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Glück

"Gutes aller Art ist dem Christen eine Freude – wo immer er es bei den Menschen findet. Als Weltbürger geht es ihm auch um das Glück aller ihrer Bewohner."

John Wesley (1703 - 1791)

In der Auseinandersetzung entstehen neue Einsichten

 

Dieser Pfarrer und ich, wir waren uns nicht einig. Fast nie. Ob es um die Schöpfung ging, die Auferstehung Christi oder moralische Werte. Regelmässig gerieten wir uns in die Haare. Ich konnte seine Meinungen beim besten Willen nicht «stehen lassen» , wie gewisse Leute es wünschten. Schliesslich war die Bibel bemerkenswert klar in ihren Aussagen. Jemand, der so uneindeutige Überzeugungen vertrat, konnte doch unmöglich ein guter Verkündiger des Evangeliums sein!


Die Sache setzte mir zu. Ich schüttete mein Herz einem guten Freund aus. Er hörte aufmerksam zu. Als ich geendet hatte, herrschte ein Moment lang Stille. Dann schaute mich der Freund mit nachdenklichem Gesicht an und sagte: «Weisst du, ich stelle mir vor, dass der Pfarrer von seinen Ansichten genau so ehrlich überzeugt ist wie du von deinen. Für ihn ist es so, wie er es glaubt. Das mag auf dich befremdlich wirken. Aus seiner Sicht dient er Gott und den Menschen nach bestem Wissen und Gewissen.»


Mir ging ein Licht auf
Die Worte meines Freundes trafen mich wie ein Nadelstich einen Luftballon. Dieser Gedanke war mir nicht gekommen. In meinem jugendlichen Eifer hatte ich es unterlassen, über die Motive des Pfarrers nachzudenken. Welchen Grund gab es denn, daran zu zweifeln, dass er sich aufrichtig und hingebungsvoll für die Sache Gottes einsetzte? Seine Glaubensüberzeugungen deckten sich kaum je mit meinen; aber war das ein brauchbares Kriterium zur Beurteilung seiner Einstellung? Warum konnte ich ihn nicht einfach seine Sache machen lassen und frohen Mutes meinen Weg gehen? Im günstigen Fall würde Gott durch uns beide Gutes bewirken.
Inzwischen sind viele Jahre vergangen. Heute bin ich selber Pfarrer. Immer wieder kommt die Erinnerung an die Worte meines Freundes. Sie haben mich wesentlich geprägt. Damals ist mir ein Licht aufgegangen. Ich habe verstanden, dass gläubige Menschen in der Auseinandersetzung mit Gott zu völlig verschiedenen Schlüssen kommen. Dass sie Gott wohl auch ganz unterschiedlich erfahren. Das ist so in Ordnung.


Stehe zu deinen Überzeugungen
Es bedeutet aber nicht, dass meine Meinung nichts gilt. Meinungsvielfalt mindert nicht den Wert der einzelnen Auffassung. Die Kirche braucht Menschen mit starken Glaubensüberzeugungen! Wer etwas fest glaubt, schöpft daraus Kraft für seinen Einsatz. So ein Mensch kann viel bewegen. Nicht umsonst verheisst Jesus den Gläubigen, dass ihnen nichts unmöglich sein wird (Matthäus 17,20).
Darum gilt: Stehe mit Gewissheit zu deinem Glauben und bezeuge ihn den Menschen, mit denen du im Alltag verbunden bist! Aber vergiss nicht, dass es daneben noch etwas anderes gibt! Die Leute in deiner Gemeinde und in der weltweiten Kirche machen ihre je eigenen Erfahrungen mit Gott. Aus den Erfahrungen formt sich ihr Bild von Gott. Sie entwickeln Meinungen zu Glaubensfragen, die ihnen wichtig sind. Diese Meinungen unterscheiden sich von deinen vielleicht beträchtlich. Das  gibt dir die Möglichkeit, die eigenen Überzeugungen immer wieder zu überdenken. Es kann vorkommen, dass dir dabei bewusst wird, dass du in einer bestimmten Sache auf dem Holzweg bist. Dann mach eine Richtungsänderung!


