Sie befinden sich hier: Startseite / News und Publikationen / Kirche und Welt / KuW 3/2019

Ist die Kirche der Zukunft eine «digitale Kirche»?

(Bild: PIRO4D, pixabay.com)

Dass die Digitalisierung unser Leben grundlegend verändert, darüber besteht kein Zweifel. Aber was bedeutet die Digitalisierung für die Kirche? Sollten wir vielleicht sogar auf die «Digitale Kirche» hinarbeiten?

Was ist gemeint, wenn wir von «Digitalisierung» und mit «Digitaler Kirche» sprechen? Digitalisierung bedeutet, wörtlich genommen, die Übertragung in ein zahlenbasiertes, in der Praxis binäres System. Gemeint ist die wachsende Rolle von Computern (die immer noch binär funktionieren) für immer grössere Bereiche unseres Lebens. Die «Digitale Kirche» wäre dann eine Gemeinschaft, die Gottesdienst nicht in einem Kirchengebäude, sondern in digitalen, virtuellen Räumen feiert und auch dort die Gemeinschaft unter den Gläubigen lebt.

Da es bei Kirche um Begegnung geht, rücken die sogenannten sozialen Medien in den Fokus – dies umso mehr, da es Facebook, Whatsapp, Instagram und Co. geschafft haben, für viele Menschen, gerade für junge, zu einem zentralen Ort des Austauschs, der Begegnung und auch der Identitätskonstitution zu werden.

 

Position beziehen

Ich lege meine Karten auf den Tisch: Mich reizt die Idee einer digitalen Kirche nicht allzu sehr. Zudem halte ich es für wichtig, dass die Kirche sich sehr gut überlegt, in welchem Masse sie die digitale Sphäre betritt und nutzt. Weil diese Sphäre – bei unbestrittenen Chancen, zu denen am Ende dieses Beitrags mehr gesagt wird – zur zwischenmenschlichen Verarmung führt und uns teilweise gezielt manipuliert.

 

Zwischenmenschliche Verarmung

Wo man sich früher traf, da wird heute gewhatsappt, geskypt oder ab und an auch noch gemailt. Das führt zu einer Verarmung der zwischenmenschlichen Begegnungen. Wir Menschen sind auch körperliche Wesen, kommunizieren über viel mehr als nur gesprochene oder geschrieben Worte. Über Gesten, Haltungen, Tonhöhe, Rhythmus, Pause, die Gestaltung von räumlicher Distanz und natürlich den Duft.

Kaum etwas davon ist in der digitalen Sphäre vorhanden. Gerade in einer Kirche geht es ganz wesentlich um Begegnungen: Um Begegnungen mit Gott, aber auch um Begegnungen mit anderen Menschen. Kirche ist kein Versandhandel. Eine Kirche, in der sich die Menschen per Skype zuschalten, um Gottesdienst zu feiern, wäre aus meiner Sicht ein grosser Rückschritt und kein Fortschritt.

 

Gezielte Manipulation

So genannte kostenfreie Angebote im Internet – die berühmtesten sind wahrscheinlich Facebook und Google (zu Facebook gehören auch Whatsapp oder Instagram) – sind weltweit ausserordentlich beliebt. Für viele Menschen spielt sich die Digitalisierung hauptsächlich auf solchen Plattformen ab. Und diese lohnen sich für die Anbieter unheimlich. Alphabet, der Mutterkonzern von Google, hat 2018 einen Gewinn von sagenhaften 31 Mrd. US-Dollar gemacht.

Diese Konzerne verdienen ihr Geld mit Werbung. Sie müssen ihren eigentlichen Kunden, den Werbekunden, äusserst gezielte Werbung anbieten können. Beispielsweise bietet Facebook Werbeplazierungen an, die nur dann aktiviert werden, wenn Nutzer ihren Beziehungsstatus ändern – im Bewusstsein, dass sie gerade dann emotional besonders beeinflussbar sind. Darf eine Kirche sich in einem solchen Umfeld überhaupt bewegen, es mit Werbung sogar mitfinanzieren?

