Gleichgeschlechtliche Liebe ist keine «Baustelle»

Zu: «Gesellschaftlicher Trend - aber nicht biblisch» (KuW 3/2019)

 

Lieber Herr Eschler

 

Sind Linkshänderinnen und Linkshänder sündige Menschen? Sie machen - je nach Schätzung - 10 bis 15 % der Bevölkerung aus. In der Bibel werden sie - Irrtum vorbehalten - seltene zweimal im Zusammenhang mit Krieg und Königsmord erwähnt. Gesegnet werden sie nicht. Seit Menschengedenken galt die linke Hand als schmutzig, unehrenhaft, wurde gar mit Teufel und Sünde in Verbindung gebracht. Erst seit etwa den 60-er-Jahren des letzten Jahrhunderts wird darauf verzichtet, Linkshändige mit pädagogischer Begründung gewaltsam umzugewöhnen. Heute gelten wir als gleichwertig, gleichberechtigt, unauffällig. Das genügt uns, wir müssen nicht von allen auch noch geliebt werden. Die Frage, die mich völlig unberührt lässt, bleibt offen: wieso lassen Gott oder das Leben Linkshändigkeit zu? Haben Sie Antworten?
Vielleicht merken Sie, ich habe Ihren Beitrag in der letzten Ausgabe von K+W gelesen. Ihr Einstieg irritiert. Sie beginnen gleich mit der Sünde, rufen dazu auf, Jesus ähnlich zu werden, andere Meinungen zu respektieren und berufen sich auf Gottes Offenbarung in seinem Wort. Und dann kommt die Breitseite gegen die "Ehe für alle" - gesellschaftlicher Trend, aber im göttlichen Design (!) und Schöpfungsplan nicht vorgesehen.
Gott schuf den Menschen als sein Abbild, als Frau und Mann, und er segnete sie - gleichwertig, gleichberechtigt als je eigenständige Menschen. Ein schönes Bild für den Beginn menschlichen Lebens. Dann folgt der Auftrag: Mehret euch (heute mit 7.5 Milliarden ErdenbewohnerInnen wohl nicht mehr vordringlich), nutzet und bewahret die Schöpfung (da hätten wir viel zum Ge- und Missbrauch zu besprechen).
Von Ehe (einander beistehen, begleiten, (er)tragen, für einander einstehen) steht hier noch nichts. Das folgt dann ab dem 3. Kapitel. Da wird der Frau beschieden, dass der Mann ihr Herr sei. Polygamie wird möglich. Später finden sich Regelungen, die es dem Mann einfach machen, sich einer Frau zu entledigen. Was sagen Sie zu einem solchen Eheverständnis, zu solchen biblischen Vorgaben?
Dieses Verfügen über die Frau hat sich - mit Modifikationen und Milderungen - in der Schweiz bis 1988 gehalten. Ist das seither (gegen massiven Widerstand von rechts durchgesetzte) gültige neue Eherecht in Ihren Augen auch ein nicht biblischer, gesellschaftlicher Trend?
Wie die Linkshändigkeit so ist auch die nicht heterosexuelle Liebe für etwa 10 % der Menschen Lebensrealität. Dass Linkshändigkeit weder Krankheit noch Sünde ist, wurde im letzten Jahrhundert allmählich akzeptiert. Bei der gleichgeschlechtlichen Liebe sind wir leider noch lange nicht so weit. Feststellungen wie, dass sie 'ein Symptom einer zutiefst zerrissenen Welt, ein Zeichen für unser aller Sünde' sei, halte ich nicht nur für höchst unprofessionell (Michael Herbst ist Theologe), sondern zu tiefst verletzend. Nicht die Minderheiten sind Zeichen für die Zerrissenheit der Welt, Zeichen für die Zerrissenheit sind, dass Fromme und weniger Fromme, Mächtige und Ohnmächtige Angehörige von Minderheiten regelmässig zur Zielscheibe ihrer versteckten oder offenen Aggressionen machen.
Ihr abschliessender Wunsch, dass alle trotz ihrer "Baustellen" Annahme erfahren, ist verführerisch. Wer hat schon keine "Baustellen"? Gleichgeschlechtliche Liebe ist keine "Baustelle" in Ihrem Sinn, keine menschliche Unzulänglichkeit, keine Alltagssünde, sondern reale Liebe. Auch für sie gilt: er segnet sie - ich hoffe, dass die Kirche(n) da nachziehen.
Der EMK war es immer wieder geschenkt, in sozialen Fragen lebensdienliche Positionen zu beziehen und zu vertreten und konkrete Hilfe zu leisten. Ich hoffe und bleibe zuversichtlich, dass es auch hier gelingen wird.


