Sie befinden sich hier: Startseite / News und Publikationen / Kirche und Welt
suche

Zeit und Ewigkeit

"Wenn wir sagen, Gott weiss alles vorher, stimmt das eigentlich nicht, denn für Gott gibt es kein Vorher und kein Nachher. Die ganze Zeit – oder vielmehr die ganze Ewigkeit – ist im selben Augenblick gegenwärtig. Uns Menschen sind nur jeweils sehr kurze Abschnitte der Ewigkeit als Zeit in die Hand gegeben."

John Wesley (1703 - 1791)

Berührend begreifen

Taste, fühle, begreife – die SchöpfungsZeit 2018 lädt ein, Schöpfung zu erspüren, die Welt um uns her mit dem Tastsinn zu erkunden und so Details und Zusammenhänge neu zu «begreifen».

 

Barfuss gehe ich über das ausgetrocknete Gras vor unserem Haus – spüre die Wärme und die Dürre. Und ich geniesse es, wenn wenig später der warme Regen meine Haut befeuchet – und auch die Füsse und das Gras. Mit meinen Fingern spüre ich schon, ob die Brombeeren reif sind oder eher noch nicht. Und ihre spitzen Stacheln schmerzen mich in den Fingern, wenn ich dann doch zu forsch ins Gestrüpp gegriffen habe.

 

Kontaktstelle

Naturspektakel wie ein Sonnenaufgang oder ein Regenbogen «berühren» uns. Oder wir haben es mit einem «aalglatten» Gegenüber zu tun. Oder mit einem «harten» Verhandlungspartner. Um mit Abläufen oder Zusammenhängen vertraut zu werden, müssen wir sie «begreifen». Und wenn Menschen «taktlos» sind, ist das keine Aussage über ihr mangelndes Rhythmusgefühl, sondern sagt, dass sie das nötige Feingefühl vermissen lassen, kein Gespür haben (von lat. tactus: Berührung, Tastsinn, Empfindung, Gefühl). Sie sind vielleicht nicht mit sich selbst, jedenfalls nicht mit der Welt um sie herum in einem guten Kon-takt.

 

Grundlage der Wahrnehmung

Unsere Sprache ist voll von Beispielen dafür, wie wichtig der Tastsinn ist. Menschen können ein gutes Leben führen, wenn sie nicht hören können oder sehen. Aber ohne Tastsinn, ohne das «taktile System» ist Leben nicht möglich. Es ist das Sinnessystem, das am frühesten Reaktionen zeigt: Schon ab etwa der achten Schwangerschaftswoche reagieren Embryonen auf zarte Berührungen an den Lippen. Durch die Berührung mit dem sie umgebenden Mutterleib lernen sie später die grundlegende Unterscheidung zwischen Ich und anderen. Der Tastsinn entsteht vor den anderen Sinnen. Das komplexe Zusammenspiel zwischen dem Tastsinn und den damit verbundenen Nervenzellen und dem Gehirn gestaltet die Grundlage, auf der die Wahrnehmung mit allen anderen Sinnen später aufbaut. Die Haut, mit der wir in Berührung kommen mit unserer Umwelt, ist zudem das grösste Einzelorgan, das wir haben. Das Flächenorgan hat bei einem erwachsenen Menschen die Grösse von knapp zwei Quadratmetern.

 

Feingefühl

Lippen, Zunge und Fingerspitzen sind die für tastende Entdeckungen empfindlichsten Zonen unseres Körpers. Sie können – mit etwas Übung – winzigste Erhebungen in der Grösse von wenigen Tausendsteln Millimetern erspüren. Wir können selbstverständlich unterscheiden zwischen einer Münze oder einem Plastikchip in unserer Hosentasche. Aber auch mit weniger empfindlichen Stellen können wir mühelos unterscheiden zwischen Regentropfen oder feinen Picksern, ob etwas Druck ausübt oder reibt. Wärme und Kälte, Druck oder Dehnung, Schmerzen und Jucken, Vibrationen nehmen wir über unsere Haut wahr. Diese Wahrnehmungen sind voller Nuancen, voll feinster Unterschiede, die wir meistens unbewusst verarbeiten – in einer Weise, die zu verstehen die wissenschaftliche Forschung noch ziemlich am Anfang steht.