Ich glaube, diese zwei Aspekte – die Verarmung der zwischenmenschlichen Begegnungen und die gezielte Manipulation – sprechen dafür, dass die Kirche diese Sphäre vorsichtig betritt. Aktive Facebook-Werbung und die enthusiastische Förderung von Online-Gottesdiensten sollte sich eine Kirche gut überlegen.

 

Neue Verbindungen schaffen

Davon ausgehend sehe ich vor allem eine grosse Chance der Digitalisierung für die Kirche: Sie kann Verbindungen schaffen, die es ohne sie nicht gäbe. Sie kann Menschen zur Kirche führen, die sonst nie ihren Weg in die Gemeinde gefunden hätten, sie kann die Teilnahme am kirchlichen Leben Menschen ermöglichen, denen dies sonst nicht möglich wäre, und sie kann Menschen verbinden, die sich sonst nicht finden würden.

Die digitale Sphäre kann eine Türöffner-Funktion wahrnehmen: Die Menschen können sich mit dem Evangelium insgesamt, mit einer bestimmten Kirche oder auch nur mit einer bestimmten Veranstaltung auseinandersetzen, ohne dass es der Nachbar sieht. Menschen können so niederschwellig angesprochen werden, Kirchen oder auch Veranstaltungen werden einfacher zugänglich. Heutzutage muss niemand mehr auf der Empfängerliste für einen Gemeindebrief sein, um zu wissen, wann, zu welchem Thema und in welcher Liturgischen Form in einer bestimmten Kirchgemeinde Gottesdienste stattfinden. Das macht diese Angebote für Aussenstehende viel sichtbarer.

 

Teilnahme ermöglichen

Die Digitalisierung kann auch dazu beitragen, dass Menschen an Kirche teilnehmen können, denen dies sonst nicht möglich wäre. Leute nämlich, die keine physische Kirche besuchen können. Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Menschen, die panische Angst vor Menschenansammlungen haben. Menschen im Gefängnis. Ein Live-Streaming eines Gottesdienstes erlaubt diesen Menschen die Teilnahme am Gottesdienst. Und wie wäre es, wenn die Pfarrerin nach dem Gottesdienst ein Predigtgespräch über Skype für diese Menschen anbieten würde?

Schliesslich glaube ich auch, dass die Digitalisierung das Potential hat, Diskussionsräume zu schaffen, die ohne sie gar nicht existieren würden. Heutzutage ist es einfach, einen Blog eines Pfarrers aus Hamburg zu lesen und sich dadurch in seinem Glauben inspirieren zu lassen. Wenn ich eine bestimmte theologische Frage habe, dann finde ich via Google die Gedanken von Menschen, die sich dieser Frage bereits gestellt haben. Ich glaube nicht, dass auf diese Weise eine «Digitale Kirche» entstehen kann. Aber ich glaube, wir sollten vermehrt lernen, diese Räume wahrzunehmen und gezielt zu Gottes Ehre zu nutzen.

 

Reto Gubelmann

… bereitet gerade die Buchpublikation seiner Dissertation im Bereich der Erkenntnistheorie vor. Provisorischer Titel: «A Science-Based Critique of Epistemological Naturalism».

«Wo wir mit Gottes Vision vor Augen die Einheit suchen, kann etwas Grosses entstehen!»

(Bild: zVg)

«Gott ruft uns nicht dazu auf, unsere eigene Agenda zu verwirklichen. Er möchte, dass seine Vision zum Fundament für unsere Einheit wird. Dann kann etwas Grosses geschehen. Auch wenn es ganz klein beginnt.»

 

Donát Gyurkó, der auf diese Weise ein Herzensanliegen formuliert, gehört mit seinen 30 Jahren zu den jungen Pfarrern der EMK in Ungarn. Seit 2015 ist er in Szekszárd tätig. Daneben leitet er auch die Arbeit mit Teenagern und Jugendlichen auf nationaler Ebene. Und es erfüllt ihn mit Freude, was gerade im Unterwegssein mit jungen Menschen aus der Einheit zweier junger Pastoren auf Probe gewachsen ist.