Markus Brandenberger, Uetikon am See

Bibel oder Zeitgeist?

Zu: «Gesellschaftlicher Trend -- aber nicht biblisch» (KuW 3/2019)

 

Zeitgeist gegen Aussagen der Bibel: Das ist eine klassische Gegenüberstellung. Sie hat die Kirchen immer wieder beschäftigt und manchmal zu Zerreissproben geführt. Es war der Zeitgeist der Renaissance, der das neue Weltbild von der Sonne als Zentrum aufbrachte. Die Erde ist keine Scheibe, wie es früher aus der Bibel gelesen wurde. Es war der Zeitgeist des Humanismus, der zur Reformation führte. Es braucht keine von den Nachfolgern des Petrus geleiteten Priester mehr um den Menschen mit Gott zu verbinden – wie es aus der Bibel herausgelesen wurde (Matthäus 16,18.19; Johannes 21,15-17). Es war der Zeitgeist der Aufklärung, der John Wesley nach den «matter of facts of believing», den «Gewissheit vermittelnden Fakten für den Glauben», fragen liess. Es entstand die methodistische Bewegung. Es war der Zeitgeist der Gleichstellung der Geschlechter, der die Kirchen beschliessen liess, Frauen zum Predigtamt zu ordinieren – entgegen der Art wie man glaubte, Paulus verstehen zu müssen (1.Korinther 14,34). Und es ist der Zeitgeist des Individualismus, der erkennen lässt, dass Menschen sexuell völlig unterschiedlich empfinden können. Wieder werden biblische Aussagen gegen «die Homosexualität» ins Feld geführt und drohen, die Kirche zu zerreissen. Es ist in der Vergangenheit immer wieder gelungen, Zeitgeist und Bibel nicht als Gegensätze zu verstehen, sondern sich gegenseitig befruchten zu lassen. Wie lange wird es diesmal dauern, bis es so weit ist?


Theo Schaad, Köniz

Wurde die «Spurweite» der Bibel vermindert?

Zur Sonderberichterstattung von der Generalkonferenz (KuW 3/2019)

 

Vor 77 Jahren bin ich in die EMK hinein geboren worden. Vor 60 Jahren wurde ich als Mitglied aufgenommen. Vor bald 50 Jahren begann ich ein Praktikum als angehender Jugendsekretär auf dem Bezirk Schaffhausen. Dort lernte ich durch Pfarrer Ernst Gisler den «EMK-Zug» kennen: «John Wesley stellte an alle Lehraussagen und persönlichen Glaubenserfahrungen die Forderung, dass sie in der Bibel verwurzelt, durch die Tradition erleuchtet, im Schmelztiegel der Erfahrung erprobt und durch die Vernunft bestätigt sein müssen.» Seither bin ich zu verschiedenen Zeiten und unterschiedlich lange in einem der vier angehängten Wagen mitgefahren – das heisst, meine «Glaubens-Schwerpunkte» haben sich öfters einmal verändert. Aber es blieb und war der «EMK-Zug». Hauptsache, die vier Wagen haben je die gleiche Spurweite wie die Lokomotive. Nur so fährt der Zug…! Aber jetzt scheint mir, dass der Zug stehen zu bleiben droht. Die Generalkonferenz hat dem Wagen «Tradition» eine neue, viel breitere Spurweite verpasst. Hätte die Mehrheit der Delegierten auf die Leute aus dem Wagen «Bibel» gehört, wäre das nicht passiert: Es gibt in den Evangelien keinen Hinweis, der Homosexualität als Sünde bezeichnet. Aber es gibt Dutzende klare Aussagen von Christus Jesus zum Thema Reichtum – und diese machen uns alle zu Sündern! Es ist von daher fast zu vermuten, dass nicht nur die Spurweite der «Tradition» verbreitert, sondern dass die Spurweite der «Bibel» vermindert worden ist. Das heisst dann: Der «EMK-Zug» (im Sinne von John Wesley) ist entgleist. Zusammen mit Christine Schneider frage ich mich: «Ist das noch meine Kirche?»


Urs Bangerter, Horgen

United Methodist Church