 

Lebens-wandel?

Vielleicht lässt der trockene Sommer besser «begreifen», welche verheerenden Folgen der Klimawandel hat. Ob wir allerdings auch begreifen, dass wir unsere Lebensgewohnheiten ändern müssen – wieviel Energie wir verbrauchen, wie wir unsere Verkehrsmittel nutzen, welche Reisen wir unternehmen … –, um langfristig die Schöpfung zu bewahren, ist damit noch nicht sicher gestellt. Die SchöpfungsZeit, wenn sie in Gemeinden und Kirchen bewusst gefeiert wird, könnte auf jeden Fall ermöglichen, einen ersten Schritt in diese Richtung zu gehen.

Wer hätte das gedacht?

  • Die Haut eines erwachsenen Menschen ist das grösste Einzelorgan mit einer Fläche von knapp zwei Quadratmetern bei Erwachsenen.
  • Die Wahrnehmung auf der Haut erfolgt mittels rund 800 Millionen auf bestimtme Wahrnehmungen spezialisierte Rezeptoren, die mit Billionen freier Nervenenden zusammenarbeiten.
  • In einem Versuch konnten Testpersonen Erhebungen wahrnehmen, die nur 13 Nanometer hoch waren, was etwa der Grösse von Viren entspricht.

 

Quellen:
Artikel «Die ZEIT»
Artikel «planet wissen»
Arbeitsdokumentation zur SchöpfungsZeit 2018 (oeku.ch)

 

Sigmar Friedrich

Die Schöpfung wird Zeichen der Nähe Gottes

Eine sinnliche Begegnung zwischen Gerechtigkeit und Frieden verkündet der Psalm 85. Sinnenhaft erfahren wird das in der Schöpfung, die blüht und das schenkt, was es zum Leben braucht. Ein wichtiges Zeichen in einer «Zwischenzeit».


«Du hast dein Land begnadigt, Herr, hast Jakobs Geschick gewendet.» So beginnt der Psalm 85. Gott hat die Geschichte zum Guten gewendet. Der Psalm bekennt: «Du hast das gemacht, Gott! Du!»


Lebensspuren entdecken
Mich spricht das Lebensgefühl der Menschen an, die diesen Psalm geschaffen haben. Es kommt in den drei Teilen des Psalms zur Sprache:
Verse 2-4: Gott wird direkt angesprochen. «Du, Gott, hast unser Geschick zum Guten gewendet.» Psalm 126 redet von der gleichen Erfahrung: «Als der Herr Zions Geschick wandte, waren wir wie Träumende.» Psalm 85 wählt weniger überschwängliche Worte. Vielleicht liegt für ihn diese Erfahrung schon weiter zurück als für Psalm 126. Aber die Erinnerung ist noch wach: Gott hat gewendet – zuerst sich selber und dann eben die Situation der Jüdinnen und Juden.
Verse 5-8: Die Betenden haben jedoch den Eindruck, dass die Wendung irgendwie stecken geblieben ist. Sie haben sich vorgestellt, dass etwas Tolleres herauskommen müsste. Es dünkt sie, Gott habe sich wieder von ihnen abgewendet. Sie bitten: «Wende dich zurück zu uns, Gott unseres Heils!»
Verse 9-14: Jemand spricht: «Ich will hören, was Gott sagt.» Was er hört, sagt er den Menschen weiter: Gott wird Gutes tun. Das Land wird seinen Ertrag bringen. Gott geht den Weg mit den Jüdinnen und Juden weiter.