 

Sehnsucht nach mehr

«2013 fuhren mein Kollege Bence Vigh und ich nach Stuttgart, um an der Tagung des Methodistischen Rates für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (EMYC) teilzunehmen», erinnert sich Donát Gyurkó. «Irgendwann stellten wir fest, dass Gott uns beiden dasselbe Anliegen aufs Herz gelegt hatte. Wir erkannten, dass die Jugendlichen der EMK in Ungarn nicht nur an Programmen teilnehmen wollten, sondern dass sie sich nach mehr sehnten: nach gemeinsamem Lernen, Dienen und Unterwegssein mit Christus.»

Die beiden jungen Männer sogen mit grossem Interesse auf, was in anderen Ländern Europas an Schulungs- und Ausbildungsprogrammen entwickelt worden war. Und plötzlich war ihnen klar: «Hier ist Gottes Auftrag für uns. Lass uns eine Einheit suchen, von anderen lernen und aktiv werden. Im Gebet und in konkreten Taten.»

 

Ausbildung mit Bodenhaftung

Plötzlich ging es schnell, und ein umfassendes Schulungsprogramm für maximal zwölfköpfige Kleingruppen entstand. Dieses war geprägt vom Grundsatz, dass das Unterwegssein mit Christus neben einer geistlichen auch eine intellektuelle und eine praktische Dimension haben muss – Donát Gyurkó nennt es ein «Glauben mit dem Herzen, mit dem Kopf und mit den Händen». Die Gruppen sollten sich jeweils an vier Wochenenden pro Jahr in verschiedenen EMK-Gemeinden Ungarns treffen. Bibelarbeiten und Worship sollten ein Fundament legen, auf das Theorieblöcke zu Themen wie Selbsterkenntnis, Sozialkompetenz, Menschenführung oder Entwicklung organisatorischer Fähigkeiten aufbauten. Daneben sollten praktische Einsätze – z.B. die Arbeit mit Obdachlosen, Roma oder Jugendlichen – für einen Ausgleich und für Bodenhaftung sorgen.

 

Das Herz der Jugendarbeit

Seither sind sechs Jahre vergangen. Donát Gyurkó ist dankbar: «Was klein begonnen hat, ist durch gemeinsames Gebet und engagierte Zusammenarbeit zu einer Einheit vieler geworden.» Im Herbst 2018 startete der dritte Durchgang des Schulungsprogramms. Eine Gemeinschaft von mehr als 30 jungen Menschen bildet heute das Herz der Jugendarbeit der EMK in Ungarn. Diese jungen Erwachsenen organisieren nicht nur Programme und leiten Gruppen, sondern sie beteiligen sich auch in vielerlei Hinsicht an der missionarischen und diakonischen Arbeit der Kirche. Der Heilige Geist hat aus der Einheit zweier Menschen tatsächlich etwas Grosses gemacht.

 

Kirche wichtiger als Familie?

Alles wunderbar also? Donát Gyurkó wird nachdenklich. «Gott lehrte mich noch eine andere wichtige Lektion bezüglich Einheit.» Ebenfalls vor sechs Jahren traf er seine heutige Frau Panka, 2015 heirateten die beiden, und letztes Jahr schenkte Gott ihnen einen Sohn. Eigentlich ein Grund zu grosser Freude. Aber: «Ich liebte mich und meine kirchliche Karriere mehr als Gott, mehr als meine Frau. Lange merkte ich das gar nicht. Ich dachte, es wäre normal, die Arbeit der Gemeinde, Treffen mit Jugendlichen und kirchliche Reisen über meine Familie zu stellen.» Dauerverfügbare soziale Medien, Arbeit bis spät in die Nacht, Perfektionismus, Sehnsucht nach Annahme und ein Engagement auf weltweiter Ebene der Kirche trugen das ihre dazu bei, dass die Einheit der Ehe des jungen Paars zu bröckeln begann. Ein Männerwochenende der EMK öffnete Donát Gyurkó die Augen: «Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich meine kirchlichen Ambitionen über eine intakte Beziehung zu Gott und zu meiner Frau gestellt hatte. Und ich erkannte, dass dies nicht der Wille Gottes war.»