Rückfragen stärken den Glauben
Die Fähigkeit, gegensätzliche Meinungen und Handlungen anderer Menschen zu ertragen, nennt man «Ambiguitätstoleranz». Das im Deutschen eher selten verwendete Wort «Ambiguität» steht für Mehr- oder Uneindeutigkeit. Im Bereich der Religion fällt es oft besonders schwer, Uneindeutigkeit zu ertragen. Der Glaube gehört zum Innersten unseres Lebens. Klarheit im Blick auf wichtige Glaubensfragen gibt uns Boden unter den Füssen. Wird die Klarheit infrage gestellt, kann das Gefühl entstehen, der Boden werde unter den Füssen weggezogen. Das macht Mühe, und so versuchen wir, diese Erfahrung zu vermeiden.
Doch ein solcher Prozess ist wertvoll, selbst wenn die eigene Hinterfragung ergibt, dass wir bei dem bleiben, was wir schon immer geglaubt haben. Die Rückfrage stärkt den Glauben. Gleichzeitig weckt sie Verständnis für die Überzeugungen anderer. So wächst die Ambiguitätstoleranz. Und wo verschiedene an einem Gespräch beteiligte Parteien ihre Auffassungen miteinander ins Gespräch bringen, können neue Einsichten entstehen. Gemeinsam entdecken wir den Schatz im Acker, den jede/r alleine lange vergebens gesucht hat.


Verbunden sein mit Gott
Der deutsche Physiker Max Born hat einmal gesagt, dass Ideen wie «absolute Richtigkeit», «absolute Genauigkeit», «endgültige Wahrheit» usw. Hirngespinste seien. Der Glaube an eine einzige Wahrheit und die Überzeugung, deren Besitzer zu sein, sei die tiefste Wurzel allen Übels auf der Welt. Born sagte dies im Blick auf die Wissenschaft. Seine Aussage kann aber auf fast jedes Gebiet menschlichen Lebens angewendet werden. Wenn ich keine Mehrdeutigkeit ertrage, fällt es mir schwer, andere Meinungen zu respektieren.
Wer hingegen ehrlich über sich, die Welt und Gott nachdenkt, spürt etwas von der Mehrdeutigkeit und Uneindeutigkeit des Lebens. Das braucht den Glauben nicht zu hindern oder zu gefährden. Der christliche Glaube ist wesentlich eine existentielle, nicht eine intellektuelle Erfahrung. Das heisst, es geht nicht darum, auf alle Glaubensfragen die richtige Antwort zu kennen. Vielmehr geht es um eine vertrauensvolle Verbindung mit dem Gott, von dem die Bibel berichtet. Diese Verbindung hält auch mehrdeutigen Vorstellungen und kritischer Überprüfung stand.


Fehler korrigieren können
Mit lebhaften Erinnerungen denke ich an den eingangs erwähnten Pfarrer zurück. Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich wie ein Abbild von ihm geworden: Meine Auffassungen zu Glaubensfragen erscheinen vielen Menschen wohl ähnlich vage wie mir damals seine. Ich war um die Bewahrung des «vollen Evangeliums» besorgt. Der Pfarrer dagegen wollte immer wieder neu fragen, lernen und verstehen, was dieses Evangelium für ihn bedeutet. Er wusste: So lange er offen dafür blieb, seine Überzeugungen infrage stellen zu lassen, würde er immer die Möglichkeit haben, mehr über Gott und den Glauben zu lernen und so allfällige Fehler in seinem Weltbild zu korrigieren.

 

Rolf Wyder

Von Grund auf verändert

(Bild: EMK)

Das, was zunächst fremd und bedrohlich erscheint, als lebensverändernde Bereicherung erfahren? Anna Shammas erzählt ihre Geschichte.


Es war einmal… während einer Bahnfahrt zwischen zwei Städten in Mittelland: Eine fremde Frau mit ihrem Kind machte eine Begegnung, durch die ihr ganzes Leben verändert wurde.


Stets abgelehnt
Die Frau mit ihrem Kind fühlte sich fremd, ängstlich und müde. Sie kam von weit her. Sie war ohne Freunde, ohne Sprachkenntnisse, ohne Sicherheit und ohne Gott. Unsicherheit und Einsamkeit bestimmten ihren Überlebenskampf. Die Angst beherrschte jeden Schritt in ihrem Leben. Sie fürchtete sich besonders vor den Einheimischen, denn sie war überzeugt, dass diese sie stets abgelehnt hatten.