Kein Platz für Träume
Mit der Wende in der Vergangenheit ist wahrscheinlich die Rückkehr nach Jerusalem nach 70 Jahren Exil in Babylon gemeint. Damals waren die Juden wie Träumende: «Du, Gott, hast Jakobs Geschick gewendet!»
Nun sind einige von ihnen zurück ins Land der Väter. Sie sind von prophetischen Verheissungen begeistert und träumen von einer guten Zukunft. Sie fangen an, Jerusalem wieder aufzubauen. Sie fangen an, verwilderte Felder wieder zu bebauen. Aber das Leben im Land der Väter ist hart. Und da sind noch jene, deren Vorfahren nicht nach Babylon verschleppt worden waren. Man spricht zwei verschiedene Sprachen. Man hat zwei verschiedene Weltbilder. Man hat nicht mehr die gleichen religiösen Traditionen. – Die Träume der Zurückgekehrten lösen sich in Luft auf. Was Gott Wunderbares getan hat, rückt weit weg. Die Gegenwart hat keinen Platz für Träume. Und wenn dann vielleicht doch einmal Zeit zum Nachdenken ist, fragt man sich: Sollte Gott mit den Verheissungen im Buch des Propheten Jesaja wirklich nur diese schäbige Gegenwart gemeint haben?


Zwischen den Zeiten
Psalm 85 spricht vom Leben zwischen den Zeiten. Als Christen leben wir auch so. Wir feiern an jedem Weihnachtsfest, dass mit der Geburt von Jesus eine neue Zeit angebrochen ist. Wir feiern an jedem Osterfest die Auferstehung von Jesus: die Wende zum Leben. Die ersten Christen waren begeistert. Sie haben erwartet, dass Jesus sehr bald wieder auf die Erde kommt. Aber nicht mehr als unscheinbarer Rabbi aus Nazareth, sondern vor aller Augen als Herr der Welt. Dann müssen alle ihre Knie vor ihm beugen, sogar seine grössten Feinde.
Diese Hoffnungen und Erwartungen gingen nicht in Erfüllung. Böse Zungen sagen: «Die ersten Christen haben erwartet, dass Jesus Christus wieder kommt. Gekommen aber ist die Kirche. Und nun haben wir die Bescherung!» Die Kirche hat immer vom Himmelreich, vom Reich Gottes auf Erden geredet. Aber was hat sie gemacht?
Was für die christliche Kirche als Ganzes gilt, haben manche im persönlichen Leben auch erlebt: Sie haben sich mit Überzeugung zu Jesus Christus bekannt. Sie sind Bekennende Glieder der EMK geworden, mit Begeisterung und grossen Erwartungen. Und dann verging die Zeit. Ihre Begeisterung ist nicht auf die Gemeinde übergesprungen. Heute gehören sie noch zur Kirche. Aber wo ist ihre Begeisterung? Wir leben zwischen den Zeiten, persönlich und als Christenheit.


Gott ist unterwegs
Im dritten Teil redet der Psalm von Gutem, das Gott tun wird. Er braucht die Verben «wohnen», «zusammenfinden», «sich küssen», «sprossen», «herniederschauen», «Gutes und Ertrag geben», «vor jemandem hergehen». Das Gute ist ein Prozess. Es ist nichts Abgeschlossenes. In V 14 ist von einem Weg die Rede und in V 10 davon, dass Hilfe nahe ist, Hilfe, die es möglich macht, den Weg weiterzugehen.
Der Psalm klagt Gott nicht an, er habe zu viel versprochen oder er habe den Hammer weggelegt, bevor das Werk vollendet gewesen ist. Im Psalm kommt die Einsicht zur Sprache, dass Gott in Bewegung ist. Er geht mit seinem Volk durch die Zeiten. Er sitzt nicht auf einem Thron weit weg im Himmel, sondern ist wie ein Nomade unterwegs mit seinen Leuten. Und während er mitgeht, schenkt er immer wieder Gnade und Treue, Gerechtigkeit und Frieden.
So kennen wir Gott auch. So hat Jesus auch von Gott geredet und so hat er gehandelt. So hat Gott die Kirche durch die Zeiten begleitet. So hat Gott uns persönlich durch die Zeiten begleitet. Immer wieder hat er sich gezeigt als der «Ich bin da». – Er ist bei uns, da, wo wir sind. Er wartet nicht dort, wo wir sein oder hinkommen sollten. Er ist bei uns.