 

Die Tür zu einem Neubeginn

Schritt um Schritt wurde die Einheit als Familie wiederhergestellt und gestärkt – auch indem Donát Gyurkó sein Verhalten ganz konkret änderte und zum Beispiel mehr Verantwortung in Haushalt und Familie übernahm. Dass er dann im Herbst 2018 mit seiner Familie für gut zwei Wochen in die Schweiz reisen durfte, um Connexio-Anlässe in Gemeinden zu gestalten, war für ihn ein besonderes Geschenk von Gott. «Wir spürten, wie Gott in dieser Zeit unsere Wunden heilte und uns die Tür für einen Neubeginn öffnete.» Auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen hat Einheit für ihn auch etwas damit zu tun, demütig zu werden, Versäumnisse zu erkennen und die Bereitschaft zur Veränderung aufzubringen. «Es geht um Gottes Vision, nicht um unsere Selbstverwirklichung. Aber wo wir mit Gottes Vision vor Augen die Einheit suchen, kann etwas Grosses entstehen. Auch wenn es klein beginnt. Mit mir und mit dir.»

 

Urs Schweizer

Gesellschaftlicher Trend – aber nicht biblisch

(Bild: felixheidrich91, pixabay.com)

 

Die unterschiedlichen Sichtweisen zur Homosexualität führen zu teils heftigen Diskussionen in der EMK und zu Entscheidungen mit grosser Tragweite an der ausserordentlichen Generalkonferenz. Weshalb ich die traditionelle Sicht der EMK für richtig halte – und doch will, dass etwas ganz anderes in der Kirche an erster Stelle steht.


«Alle haben gesündigt, und in ihrem Leben kommt Gottes Herrlichkeit nicht mehr zum Ausdruck, und dass sie für gerecht erklärt werden, beruht auf seiner Gnade. Es ist sein freies Geschenk aufgrund der Erlösung durch Jesus Christus.» (Römer 3,23-24)
Das ist die wunderbare Zusage und das einzigartige Geschenk Gottes an uns alle: Wir sind vom Vater angenommen allein durch den Glauben an Jesus Christus, ohne Unterschied von Herkunft, sozialer Stellung oder sexueller Orientierung. Jede/r hat allein durch Gottes Gnade Zugang zu Gott und dem neuen Leben in Jesus Christus.

Jesus ähnlicher werden
Als Methodist/innen ist uns bewusst, dass die Hinwendung zu Jesus auf den Weg der Heiligung führt. Jede/r hat seine «Baustellen» im Lichte Gottes und wir sind berufen, Jesus immer ähnlicher zu werden, unser Leben ganz auf ihn auszurichten und immer mehr von ihm prägen zu lassen. Das offenbarte Wort Gottes und das Leben von Jesus zeigen uns Gottes Bestimmung für die Welt und die Menschen.

Andere Meinungen respektieren
Wenn ich die Auseinandersetzung betreffend des Umgangs mit Homosexualität beobachte und persönlich mit Menschen unterschiedlicher Herkunft spreche, stelle ich immer wieder fest, dass die Ansichten und Überzeugungen zur Sexualität von der kulturellen Herkunft, dem sozialen und religiösen Umfeld, den persönlichen Erfahrungen wie dem Bibelverständnis geprägt sind. Das macht mir bewusst, dass meine Erkenntnis nur «Stückwerk» ist, ich deshalb umso mehr auf Gottes Offenbarung in seinem Wort durch den Heiligen Geist als Referenz und oberste Autorität meines Denkens und Handelns angewiesen bin. Deshalb ist es mein tiefes Bestreben, mein Leben immer mehr von Jesus und seinem Wort prägen zu lassen und ihm ähnlicher zu werden - und ich gestehe das auch meinen Mitchristen zu, auch wenn sie zu anderen Überzeugungen gelangen als ich.