Blatt mit Skizze
Nun musste sie im Zugsabteil neben einer dieser Einheimischen sitzen. Am Anfang gab es kein Gespräch, nur ein paar skeptische Blicke. Die einheimische Dame nahm allen Mut zusammen und sprach die Fremde an. Sie machte ihr ein interessantes Angebot. Auf ein Blatt Papier zeichnete sie den Weg zur «Pauluskirche» in Aarau. Sie schrieb dazu ein Datum und übergab den Zettel mit einem motivierenden Lächeln der fremden Frau. Erstaunt nahm die Fremde das Blatt entgegen. Die Überraschung weckte viele Fragen in ihrem Herzen.


Zuhause ankommen

Erst etwa sechs Wochen später entschied sich die Fremde, die Pauluskirche aufzusuchen. Es war an einem Sonntagmorgen. Sie stand vor der Kirche mit Furcht und Zittern. Als sie jedoch die Tür aufgemacht hatte und in den Saal trat, fühlte sie sich nach zwei Jahren bitteren Heimwehs endlich wieder zuhause. Sie trat ein und –  verstand kein Wort von dem, was der Pfarrer vorne predigte.
Unbeschreiblich war aber diese Erfahrung. War es Gottes Gegenwart, waren es die freundlichen Gesichter oder der schöne Kirchensaal oder alles zusammen, das ihr das Gefühl gab zuhause zu sein? Ein solches Gefühl kann man nicht selber machen oder sich erkaufen. Es war die Ausstrahlung der Gemeinde mit Jesus im Zentrum, die dieses Geschenk für sie bereit hielt.
Von diesem Tag an wurde das Leben der fremden Frau von Grund auf verändert. Sie war Jesus begegnet, sie hatte gelernt, dass Gott zu ihr sprechen kann. Sie wusste endlich, was Geborgenheit ist. Ihr Leben war nicht mehr von der Angst, sondern von einer neuen Freiheit bestimmt. Die heilende Gemeinschaft hatte vieles, das in ihrem Herzen zerbrochen war, wieder hergestellt. Endlich war sie wieder zuhause.


Begegnungen ermöglichen
An vielen Orten finden sich EMK Gemeinden. Viele Passanten, fremde oder befremdete, leben auch heute in dieser Welt voller Ängste. Jesus Christus ist gestern und heute derselbe und möchte diesen Menschen begegnen. Bei ihm finden sie Geborgenheit als ein Dauerangebot. Trauen wir es uns, solche Begegnungen möglich zu machen und unsere Türen zu öffnen? Auch mit dem Risiko, Ablehnung zu erfahren? Ob ein Versuch sich lohnt? Ja, ganz gewiss! Gemeinsam sind wir berufen, die Hoffnung in die Welt zu tragen. Wir sind eingeladen, die Gnadengeschichte Gottes mit zu schreiben und damit unsere Welt zu verändern.
Diese Geschichte hatte sich im September 2002 zugetragen — und übrigens ….die fremde Frau war ich selber.

 

Brunnen entdecken

Mit einem AbbAR-Prozess (abar = arab. «Brunnen» / abba = aram. «Vater») unterstützt Anna Shammas Gemeinden und Bezirke darin, «Brunnen» wiederzuentdecken, die im Laufe der Zeit zugeschüttet wurden: Gaben oder Gefässe wieder zu beleben. Oder neue Brunnen zu graben. Bei den alten und den neuen Brunnen ist das Ziel, das Menschen lebendige Wasser empfangen.
Wie das geht? – Laden Sie Anna Shammas zu sich in die Gemeinde ein. Lernen Sie mit ihr und von ihr. Entwickeln Sie Ihren eigenen AbbAR-Prozess.
Nehmen Sie direkt mit Anna Shammas Kontakt auf.

 

Anna Shammas

Eine E-Mail – eine Probe – einmal Band erleben

(Bild: EMK)

Kleine und grosse musikalische Talente in der Gemeinde entdecken und fördern – wie geht das? In der EMK in Hombrechtikon hat sich ein besonderes Konzept bewährt. Ursi Hänni leitet dort eine E-Mail-Band.