Christus ist mit uns
Wie wird das greifbar, wenn wir nicht (mehr) wie Träumende sind? Etwa in vielem Guten, das uns zufällt. Gott begegnet uns in Fremden und Bedürftigen. Oder wenn wir mit Christinnen und Christen zusammen sind. Wenn wir Brot und Wein teilen, wie Jesus das gemacht hat. Das ist Wegzehrung. Denn das Leben geht weiter. Die Geschichte geht weiter. Alles, was Gott Gutes tut, wird schnell Teil der Vergangenheit. Gott selber aber geht mit uns. Er bleibt sich und uns treu. Christus ist mit uns. Er ist für uns da. Der Heilige Geist ist mit uns. Er lenkt unsere Schritte auf guten Wegen – durch die Zeiten zwischen den Zeiten.

 

Felix Wilhelm Bantel

«Wo warst du, als ich die Erde gründete?»

Der Monolog Gottes in Ijob 38-41 ist einer meiner Lieblingsstellen in der Bibel. Gott zählt Ijob gegenüber auf, was er alles an dieser Erde getan hat und antwortet somit auf all die Anschuldigungen, die Ijob ihm entgegengeworfen hat. Oder besser gesagt, er antwortet nicht auf die Anschuldigungen, sondern er setzt diese in Perspektive.
Warum aber gibt Gott Ijob diese Antwort und nicht eine andere? Gott könnte auch antworten mit: «Schau, ich habe alles in der Hand, ich weiss schon, was ich tue, du musst mir einfach vertrauen». Ich glaube, dass Gottes Antwort viel einleuchtender und nachhaltiger ist für Ijob, als wenn er ihm einfach sagen würde, dass er vertrauen soll. Gott gibt Ijob in dieser Antwort die Chance, sich selbst zu demütigen. Sich selbst in Demut zu üben gegenüber einem Gott, der diese Welt geschaffen hat. Es geht darum, dass er Gott wieder als Gott erkennen und anerkennen darf.
Vielleicht dürfen auch wir durch die Natur, die Gott geschaffen hat, wieder neu demütig werden. Wir kommen nicht umhin zu erkennen, dass wir Menschen in der heutigen Zeit immer mehr Macht haben, in die Natur einzugreifen – wie können wir also demütig mit dieser Macht umgehen?

 

Sarah Bach

«Das muss der Escapebus sein!»

An der Jährlichen Konferenz stellte die Zeltmission ihre Arbeit vor und liess die Delegierten und die Besucher/innen gleich selbst entdecken, welche begeisternden «Werkzeuge» die Mitarbeitenden zu Einsätzen in EMK Gemeinden mitbringen.


«Tock – Tock – Tock, tock, tock, tock.» Etliche Besucher/innen der jährlichen Konferenz, klopften diese Klopfkombination während ihres Besuches vom «emk-mobil». Gerade ist wieder ein Fünfer-Team daran, die zahlreichen Aufgaben und Rätsel während 30 Minuten im Oberdeck des Doppeldecker-Bus zu entschlüsseln. Kurz davor führte Michael Breiter, Jugendreferent und Mitarbeiter der Zeltmission, durch die Regeln  des Rätselspiels «Escape the bus»: Fast alles ist erlaubt, was gewaltlos lösbar ist. Einziges Ziel ist, innerhalb von 30 Minuten auf die Spur des «sonderbaren Wunders» zu kommen. Teamgeist, Schnelligkeit, Genauigkeit, Phantasie und Geduld sind bei diesem neuen Angebot der Zeltmission gefragt. Wenig später im Spieleifer ertönt: «Hier ein Zettel!» – «Hm, ein Bibelvers - !» – «Hier ist ein Koffer. Mit Schloss!» Kurz darauf erschallt ein: «Tock – Tock – Tock, tock, tock, tock!»