Der Schöpfungsplan Gottes
In 1. Mose 2,27 steht: «So schuf Gott den Menschen als sein Abbild, ja, als Gottes Ebenbild; und er schuf sie als Mann und Frau. Er segnete sie.» Gott segnete die ersten Menschen als Mann und Frau. Zur geoffenbarten Gottesebenbildlichkeit des Menschen gehört die Polarität von Mann und Frau. So segnete er sie in dieser Verschiedenheit als gegenseitige Ergänzung. In der Bibel wird Ehe allein als Verbindung von Mann und Frau verstanden und der eheliche Segen einzig dieser von Gott gedachten Einheit zugesprochen. Das ist die Gebrauchsanweisung, wie das Leben heil und erfüllt sein kann: eine Frau, ein Mann, ein Bund fürs Leben; die Ehe vom Schöpfer gedacht als lebenslange und ausschliessliche Beziehung von Frau und Mann. Im Alten wie Neuen Testament findet sich keine positive Aussage zur Sexualität ausserhalb der Verbindung von Frau und Mann in der Ehe. So ist «Ehe für alle» zwar im gesellschaftlichen Trend, im göttlichen Design und Schöpfungsplan aber nicht vorgesehen.

Sünde als Vertauschung
Wir alle erfahren täglich die Realität des Lebens, wie unsere Beziehung zu Gott und die Gemeinschaft untereinander alles andere als gut ist. Die ganze Schöpfung seufzt und leidet darunter. Paulus zeigt in Römer 1,18-2,1, dass das Problem der Sünde eine Verwechslung, eine Vertauschung ist: Anstatt den Schöpfer zu lieben und zu ehren und das Geschaffene mit Wertschätzung zu gebrauchen, beten wir das Geschöpf an. Wir beten die Götzen der Geldgier, der Macht, des Egoismus, der Selbstverwirklichung, des Erfolgs an. Paulus zeigt, dass diese Verwechslung bis in die menschliche Sexualität hineinreicht. Michael Herbst sagt es so: «Die Vertauschung der sexuellen Anziehung und Verwechslung der sexuellen Beziehungen ist ein Symptom einer zutiefst zerrissenen Welt. Sie ist nicht das, was Gott wollte. Sie ist ein Zeichen für unser aller Sünde: dass wir uns fortwährend Gott verweigern und vor anderen Altären niederfallen.»(Aufatmen 1/16: Michael Herbst: Jesus und homosexuell Empfindende, S.66) Paulus warnt uns davor, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, weil drei auf uns selbst zeigen. Wir alle sind schuldig geworden vor Gott.

Wozu Jesus uns ruft
Was heisst das nun für mich? Soll die Kirche sich durch den gesellschaftlichen Trend bestimmen lassen oder durch Gottes offenbartes Wort, unter Einbezug von kirchlicher Tradition, sowie Vernunft und Erfahrung? Wozu sind wir berufen? Jesus sagt: «Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht.» (Matth. 6,33)
Die Nöte und Beziehungsprobleme in den Familien, der Kirche, der Gesellschaft, Kriege, Hunger, dass Menschen zur Flucht getrieben werden, Umweltzerstörung, Machtmissbrauch, Ausbeutung aller Art, ... – dies alles sind sehr wohl Folgen der kaputten Beziehung zu Gott, der Menschen untereinander und zu sich selbst. «Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit!» So dass mehr Menschen das ewige Leben und die Freiheit in Christus an Leib und Seele erfahren können. Das ist die einzigartige Berufung aller, die Jesus Christus lieben und ihm nachfolgen, unabhängig davon, ob unsere Sichtweisen über Sexualität oder andere Fragen des Glaubens divergieren oder nicht.

Einander annehmen
Ich wünsche mir, dass wir in unseren Gemeinden einander wie Jesus annehmen und lieben, dass jede/r trotz seiner «Baustellen» Annahme, Wertschätzung und Erbauung zu Jesus hin erfährt. Und allein die Suche nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit an erster Stelle steht und unser Handeln als Einzelne und als Kirche bestimmt.

 

Werner Eschler

ist Pfarrer der EMK

Die anonyme Vernetzung und das Vertrauen

(Bild: freepik.com)

Vernetzung liegt im Trend. Das zeigen Soziale Medien im Internet ebenso wie Bürgervereinigungen, aktuell etwa die Umweltschutzbewegung von Jugendlichen in der Schweiz und Teilen von Europa. Doch die Vernetzung, die die Zahlstelle leistet, weist mehrere ungewöhnliche Aspekte auf. Aspekte, die weder mit dem digitalen Marktplatz der Meinungen noch mit basisdemokratischen Absichtserklärungen auf der Strasse vergleichbar sind.