Ursi, Du bist in Hombrechtikon verantwortlich für  «die E-Mail-Band» – was ist das für eine besondere Band?
Die E-Mail-Band ist, was ihr Name sagt: Ich versende eine E-Mail und daraus entsteht eine einmalige ad-hoc-Band. Ein- bis dreimal im Jahr trifft sich so eine Band.
Was sind die Gründe dafür, dass es diese besondere Band gibt?
In der Gemeinde Hombrechtikon hatten wir viele Kinder, die Instrumente spielten. Darum haben wir uns gefragt: Wie können wir die Kinder und Jugendlichen einmal in den Gottesdienst einbinden und ihnen die Möglichkeit bieten, dass sie in einem Gottesdienst Musik machen dürfen. Dann gab es organisatorische Fragen: Welche Lieder singen wir dann? Wie kommen die Kinder zu den Liedern?
So entstand die Idee: Wir haben den Eltern, deren Kinder ein Instrument spielen, im Hinblick auf einen bevorstehenden Gottesdienst eine E-Mail geschickt, in der wir fragten: «Wir spielen im Gottesdienst, haben eure Kinder auch Interesse da mitzuspielen? Wir spielen das und das. Im Anhang habt ihr die Noten.»
Später dann haben wir gemerkt: Das muss ja nicht auf Kinder beschränkt bleiben. Es könnten auch Erwachsene mitspielen. Darum haben wir alles aus der ganzen Gemeinde mit auf den Verteiler genommen.

 

Wie läuft eine Bandprobe ab?
Du erhältst eine E-Mail. In der steht unter anderem, dass ich froh bin, wenn du mir zurückmeldest, wenn du kommst. Wir treffen uns dann sonntags um 9.00 Uhr hier in der Kirche. Der Gottesdienst beginnt um 10.15 Uhr. Die Kinder und Jugendlichen üben die Stücke vorgängig zuhause. Die Probe hier dient dazu, dass wir die Lieder einmal durchspielen – und dabei auch festlegen, wer welches Lied überhaupt mitspielen kann. Manche begleiten nur eines, manche alle Lieder.
Ein zweiter Punkt der Probe ist die «Verkabelung»: Wir brauchen für die, die singen und für einige Instrumente, ein Mikrophon. Darum müssen dann auch die Techniker schon da sein, damit wir uns miteinander organisieren können, so dass man Gesang und Musik gut hört und der Gesang und die einzelnen Musikinstrumente aufeinander abgestimmt sind.

 

Und wieviele Personen kommen?
Das frage ich mich auch immer, wenn ich zuhause bin und denke: Kommt überhaupt jemand? In der Vergangenheit, als der grosse Teil unserer Kinder und Jugendlichen mitspielte, waren wir oft zwischen fünf und zehn Musiker/innen. Aber beim letzten Mal zum Beispiel war es dann ganz anders: Der Termin lag mitten in den Ferien. Meine Familie war auch weg. Dann war ich ganz alleine hier. Das ist allerdings das erste Mal, dass das so vorkam – und war auch kein Problem, denn ich spiele auch sonst meist alleine. Mit einem Schmunzeln wurde ich dennoch als «E-Mail-Band» begrüsst. Andererseits erinnere ich mich an die sehr grosse E-Mail-Band, an der wir zwölf Personen waren. Da wurde es hier vorne dann ziemlich eng – und die Technik war stark gefordert.


Die E-Mail-Band setzt sich also immer wieder neu zusammen?
Die Besetzung der Band ist in der Tat jedesmal anders. Es gibt ein paar «sichere Werte», Kinder die ziemlich regelmässig mitspielen. Dennoch hatten wir nie zweimal dieselbe Besetzung. Und das ist ja auch genau die Idee dahinter, dass diese Band nicht verbindlich ist und die, die dabei sind, dann immer wieder dabei sein müssen. Man darf einmal kommen und erleben, wie es sich anfühlt, auf der anderen Seite des Gottesdienstraumes zu stehen. Das ist Teil des Konzepts: Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Erfahrungen zu ermöglichen, wie das ist, im Gottesdienst Musik zu machen. Im weitesten Sinne geht es dabei um Nachwuchsförderung für unsere anderen Bands. Viele von denen, die heute in diesen Bands spielen, haben mindestens einmal in der E-Mail-Band mitgemacht, als sie jünger waren.