Die Zeltmission stellt sich vor
«Wir möchten euch zeigen, wie ihr als Gemeinde für eure Stadt, euer Dorf zum Segen werden könnt!» so Hans-Martin Kienle, Leiter der Zeltmission, in der kurzen Vorstellung während der Sitzungszeit am Samstag. Es sei leicht, leistbar und könne viele Formen haben, sagte er: «Die Arbeit und Möglichkeiten der Zeltmission sind heute anders und vielfältiger als früher!»
Dabei hat die Zeltmission einige ihrer «Werkzeuge» gleich mitgebracht und anschaulich aufgebaut neben der Stadthalle. Von weitem sichtbar die knallgelbe mobile Bühne mit dem Schriftzug «glauben». Imposant das emk-mobil mit eigener Kaffeeküche, 50 Aussensitzplätzen und gemütlichen Sitzgelegenheiten im Bus für 20 bis 40 Personen. Dazu stabile Faltzelte mit bequemer Sitzlounge und einem Tischfussball. Aus dem Spielattraktionen-Sortiment schliesslich den Hau-den Lukas. Weitere Spielattraktionen, wie Menschenkicker, Kletterturm, Hüpfburgen, hätte das Team zwar gerne mitgebracht, diese waren jedoch in der EMK Serbien und Mazedonien auf Einsätzen, da die Zeltmission europaweit unterwegs ist.


Erfahrungen sammeln
«Wow – das muss der Escape-Bus sein!» sagte ein Teilnehmer der Young-Night am Samstagabend zu seiner Kollegin beim emk-mobil. An der ersten EMK Young-Night bot die Zeltmission einen Ort zum Ankommen und Sein. Daneben konnten Teams im Oberdeck die Testversion «Escape the bus» spielen. «Wir sammeln erste Erkenntnisse und lassen diese in die überarbeitete Version des ‹Escape the bus› einfliessen, die im Frühjahr 2019 eingebaut sein wird», meint Michael Breiter.


Gefässe für Beziehungen
In Begegnung treten mit den Mitmenschen, eine Beziehung aufbauen, dazu dienen die «Werkzeuge» der Zeltmission. Der Blickwinkel in der Arbeit der Zeltmission hat sich markant verschoben, weg von «Belehrung», hin zu «Beziehung leben und unterwegs sein».
«Darf ich einmal auf den Fahrersitz sitzen?», fragte ein kleiner Junge einen Mitarbeiter am Konferenzsonntag und seine Augen begannen zu leuchten, als er ein «Ja» zur Antwort erhielt. Vor Freude war er ganz aufgeregt. Zum Segen werden … möchte die Zeltmission auch mit Ihnen zusammen!

 

Die Zeltmission

… ist neben dem emk-mobil mit verschiedenen Zelten und weiteren «Werkzeugen» in ganz Europa unterwegs und unterstützt Gemeinden bei Veranstaltungen. Ein Aufwandentschädigungsbetrag wird jeweils erbeten. Mangelnde Finanzen sollen keinen Einsatz verhindern. Ein Spenderkreis trägt die vielfältige Arbeit der in Baden-Württemberg stationierten Zeltmission mit.
Bankverbindung: EmK Zeltmission IBAN: DE50 6309 1300 0008 5700 00
Buchungs- und Einladungsanfragen per E-Mail.