 

Die Zahlstelle vernetzt Leute miteinander – jedoch anonym. Sie wirkt still und ermöglicht dadurch die Verbreitung von Gottes Wort. Sie wirkt autonom und ist doch von unzähligen Faktoren abhängig. Sie kanalisiert das Vertrauen von ganz unterschiedlichen Einzelpersonen und ermöglicht damit den Bau von Gemeinschaftswerken. Kurz: die Zahlstelle ist ein Paradox – ein erfreulicher und nützlicher Widerspruch in sich.

So stabil funktioniert dieses Paradox, dass es dieses Jahr bereits den 111. Geburtstag feiern kann. Anders als bei den meisten Institutionen, die ein solch ehrwürdiges Alter erreichen, musste die Zahlstelle im Lauf der Geschichte nicht einmal das Erfolgsrezept ändern. Das Ziel und der Weg dazu sind heute noch die gleichen wie bei der Gründung 1908.

Höchste Zeit also, diesem Paradox auf den Zahn zu fühlen. Vielleicht stellen sich die Tatsachen dabei als gar nicht so widersprüchlich heraus.

 

Vernetzt und doch für sich

Da ist zuerst einmal die anonyme Vernetzung. Die Leute, die der Zahlstelle einen Teil ihrer Ersparnisse anvertrauen, kennen sich untereinander nicht. Häufig weiss Herr Müller mit seinem Anlagekonto nicht einmal, dass Frau Meier im selben EMK-Bezirk ein Seniorenkonto hat, seit ihr Einlagekonto an ihrem 60. Geburtstag automatisch in diese Kategorie mit mehr Zins umgewandelt wurde. Und dass Baby Keller im gleichen Ort ein Jugendkonto hat, wissen neben den Eltern und Grosseltern bestenfalls Gotti und Götti.

Einerseits geht diese Anonymität auf die typisch schweizerische Scheu zurück über Geld zu reden. Andererseits ist die Zahlstelle verpflichtet, die Privatsphäre ihrer Anleger/innen zu wahren. Beides teilt die Zahlstelle mit den Banken und der Post.

Der Unterschied zu Bank und Post: Im Rahmen des Jubiläums kann dieses Jahr, wer mag, den Schleier der Anonymität ein Stück weit lüften. Zahlstellenkunden/innen bekommen die Gelegenheit, sich in persönlichen Begegnungen auszutauschen und zu vernetzen. Die Idee dahinter: gegenseitige Ermutigung und die Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen.

 

Beschränkung schenkt Freiheit

Am stillen Wirken der Zahlstelle im Hintergrund der Aktivitäten der EMK Schweiz werden diese Begegnungen der Kundschaft untereinander übrigens nichts ändern. Ebenso wenig an den politischen, wirtschaftlichen und finanztechnischen Rahmenbedingungen, von denen die Zahlstelle abhängig ist.

Die Autonomie der Zahlstelle besteht übrigens zu einem guten Teil in ihrer Selbstbeschränkung. Auch das klingt im ersten Moment nach einem Widerspruch. Geld annehmen tut die Zahlstelle nur von Personen, die sich mit dem Auftrag und der Tätigkeit der EMK identifizieren. Geld ausleihen tut sie ausschliesslich an ihre Bezirke zum Zweck von Bauprojekten. Das gibt beiden Seiten ein Höchstmass an Sicherheit und Transparenz.

 

Vertrauen als Kreislauf

Dabei spielt das Vertrauen die Hauptrolle. Die Anleger/innen vertrauen darauf, dass ihre Ersparnisse zum segensreichen Wirken der EMK beitragen. Ausserdem vertrauen sie darauf, dass die Bezirke das geliehene Geld in nützlicher Frist – oft sind das ungefähr 20 Jahre – zurückzahlen.

Die EMK als Bauherrin vertraut ihrerseits darauf, dass die Kund/innen der Zahlstelle die Treue halten. So entsteht ein Kreislauf des Vertrauens, von dem alle profitieren.

 

Daniela Deck

United Methodist Church