 

Was begeistert dich an der E-Mail-Band?
Ich finde es megacool, dass man ein Mail verschicken kann – und dann kommen die Leute und machen Musik im Gottesdienst. Auch die Band vom Piano aus im Hintergrund anzuleiten, finde ich spannend: Ich bin dann ja so etwas wie der Bandleader im Hintergrund.
Und ein Zweites fasziniert mich: In unserer Gemeinde haben wir schon immer – nicht nur bei der E-Mail-Band – eine Kultur des Ausprobierens: Man darf Dinge testen – und auch einmal Fehler machen. Irgendwo muss man solche Dinge ja lernen können. Wenn einzelne mitmachen sollen, dann muss es ja auch die Möglichkeit geben, so etwas einmal auszuprobieren. Ich finde, die E-Mail-Band ist ein geniales Gefäss um einzusteigen. Und wenn dabei jemand merkt: Nein, das ist nichts für mich! – Dann muss sie/er nicht mehr kommen. Das ist auch in Ordnung. Aber wenn jemand merkt: Das macht mir Freude. Das mache ich gerne! – Dann freut mich das auch.

 

Noch Fragen?

Falls Sie etwas ähnliches auch in Ihrer Gemeinde ausprobieren wollen, dürfen Sie gerne mit Ursi Hänni Kontakt aufnehmen: E-Mail.

 

Ein Video zur E-Mail-Band finden sie im Youtube Kanal der EMK.

«Inwiefern war die E-Mail-Band für Dich wichtig?»

(Bilder: EMK)

Timon Zbinden (l.) und Marc Hänni haben in der E-Mail-Band mitgespielt. Heute spielen sie in der Band «Yellowship» mit. Das sagen sie rückblickend über die E-Mail-Band:


Timon: «Ich durfte endlich mal zeigen, was ich im Gitarrenunterricht gelernt habe.»

Marc: «Ich habe die Freude am gemeinsamen Musizieren entdeckt, was mich später motiviert hat, in einer fixen Band mitzumachen – die dann sogar am Camp4 auftreten durfte!»

 

Sigmar Friedrich

 

 

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Eigenständigkeit

(Bild: Stefan Pfister / Connexio)

«Wie kann man ‹Nein› sagen zu etwas, zu dem Gott einen berufen hat?», fragte Pfarrer Lun Sophy mit belegter Stimme nach seiner Wahl zum ersten Präsidenten der «Methodist Church of Cambodia» (MCC). Eigentlich hatte er sich aus gesundheitlichen Gründen aus den Wahlen herausnehmen wollen. Der Bischofsrat kam zu einer anderen Einschätzung. Und die Pfarrer/innen und Laiendelegierten der «Methodist Church of Cambodia» (MCC) wählten ihn mit eindeutiger Mehrheit als Präsidenten. Mit dieser Wahl und den dazugehörigen Feiern wurde die 10. Missionskonferenz der MCC abgeschlossen und die 1. Provisorische Jährliche Konferenz begonnen.

 

Der grosse Schritt in die Eigenständigkeit bestimmte die Tagung durchgehend: Am 28. August hatten Pfarrpersonen und Vertreter der Missionsagenturen in ersten Sitzungen verschiedene Themen besprochen und beschlossen, die mit der immer grösser werdenden Unabhängigkeit zu tun haben: Wie kann die MCC funktionieren und ihre Verantwortung wahrnehmen? Welchen Stellenwert haben die Vertreter/innen der Agencies noch? Wie sieht es mit den Finanzen aus? – Seit einigen Jahren hatte sich dieses sogenannte «Implementation Committee» und «Coordinating Board» zweimal jährlich in den Räumen der Bibelschule in Phnom Penh getroffen. In den ersten Jahren hatten Vertreter/innen der Missionsagenturen die Sitzungen geleitet. Nach und nach erhielten dann die Kambodschaner/innen immer mehr Verantwortung zugesprochen.


Vertreter/innen von Connexio
Aus der Schweiz nahmen Peter Siegfried und Stefan Pfister an dieser Konferenz teil. Sie reisen regelmässig nach Kambodscha, um dort in der Pfarrerweiterbildung zu helfen. Ausserdem waren Ueli Bachmann als neuer Geschäftsleiter von Connexio und Andreas Stämpfli als «neu-pensionierter» Geschäftsleiter dort ebenso wie Roman Gnaegi und Flavia Contreras, die seit knapp einem Jahr in Kambodscha leben und Koordinationsaufgaben im Namen von Connexio in der MCC wahrnehmen.