 

Michael Breiter

Gut altern im 21. Jahrhundert

Unser schnelllebiges und lautes Zeitalter stellt viele Anforderungen an uns. Eine neue Studie zeigt, dass das Durchschnittsalter in der Schweiz von Jahr zu Jahr steigt. Die Fachtagung von Leben 55 plus geht daher der Frage nach, was es braucht, um bis am Schluss ein erfülltes Leben zu führen.  Der 22. September, ein Tag an dem es um unser persönliches Altern geht, an dem Fragen gestellt werden können und an dem es auch Anregungen für die Arbeit im Bereich Leben 55 plus geben wird.


Heidi Schnegg-Geiser wird am Morgen durch das Thema führen. Sie ist Pfarrerin, Ausbildnerin und Gerontologin und arbeitet in der Residenz Bethesda. Einige Fragen beantwortet sie schon heute.

 

Was möchtest du uns mit deinem Referat näherbringen?
Die christliche Spiritualität ist eine anerkannte Ressource, die beziehungsbasiert ist und ein grosses Potenzial in sich birgt, besonders auch im Älterwerden, in der zweiten Lebenshälfte. Im Laufe des Lebens kann es geschehen, dass der Glaube Schiffbruch erleidet, möglicherweise bei einem biographischen Übergang. Das Älterwerden als Herausforderung ist auch eine Chance, um die spirituelle Dimension neu aufzuspüren, zu vertiefen, um eine von Gott geschenkte Gelassenheit und Sinnfindung zu entdecken, die trägt.


Warum ist es wichtig, dass wir uns mit dem Thema »Gut Altern im 21. Jahrhundert» beschäftigen?
Unsere westliche Kultur ist heute durch eine Zunahme von biographischen Übergängen im Alter gekennzeichnet. Lebensläufe haben sich verändert. Nach dem Motto: «Alles ist jederzeit möglich und nichts ist sicher».
Altersnormierte Übergänge wie beispielsweise die Pubertät, die Menopause oder die Pensionierung sind voraussehbar und damit auch eher planbar. Nicht altersnormierte Übergänge hingegen, wie Scheidung, schwere Erkrankungen, oder Arbeitsverlust sind weit weniger kontrollierbar und daher umso stressiger. Diese biographischen Übergänge in der zweiten Lebenshälfte bieten Herausforderungen und Chancen zugleich, um Wachstum und Entfaltung der Persönlichkeit zu fördern.
Eine gute Bewältigung von biographischen Übergängen ist nicht primär von Kontextbedingungen abhängig, sondern in entscheidendem Masse von der persönlichen Einstellung, die Kraft schöpft aus  der christlichen Spiritualität und zwischenmenschlichen Beziehungen.


Was brauchen Menschen um gut Altern zu können?
Die drei wichtigsten Einfluss-Faktoren für die geistige Fitness sind die geistige Aktivität, die Pflege sozialer Kontakte (zu Menschen und zu Gott) und die körperliche Aktivität.


Was ist unser Auftrag als Christ/innen in desem Zusammenhang?
Gutes Altern als Christ/in beinhaltet in jedem Umbruch, in jeder neuen Lebensphase Gottes Nähe zu suchen. Allenfalls auch mit ihm zu ringen und nach seiner Wegweisung zu fragen, um Raum zu schaffen für eine neue sinnstiftende, stärkende Dimension, die sich eröffnen kann.

 

Themen vertiefen in Workshops

Am Nachmittag beleuchten diverse Workshop das Thema von verschiedenen Seiten.


Workshop 1 – Der Weg in ein Alterszentrum
Diskussionsrunde mit Christine Bickel über die nötigen Schritte, die Heraus-forderung und die Chancen. Was müssen Angehörige und Betroffene wissen und bedenken? Wann macht ein Schritt von zu Hause weg Sinn, wann ist der ideale Zeitpunkt?

Workshop 2 – Die spirituelle Dimension
«Mein Glaubensweg» - Anhand eines Modells haben Sie die Möglichkeit, eine Standortbestimmung sowie Rückblick und Ausblick ihres Glaubensweges vorzunehmen. Unter anderem gehen Sie den Fragen nach:  Wo hat es Übergänge auf meinem Glaubensweg gegeben und wie haben sich diese Übergänge auf meine Spiritualität ausgewirkt?
Leitung: Heidi Schnegg-Geiser

 

Workshop 3 – Nähe im Alter
Wie verändern sich die Bedürfnisse nach körperlicher Nähe zur Partnerin/zum Partner im Alter? Was heisst das für die Beziehung? Wie können Bedürfnisse weiter gelebt werden?

Leitung: Daniela Branz

 

Workshop 4 – Ruhe finden und in Bewegung bleiben
... mit Tai-Chi und Qigong. Rebekka Anderfuhren verbindet christliche Musik mit Tai-Chi und Qigong. Eine gute Möglichkeit, um zur Ruhe zu kommen und dabei etwas für den Körper zu tun. Eine Probelektion mit der Möglichkeit zum Austausch darüber.


Workshop 5 – Miteinander, trotz Verschiedenheit
Anna Shammas kommt aus Syrien. Sie möchte Brücken zwischen Schweizern und Migrantinnen/Migranten bilden und weiss um die Ängste und Bedürfnisse beider Seiten. Sie erzählt von eigenen Erfahrungen und zeigt Wege, wie wir hilfreich aufeinander zugehen können.


Fachtagung Leben 55 plus

9:30 Uhr - 16:00 Uhr

3x3 EMK
Hunzenschwil

Weitere Informationen

 

Natascha Bertschinger

Als Bezirk am Gebäude wachsen

Vor drei Jahren hat die EMK Büren-Grenchen den Neubau neben der über 100-jährigen Kapelle am Rand der Ortsbildschutzzone bezogen. Stephan Hofer, damals Leiter der Bauexekutive, und der Architekt, Markus Kägi, ziehen eine erste Bilanz. Das grosse Bauprojekt prägt den Bezirk – ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist. 

 

«Während der Planungs- und Bauzeit hat sich die charakterliche und geistliche Reife vieler Gemeindemitglieder eindrücklich gezeigt», sagt Stephan. Das gehört zu den Dingen, die ihn im Rückblick auf die kräftezehrenden drei Jahre (2012-2015) am meisten beeindrucken. Wenig überraschend kamen die guten Eigenschaften der Mitglieder und Freunde besonders zum Tragen, wenn die Wünsche zum Neubau nicht mit denen der Bauherrschaft übereinstimmten. Und die Bauherrschaft ist die Gesamtkirche, vertreten durch die Zentralverwaltung in Zürich. «Die Gesamtkirche als Boden- und Immobilienbesitzerin baut für ihre Bezirke. Die Bezirke dürfen und sollen ihre Vorstellungen einbringen. Doch diese Rolle als wünschender Bezirk ist nicht einfach zu füllen. Wo sind die Grenzen?», bringt Stephan das auf den Punkt.
Dass unter diesen Bedingungen manche Erwartungen enttäuscht wurden, ist unvermeidlich. Dass die betroffenen Mitglieder den Bau trotzdem mitgetragen und dem Bezirk nicht den Rücken gekehrt haben, ist für Stephan ein Beweis ihrer Reife. Allein das Privileg die Einheit und gesunde Diskussionskultur mitzuerleben, wiegt für Stephan die Strapazen der Bauexekutive-Arbeit auf, die bis heute nachwirken. Gut für den Zusammenhalt sei auch die praktische Mitarbeit von Freiwilligen gewesen bei der Gartenarbeit und beim Abbruch des alten Gebäudes, das auf dem Bauplatz stand.