Erste Jährliche Konferenz
Der offizielle Teil der Jährlichen Konferenz begann am 3. September mit der «geschlossenen Sitzung der Pfarrer/innen», in der über Fragen im Zusammenhang mit Ordination und konkreten Fragen und Anliegen der Dienstgemeinschaft gesprochen wurde. Der Bischof von Singapur, Bischof Ching Chang Chung, leitete die Sitzungen mit Feingefühl und Klarheit. Am folgenden Tag kamen die Laiendelegierten dazu. Mit einem Abendmahlsgottesdienst wurde die Konferenz eröffnet. Nachdem der Wechsel von der «Missionskonferenz» zur «Provisorischen JK» vollzogen war, wurde der Präsident gewählt, ebenso der Konferenzsekretär, der Laienführer und die verschiedenen Gremien.


Wachsende Kirche
Ausserdem wurden die Berichte der Distriktssuperintendenten (DS) besprochen. Diese hatte in schriftlichen Berichten Einblicke gegeben in das, was im vergangenen Jahr geschehen ist: Welche Veranstaltungen und Weiterbildungen, welche Fragen haben den Distrikt beschäftigt? Welche Herausforderungen kennen die Gemeinden des Distrikts? usw. Das ermöglichte intensivere Einblicke in die Arbeit in den Distrikten. Ausserdem wurden Statistik und Finanzen besprochen. Die Kirche wächst jedes Jahr um rund 100 Personen. Zudem kommen jedes Jahr mehr Finanzen von den kambodschanischen Gemeinden. Obwohl die Missionsagenturen auch weiterhin rund 75% des Kirchenhaushalts von rund 280’000 US-Dollar tagen, kommen inzwischen rund 25% aus den kambodschanischen Gemeinden.


Verschieden und verbunden
Der Ordinations- und Festgottesdienst fand am Freitag dem 7.September in einem grösseren Saal in Phnom Penh statt. Bischof Chung legte in seiner Predigt den Text aus Josua 1,1-9 sehr konkret auf die Situation der MCC hin aus. Feierlich wurde Lun Sophy zum Präsidenten eingesetzt und zwei Älteste und zwei Diakone für ihr Amt mit einer Ordination beauftragt. Die Vertreter/innen der fünf Missionsagenturen brachten musikalisch zum Ausdruck, was in der Vergangenheit geschehen war und auch weiterhin geschehen sollte: Die erste Strophe von «O thousand Toungs» («Mein Mund besinge tausendfach») sangen die Frauen, die zweite Strophe die Männer, dann wurde das auch in der kambodschanischen Kirche sehr bekannte Lied «Du grosser Gott, wenn ich die Welt betrachte» gesungen. Als Vertreter/innen von Connexio sangen wir (? Plötzlich wechsel zum wir??) die erste Strophe, den Refrain sangen wir in Khmer, die zweite Strophe sangen die koreanischen Delegierten, die dritte Strophe die chinesisch-sprechenden Delegierten, die vierte Strophe sangen wir dann alle in Englisch zusammen mit den amerikanischen Delegierten. Ein Zeichen der Verschiedenheit und Verbundenheit gleichzeitig.


Wachsende Selbständigkeit
Nach einem 20-jährigen Weg der Zusammenarbeit beginnt mit der Gründung der «Provisorischen Jährlichen Konferenz» ein neuer Abschnitt für die Methodist/innen in Kambodscha. Die Mitarbeitenden der fünf Missionsagenturen aus den USA, Korea, China, Singapur und der Schweiz werden Kambodscha zwar noch eine längere Zeit nicht verlassen dürfen und können. Mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung werden sie auch in Zukunft die MCC stärken, wo immer möglich – dabei jedoch zugleich immer mehr der Verantwortung abgeben.
Nach wie vor ist die MCC dankbar, wenn in der Schweiz weiterhin regelmässig für die Arbeit in Kambodscha gebetet wird und wenn auch Lun Sophy mit seiner neuen Aufgabe als Präsident auf der Fürbitteliste erscheint.

Die Geschichte der MCC

Peter Siegfried hat einige wichtige Stationen der «Methodist Church of Cambodia» (MCC) aus seiner persönlichen Erfahrung niedergeschrieben. Sie finden seine Erinnerungen hier.
In knapperer Form hat Peter Siegfried für den Connxio Begnungsabend an der JK 2018 einige Stationen zusammengestellt. Das Dokument finden Sie hier.

Freiraum für Neues: Das Pilotprojekt EifachWiit

(Bild: zVg)

 

Im Gebet von einer Begleitgruppe getragen und mit Unterstützung im Bereich Administration baut Reto Nägelin mit «EifachWiit» seit dem letzten Frühling an einer «himmlischen Community». Das ist ein Netzwerk von Frauen und Männern – die meisten zwischen 25- und 45-jährig, die zusammen auf der Suche danach sind, wie Gottes Reich mehr Raum in dieser Welt bekommen kann.

   
«Die Leute, mit denen ich unterwegs bin, würden den Rahmen der meisten kirchlichen Organisationen sprengen. Sie kämen auch gar nicht auf den Gedanken einen traditionellen Gottesdienst zu besuchen», erklärt Reto und veranschaulicht das an einem Beispiel: «Die EMK-Bezirke funktionieren nach einem bewährten Schema: Gemeinschaft, Befähigung, Aussendung und Wachstum. Bei EifachWiit ist das anders. Die Leute kommen in Kontakt und wachsen durch Begegnungen. Die Gemeinschaft entspricht eher einem Netzwerk und ist der Schlusspunkt der Entwicklung. Bis dahin haben diese Leute oft einen grossen Reifeprozess durchgemacht.»


Fasziniert vom Himmel
Die Leute kommen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Aus diesem Grund arbeitet Reto mit Whatsapp und anderen Messengerdiensten und sozialen Medien, unverbindlich, aber authentisch. Seelsorge finde ebenfalls gelegentlich via Whatsapp-Kommunikation statt. Auch «Hausbesuche» gehören dazu. Diese finden meist am Bahnhof, bei einem Kaffee, Brunch oder bei einem Spaziergang statt. «Wenn ich zum Gemeindeabend in eine Kirche einladen würde, kämen wohl nur wenige. Aber wenn ich eine Nachricht absetze mit der Frage, wer mit mir bräteln möchte, dann kommen sie», sagt Reto und lacht.
«Sie» meint eine bunt gemischte Truppe. An Retos Gottesdiensten sind alle dabei, vom Junkie bis zum Banker, manchmal in kleinen Grüppli, an Töff- oder Bluesgottesdiensten zu hunderten. Es sind Leute, für die es keine Rolle spielt, ob einer schwul oder heterosexuell ist, welche Droge die eine schnupft oder die andere schluckt, welche Tatoos oder ausgeflippten Kleider jemand zur Schau trägt oder welche sonderbaren Hobbys er pflegt. «Es sind alles Menschen, die von Gott nicht losgelassen werden. Sie fragen nach dem Himmel», charakterisiert Reto seine ungewöhnliche «Gemeinde». Derzeit hat er 925 Kontakte auf Facebook und viele mehr in den Karteien der Messengerdienste.

 

Zuversichtlich in die Zukunft
Bis 2020 hat Reto Zeit zu erproben, ob sich EifachWiit in eine nachhaltige Form übertragen lässt. Während dieser Zeit sinkt der Unterstützungsbeitrag der EMK stufenweise – in der Hoffnung, dass sich alternative Geldquellen, vonseiten der Teilnehmenden oder von dritter Seite erschliessen lassen. Doch was geschieht, wenn es mit der künftigen Finanzierung nicht klappt und der Versuch scheitert?
Konfrontiert mit dieser Frage sagt Reto: «Wie das mit der Finanzierung gelingen soll, weiss ich nicht, noch nicht, aber Gott scheitert nie. Ich bin überzeugt am richtigen Ort zu sein und genau das zu tun, was dran ist. EifachWiit ist nur ein Werkzeug. Gott ist mit den Menschen unterwegs  und baut sein Reich mit ihnen, da geht nichts von dem verloren, was bis dahin in unzähligen Leben erreicht wird.» Auch um seine persönliche berufliche Zukunft macht Reto sich manchmal Sorgen, aber das Vertrauen in Gott und den Auftrag ist grösser: «Wenn Gott eine Tür schliesst, öffnet er dafür eine andere.»