Den Zusammenhalt verstärkt
Der Bezirk hat mit dem Neubau, zu dem auch ein benachbartes Mehrfamilienhaus gehört, wunderbare Rahmenbedingungen für seine weitere Entwicklung und sein Wachstum nach innen und aussen bekommen. Der Bau eröffnet vielfältige Perspektiven. Darüber sind sich der Bauexekutive-Leiter und der Architekt einig. Für Markus ist mit dem Projekt beruflich ein Traum in Erfüllung gegangen: «Ich wollte schon immer eine Kirche bauen.» Mit dem modernen Betongebäude, das einen Kontrast zur alten Kapelle setzt, war es ihm ein Anliegen, einen Raum zu schaffen, in dem die Leute Abstand zum Alltag gewinnen können, ohne dabei das Leben draussen zu verdrängen. Die Lichtverhältnisse, die gesangsfreundliche Akustik und das Aufstreben des Raums über der Bühne helfen dabei.
Eine wichtige Rolle spielen neben den Räumen für verschiedene Gruppen die Küche und die Cafeteria. Diese neue Infrastruktur hat die Einführung des monatlichen Gemeindezmittags ermöglicht. Ein Angebot, das den Zusammenhalt vertieft und rege genutzt wird. Auch die Vermietung für private Feste der Mitglieder nimmt langsam Fahrt auf.


Abzahlung als wichtiger Faktor
Durch die Rückzahlung des Zahlstellendarlehens wird der Bezirk mindestens 20 Jahre lang seine Finanzen auf den Neubau ausrichten müssen. Im Rückblick fragt sich Stephan deshalb, ob es nicht klüger gewesen wäre, mit dem Bau einige Jahre zu warten. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, getragen vom Schwung der Vorfreude Geld für das Projekt zu sammeln, als den Obolus nachträglich einzufordern. Allerdings ist die Gemeinde Büren über Jahre gewachsen – weit über die Platzverhältnisse der alten Kapelle hinaus. Diese dient heute hauptsächlich der Kinderarbeit, so dass die unterschiedlichen Bedürfnisse einander nicht in die Quere kommen. Dass in Büren dringender Handlungsbedarf bestand, war daher unbestritten.
Zum Vergleich: Die Gemeinde Grenchen, der Juniorpartner im Bezirk, ist im gleichen Zeitraum vom eigenen Saal im alten Mehrfamilienhaus in eine Gewerbeliegenschaft in der Nachbarschaft umgezogen, wo sich die Gemeinde eingemietet hat.
«Ich hoffe, dass wir mit der Annahme der Spendenbereitschaft und des Gemeindewachstums nicht zu optimistisch waren», sinniert Stephan. Umso dankbarer ist er, dass der Bezirk finanziell von einem Mitglied betreut wird, das sich mit der Finanzierung grosser Projekte auskennt. Eine Verbesserung der Budgetdisziplin hat bereits die Entscheidung gebracht, den Baufonds in den allgemeinen Aufwand zu integrieren.

 

Meilensteine des Kirchenbaus

August 2010 Kauf Grundstück südwestlich der Kapelle in Büren

2011 Machbarkeitsstudie durch das Architekturbüro Kägi Schnabel, Basel

Januar 2013 Konsultativabstimmung des Bezirks

März 2013 Beschluss der Bezirksversammlung

Februar 2014 Baubeginn neuer Gemeindesaal

März 2015 Baubeginn am Altbau (Cafeteria)

März 2015 Bezug neuer Gemeindesaal

Oktober 2015 Einweihungsfeier (eine Woche)

 

Die Zahlstelle – der Film

Der Kurzfilm zur Zahlstelle ist da. Von der Kindheit bis zu den Senioren: Die Bildergeschichte veranschaulicht, wie viele Möglichkeiten das Sparen mit dem Kontosortiment der Zahlstelle eröffnet. Heute: Aus Alt wird Neu – Wechselwirkungen zwischen Bauprojekt und Gemeindeentwicklung. Hier finden Sie den Film.

 

Daniela Deck

 

 

United Methodist Church