 

Ein Gemeinschaftswerk
Reto ist sich bewusst, dass er zwar für seine «Gemeinde» eine wichtige Bezugsperson darstellt, doch dass EifachWiit ein Miteinander ist und nicht eine Ein-Mann-Show. «Ohne die Unterstützung der Begleitgruppe mit Stefan Zürcher, Matthias und Lukas Fankhauser, in spiritueller und organisatorischer Hinsicht, wäre es für mich schwierig.» Auch die Musiker und Techniker, mit denen Reto für die Gottesdienste zusammenarbeitet, tragen zum Gelingen bei. «Dazu kommen die Kirchgemeinden, die EMK, reformierte, katholische und andere Denominationen», ergänzt er.
Als Wanderprediger geht Reto dahin wo man ihn will. Er ist oft auf Achse, in der Schweiz und manchmal im benachbarten Ausland. Seine künftige Heimat ist im Zürcher Oberland. Gelegentlich nimmt er den Zug, wo er neue Kontakte knüpft. Manchmal nimmt er seinen Kleinbus, in dem er übernachten kann. Und manchmal bepackt er sein «Busli» mit Schlafsack und Proviant, um einige Tage mit Gott allein zu sein. «Ich brauche Rückzugsmöglichkeiten. Jesus macht es vor, und ich halte mich an sein Vorbild», sagt Reto.

 

Die Zahlstelle – der Film

Der Kurzfilm zur Zahlstelle ist da. Von der Kindheit bis zu den Senioren: Die Bildergeschichte veranschaulicht, wie viele Möglichkeiten das Sparen mit dem Kontosortiment der Zahlstelle eröffnet. Heute: Neue Formen der Gemeinschaft erproben. Hier finden Sie den Film.

 

Werdegang

Reto Nägelin (43) hat ursprünglich Elektriker gelernt und wechselte bald in die Informatik. Nach einigen Jahren Berufserfahrung machte er die Ausbildung zum Diakon an der Schule für Diakonie in  Greifenssee. Weiter studierte er «Social Managament» an der ZHAW, schrieb das Buch «Kirchen die Menschen mögen». Wichtige berufliche Stationen waren das «Netzwerk-C» ein Backoffice für Glaubensfragen beim Cevi, die Aufbauzeit bei der Streetchurch und die Leitung von Takano, die er 2011 bis 2016 gemeinsam mit Beat Bachmann innehatte. Zentraler Bestandteil seiner Verkündigung ist Musik, ob Blues, Country oder Gospel. Mit Musikern ist er seit über zehn Jahren als Bluesdiakon unterwegs.
Mehr Infos zum Projekt auf der Webseite.

 

Daniela Deck

Auf dem Brunni gibt es zu tun!

(Bild: zVg)

Seit mehr als 50 Jahren besitzt die Jungschar auf dem Brunnersberg oberhalb von Matzendorf SO ein Lagerhaus. Verschiedenste Gruppen innerhalb und ausserhalb der EMK nutzen es für Wochenenden oder grössere Lager. Nun suchen sind ehrenamtliche Helfer/innen gesucht, die bei Verwaltung und Unterhalt helfen.

Von den Gruppen, die «den Brunni» mieten, erhält das Haus immer wieder hervorragende Rückmeldungen. Es ist gut ausgelastet. Der Unterhalt des Hauses und seiner Umgebung wird durch die Arbeitsgruppe «Jungscharhaus Brunnersberg» organisiert und mit viel Liebe entweder selbst ausgeführt oder zusammen mit Handwerkern oder Lieferanten umgesetzt.


Liegenschaft verwalten
Für das Amt des Liegenschaftsverwalters wird eine neue Person gesucht. Es geht darum, Reparatur- und Revisionsarbeiten zu planen und Arbeitseinsätze zu koordinieren. Dabei darf diese/r Liegenschaftsverwalter/in sich auch bei der Pflege der Hausumgebung und bei Übergaben und Abnahmen des Hauses aktiv einbringen. Ein ausführlicher Aufgabenbeschrieb ist hier abrufbar.


Haus abnehmen
Auch für kleinere Aufgaben sind zusätzliche Helfer/innen gesucht. Wer bei Arbeits-Samstagen mitanpacken möchte, wird regelmässig auf die aktuellsten Termine hingewiesen. Wer das von Mietern benutzte Jungscharhaus – vor allem am Wochenende – abnehmen kann, darf nach einer Einarbeitungsphase gerne selbstständig Abnahmen durchführen.

 

Gratis Zugabe
Alle Arbeiten im Zusammenhang mit der Verwaltung des Jungscharhauses werden ehrenamtlich erbracht, wobei anfallende Spesen übernommen werden. Die tolle Aussicht vom Brunnersberg gibt es gratis dazu.

United Methodist Church